Wedel ist edel! Oder doch nicht mehr?

Auszüge aus Reaktionen unserer Leser zur Meinungsumfrage über die aktuelle Lage in der Stadt rund um den Roland

Published5. März 2026

AuthorMichael Rahn

Der Wedeler Roland als Denkmal halb in Farbe, halb in Schwarz-Weiß, zerrissen in der Mitte.

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Wedel hat gute Seiten, aber auch seine Schatten. Ein paar Meinungen.

Das geflügelte Wort „Wedel ist edel“ schwirrte einst durch die Stadt und ihre selbstbewusste Bürgerschaft. wedel-klartext wollte wissen: Gilt das noch? Was gefällt? Wo liegen Probleme? Welche Umstände und Entwicklungen sind erfreulich und welche weniger? Was gibt Ihnen Zuversicht? Was macht Ihnen Sorgen? Leider haben wir nur etwa ein Dutzend Rückmeldungen zu dieser Umfrage erhalten. Vielleicht war es dafür zum Start als neues Nachrichtenportal noch zu früh. Wir wollen trotzdem zusammenfassen, was uns als namentlich eindeutig zuzuordnenden Reaktionen erreichte. Wir veröffentlichen Auszüge aus den Beiträgen.

Sören Paasch: „Als Vater sehe ich mit Sorge“

„‚Wedel ist edel‘ war für mich als Kind und Jugendlicher ein Schnack, mit dem ich mich gut identifizieren konnte. Für mich hatte diese Stadt damals einiges zu bieten“, schreibt Sören Paasch. Heute stehe er nicht mehr hinter dieser Aussage. „Als Vater sehe ich es mit Sorge, dass in so vielen Bereichen gespart wird. Zum Beispiel in der Bildung, und dass Spielplätze einfach abgebaut und gesperrt werden, da kein Geld da ist.“

Die Stadt verliert für Sören Paasch „(leider) mehr und mehr an Attraktivität“. Auch was an Entscheidungen im Rathaus getroffen werde, lässt ihn „nur den Kopf schütteln.“ Der Familienvater weiß, dass er sich eigentlich politisch selbst engagieren müsse, um auf Veränderungen in Wedel hinzuwirken. Aber er bedauert: „Dazu fehlt mir die Zeit.“ Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: „Ich bin aber an dem Punkt, an dem ich so etwas machen würde, da ich es traurig finde, wie Wedels Attraktivität schwindet.“

Rosemarie Binz-Vedder: „Hat sich Wedel übernommen?“

Rosemarie Binz-Vedder ist hingegen vielfältig kommunalpolitisch engagiert. Sie hat den längsten Beitrag eingereicht und erzählt: „Wedel an der Elbe war als begeisterte Radfahrerin für mich von Hamburg aus schon immer ein beliebtes Ausflugsziel, sodass ich nach meiner Berufstätigkeit als Lehrerin gerne hier hergezogen bin. Gleich am ersten Abend im Sommer 2013 stieß ich an der Elbe auf eine Opernaufführung von Mozarts Zauberflöte, für die ich spontan Tickets bekam. Während der Arie der Königin der Nacht fuhr ein Kreuzfahrtschiff vorbei. Ein beeindruckendes Erlebnis!“

Wedel habe kulturell viel zu bieten, schwärmt die Pädagogin: „Theater, Konzerte, Batavia, VHS, Fachhochschule, Bücherhalle. Auch im sozialen und gesellschaftlichen Bereich sind viele Wedeler aktiv: Familienbildungsstätte, ehrenamtliche Tätigkeiten, Schulkindbetreuung, Flüchtlingshilfe, Beratung, Schulsozialarbeit, Badebucht usw.“

„Entgegen aller Versprechen, Steuern erhöht“

Angesichts der aktuellen Entwicklung stellt sich Rosemarie Binz-Vedder die Frage: Hat sich das kleine Wedel übernommen? Sie meint dazu: „Viele Bürger sind frustriert, manche müssen wegziehen, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können oder keine größere familiengerechte Wohnung finden, während wohlhabende Hamburger hierherziehen. Leider habe die Politik nicht rechtzeitig bemerkt, „dass die Einnahmen mit den ständig wachsenden Ausgaben und ständig  neuen Ideen und Perfektionsansprüchen, die aus dem Rat kommen, und Personalwünschen  aus der Verwaltung, nicht mitwachsen.“

Der Haushalt sei ein Dauerproblem. Das Mobilitätskonzept sehr aufwändig mit Bürgerbeteiligung und kostspielig erstellt und am Ende sei für eine Umsetzung kein Geld vorhanden Die vierte Grundschule fehle. Die Lehrerin im Ruhestand kommentiert: „Zwar hat es immer wieder Anbauten an Schulen (mit hohem Standard) gegeben, aber die Raumprobleme der beiden Offenen Ganztagsschulen wurden trotz bevorstehendem Rechtsanspruch nicht ansatzweise gelöst (…).“ Besonders enttäuschend empfindet Rosemarie Binz-Vedder „die mangelnde Transparenz von Problemen und Entscheidungen und mangelnde Gesprächsbereitschaft mit den Bürgern!“  Das sei „leider auch Wedel!“

Wally Helmke: „Lebe da, wo andere Urlaub machen“

Mit einem einfachen Satz drückt hingegen Facebook-Leserin Wally Helmke ihre Zuneigung zur Rolandstadt aus: „Ich lebe da, wo andere Urlaub machen.“

Dem stimmt Delef Klick, ebenfalls via Facebook nicht zu : „Das war mal, (ist) schon lange nicht mehr. Bin da geboren und aufgewachsen.“ Ein anderer Facebook-Leser rät: „Einfach mal die Bahnhofstraße hochgehen, Parksituation, Ladenvielfalt, Leerstand und Zustand aufnehmen, der Rest erklärt sich von allein. Die glänzende Vergangenheit gab es, Zukunft, ausbaufähig.“

Christine Suhr: „Früher hatten wir viele kleine Läden“

Christine Suhr stimmt dem Schreiber zu: „Früher hatten wir viele kleine Läden überall (nicht nur in der Bahnhostraße), die nach und nach z. B. aus Altersgründen geschlossen wurden. Ich denk dabei an die Schlachtereien, von der nur noch eine übrig ist. Handwerksbäcker seit der Schließung von Hackradt? Fehlanzeige! Hier in der Moorwegsiedlung halten sich die kleinen Geschäfte für den tgl. Bedarf auch nicht. Die Miete für den Laden am Hasenkamp ist hoch, die Preise für die Ware dementsprechend auch. Das zahlt man nicht, wenn 1 km weiter Aldi, Edeka und Budni sind. Einzig unser schöner Kiosk ist neben 2 Friseuren noch da.“

Jörn Boysen lebt seit 1974 in Wedel und meint: „Es ist seit geraumer Zeit eine Rutschpartie Richtung unten! Die Stadt macht nur noch des wirklich Allernötigste, da, wegen m. E. politischer Fehlentscheidungen (jeder will sein Denkmal) viel zu viel Geld für unüberlegtes (zu teures Bad, Riesenhafen usw.) ausgegeben wurde. So man den Informationen entnehmen kann, schert das aber keinen, in der immer wieder aufgestockten Verwaltung und Politik. (…) Irgendwie möchte ich nicht, das Wedel unter Kuratel gestellt wird!“

Susanne Parakenigs: „Personal abbauen, digitalisieren“

Susanne Parakenigs schlägt vor, Ausgaben zu senken, Personal abzubauen und mehr zu digitalisieren. Sie mahnt aber auch, daran zu denken, „dass es viele ältere Menschen in Wedel gibt, die einen Ansprechpartner brauchen.

Saniel Basic: „Potenzial der Elbe mehr nutzen!“

Saniel Basic hat sich der Künstlichen Intelligenz für seinen Beitrag bedient: „Wedel hat mit der Elbe eigentlich ein riesiges Potenzial, nutzt es aber kaum für die Menschen, die hier leben. Außer Spazierengehen oder kurzen Ausflügen gibt es praktisch keine Angebote, die man im Alltag wirklich nutzen kann. Es fehlen Orte, an denen man sich aufhalten kann, an denen Familien etwas machen können oder wo einfach Leben entsteht.“ Der Fluss sei da, aber er werde für die Stadt und ihre Bürger kaum erlebbar gemacht.

„Wedel wirkt wie ein Ort für Besserverdienende“

Für Familien und junge Eltern sehe es nicht besser aus. Wer mit Baby oder kleinen Kindern unterwegs ist, finde „kaum sinnvolle Möglichkeiten, Zeit zu verbringen, gerade wenn das Wetter schlechter ist“. Wenn es Angebote gebe, seien sie oft teuer „und damit nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung bezahlbar“. Für normale Familien bleiben damit nur wenige Optionen, ihren Alltag außerhalb der eigenen vier Wände zu gestalten.

Der Wohnungsmarkt verschärfe die Situation zusätzlich. Bezahlbare Wohnungen seien selten und „oft nur über Kontakte“ zu bekommen. Für Facharbeiter und Menschen mit normalem Einkommen gebe es kaum realistische Mietangebote. Saniel Basic kommentiert: „Insgesamt entsteht so der Eindruck einer Stadt, die zwar schön gelegen ist und viel Potenzial hätte, dieses aber zu wenig für die breite Bevölkerung nutzt. Wedel wirkt dadurch eher wie ein Ort für bestimmte Einkommensgruppen und weniger wie eine Stadt, in der sich Familien, Berufstätige und junge Menschen dauerhaft gut aufgehoben fühlen“.

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