Wedels Feuerwehr, Wedels DLRG und die Kieler Innenministerin

Wehrführer Holger Koschek und Oliver Kusber aus dem Führungsdienst der DLRG Wedel gaben Innenministerin Magdalena Finke Einblicke in ihre Arbeit an der Basis.

Published5. Juni 2026

AuthorJörg Frenzel

Frau und Mann

Blaulicht Finke Koschek (6)(1)

Ernste Themen - freundliche Stimmung: Innenministerin Magdalena Finke und Wedels Wehrführer Holger Koschek. Foto: Frenzel

Die vom CDU-Landtagsabgeordneten Martin Balasus organisierte Veranstaltung „Risiko oder Respekt für Retter?“ nutzten Wedels Feuerwehrchef Holger Koschek und Oliver Kusber aus dem Führungsteam der DLRG Wedel zum Netzwerken mit Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke. Nach rund 90 Minuten spannender Diskussion gemeinsam mit zirka 80 Mitgliedern der „Blaulicht-Familie“ nahm sich die Ministerin viel Zeit für Einzelgespräche auch mit Koschek und Kusber.

Problem Respektlosigkeit

In großer Runde war es Magdalena Finke und Martin Balasus zunächst darum gegangen, Sorgen, Wünsche und auch Positives von Feuerwehren, Polizei-Gewerkschaft, Rettungsdienst und THW zu erfahren. Das Lagebild für die beiden Politiker: Es mangelt immer stärker an Respekt für die professionellen und ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die teilweise sogar während ihrer hilfreichen Handlungen belästigt, beleidigt und bedrängt werden. Holger Koschek wies dabei darauf hin, dass diese Unart durchaus nicht nur bei halbstarken Jugendlichen eingerissen ist, sondern auch von Erwachsenen betrieben wird, die es eigentlich besser wissen müssten. Die Feuerwehr Wedel begegnet diesem unliebsamen Aspekt durch direkte Ansprache entsprechender Schaulustiger vor Ort: Dazu muss man aber die Zeit haben, was allerdings Kräfte bindet, die beim Geschehen sinnvoller eingesetzt werden könnten.

Problem Mehrwertsteuerpflicht

Holger Koschek bat die Ministerin dringend darum, von Seiten des Landes Handlungsempfehlungen an die Wehren herauszugeben, wie sie mit der auf EU-Ebene beschlossenen Mehrwertsteuerpflicht umgehen sollten. Hintergrund: Früher konnte die Feuerwehr bei Tagen der offenen Tür, Osterfeuern und dergleichen Würstchen und Getränke zugunsten der Kameradschaftskasse verkaufen, ohne dass es das Finanzamt interessierte. Nach der EU-Änderung geht ein Sturm der Entrüstung durch die Wehren im Land, weil es zum einen die Kosten für die Speisen verteuert und zum anderen noch mehr Bürokratie durch Abrechnungen nach sich zieht. Koschek: „Ich habe mich bald jeden Tag seit Amtsantritt mit irgendeiner Auswirkung beschäftigen müssen. Die Lage, wie genau zu verfahren ist, ist uneindeutig. Vom Land wünsche ich mir eine generelle Empfehlung, die für alle Wehren gelten kann.“

drei Männer

Gratulation nachträglich: Wedels Wehrführer Golger Koschek (von links) ist zwar schon rund 100 Tage im Amt, aber der Abgeordnete Martin Balasaus hatte erst jetzt die Chance, persönlich per Handschlag zu gratulieren, rechts Wedels stellvertretender Wehrführer Sebastian „Inge“ Meisel. Foto: John Hildebrand.

Interessiert nahm Holger Koschek auch die Erläuterungen von Magdalena Finke zur Kenntnis, durch Sammelbestellungen von Einsatzfahrzeugen und auch durch einheitliche Feuerwehrwachen-Modelle bei Neubauten könnten Kosten gesenkt werden – vor dem Hintergrund des maroden Stadt-Etats und des dringenden Wedeler Wachen-Neubaus auf den ersten Blick eine sinnvolle Angelegenheit. Auf Nachfrage von Wedel-Klartext musste der Wehrführer aber etwas (Lösch-)Wasser in den Wein gießen: „Einheitliche Wachen-Entwürfe passen sicherlich gut zu kleineren Feuerwehren mit wenigen Fahrzeugen. Wedel hat aber eine der größten Freiwilligen Feuerwehren im Land und besondere Spezialitäten, die andere nicht haben. Beispielsweise gehört eine eigene Atemschutzgeräte-Werkstatt dazu. Da stellt sich die Frage, ob so etwas alles in ein Einheits-Konzept passt.“

Sein Gespräch mit der Ministerin wertet der Wedeler Wehrführer als positiv: „Ich habe das Gefühl, dass sie alles tut, was in ihren Möglichkeiten liegt.“

Oliver Kusber vom Leitungsteam der DLRG Wedel ergriff die Chance, auch der Ministerin zu erläutern, wie misslich für die DLRG die fehlende Beauftragung der Stadt Wedel zur Wasserrettung ist.

Problem fehlender Auftrag

Oliver Kusber von der DLRG sprach bei der Ministerin das Problem an, dass die Stadt Wedel sich seit rund vier Jahren weigert, auch die DLRG  mit dem Wasserrettungsdienst auf der Elbe zu beauftragen. Das koste die Stadt nichts, benachteilige auch die Feuerwehr nicht, aber der DLRG eröffneten sich die Chancen auf Zuschüsse durch das Land. Die Stadt argumentiere mit unklaren Haftungsfragen – ein Problem, das andere Kommunen wie Elmshorn und Plön und sogar Kiel und Hamburg nicht sehen, obwohl die DLRG dort ebenfalls auf stark befahrenen Seeschifffahrtsstraßen aktiv ist. Oliver Kusber wies die Ministerin auch darauf hin, welche weiteren Schwierigkeiten gegebenenfalls auftreten könnten, falls sich da nichts ändere: Eventuell drohen der Verlust von Sonderrechten im Straßenverkehr und der Ausschluss vom Behörden-Funk.

 

 

 

 

 

 

 

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