„Wild braucht Ruhe!“

Detlef Kleinwort, Leiter des Hegerings V der Kreisjägerschaft, bittet, die Tiere nicht durch Waldspaziergänge zu stören

Published7. Januar 2026

AuthorJörg Frenzel

Ein Reh äst an einem großen Tannenzweig im verschneiten Wald.

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Rehe haben wenig zu futtern – deshalb dürfen sie ihre Energie nicht mit Fluchten vor Menschen verschwenden.

Mit der Kälte kommt der Stress. Die Tiere in freier Wildbahn leiden besonders unter den niedrigen. Das Problem kann durch unbedachte Menschen verschärft werden. Wenn sie sich bei Spaziergängen durch die Natur erholen möchten, wird dadurch oft die Situation des Wildes noch verschlimmert. Darauf weist die Kreisjägerschaft Pinneberg hin. Denn die Kälte setzt den Tieren zu, sie brauchen all ihre Energie, um nicht zu erfrieren. Wenn sie durch Spaziergänger allerdings aufgeschreckt werden und schnell flüchten müssen, wird diese Überlebensenergie schnell verbraucht – es droht der Tod. „Wild braucht Ruhe. Bitte stören Sie es nicht“, appelliert Detlef Kleinwort, Leiter des Hegerings V der Kreisjägerschaft, zu dem auch Wedel gehört..

Wenn Erholungsgebiete wie der Klövensteen, die Holmer Sandberge oder die Elbmarsch besucht werden, müssen Wanderer auf jeden Fall auf den Wegen bleiben und Hunde unbedingt angeleint sein. Denn der Winter mit seinen kurzen Tagen ist vor allem für Vegetarier wie das Reh eine schwere Zeit. Sogar der Herzschlag der Tiere wird langsamer. So kann Energie während der kalten Jahreszeit gespart werden. Die Schleimhautzotten im Darminneren sind reduziert und somit auf das geringere winterliche Nahrungsangebot angepasst. Das hilft dem Schalenwild beim Energiesparen, welches im Winter auch ohne Schneelage dringend nötig ist. Mit ihrer Energie haushalten müssen auch andere Wildtiere wie Feldhase, Rebhuhn und Wasservögel. So suchen beispielsweise Höckerschwäne auch auf Winterrapsflächen nach Grünfutter.

Rehe versuchen zudem Energie zu sparen, indem sie etwa Spaziergänger näher an sich heranlassen und sich wegducken. Sie flüchten erst in letzter Sekunde. Den Energieverlust nach einer Flucht müssen sie aber ausgleichen.

Sind Hunde nicht angeleint, ist im Winter die Gefahr größer, dass diese ein Reh aufgrund der verkürzten Fluchtdistanz fassen und töten. Das Rotwild bildet Rudel und zieht sich in den schützenden Wald zurück. Wird durch Beunruhigung die Aufnahme von Nahrung auf Wildäckern und Offenflächen verhindert, schält Rotwild die Rinde der Bäume oder verbeißt diese, was forstliche Schäden verursacht. Wildschweine bekommen im Januar Nachwuchs. Die Bache bringt drei bis zwölf Frischlinge in einer Erdsenke, dem sogenannten Kessel, zur Welt. Diese sind auf die Wärme von Mutter und Geschwistern angewiesen. Detlef Kleinwort: „Solche Rückzugsräume dürfen nicht gestört werden. Bei allem Verständnis für Menschen, die sich in der Natur erholen möchten, dürfen die Wildtiere nicht vergessen werden.“ (Jörg Frenzel)

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