Vorsicht an der Haustür und am Handy

Vom falschen Handwerker bis zum Schockanruf – Betrüger suchen immer neue Wege. In der AWO Wedel gab es von der Polizei praktische Tipps, wie man sich davor schützen kann.

Published19. Februar 2026

AuthorWolf-Robert Danehl

Polizeihauptmeister Daniel Staak steht in der Mitte von Annegret Finck und Renate Palm von der AWO und blickt in die Kamera

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Annegret Finck (v.links), Leiterin der AWO-MS-Gruppe, und Renate Palm von der AWO freuten sich, dass Polizeihauptmeister Daniel Staak vom Polizeirevier Wedel sich Zeit nahm, um über die vielfältigen Maschen von Tätern zum Nachteil lebensälterer Personen zu berichten.(Fotos: Danehl)

Der Anruf kam an einem ganz gewöhnlichen Dienstagvormittag. „Oma, ich bin’s – bitte hilf mir“, schluchzte eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Für einen Moment blieb Hannelore W. das Herz stehen. Es klang tatsächlich wie ihr Enkel Florian. Ein Unfall, sagte die Stimme, er habe jemanden verletzt, die Polizei sei schon auf dem Weg. Noch bevor Hannelore klar denken konnte, übernahm ein angeblicher Beamter das Gespräch – ruhig, bestimmt, mit der Bitte, sofort Geld bereitzuhalten, um Schlimmeres zu verhindern.

Zwei Stunden später war das Ersparte weg – und der Schock tief. Erst als Florian am Abend wie gewohnt anrief, wurde klar: Sie war auf einen perfiden „Schockanruf“ hereingefallen, eine Betrugsmasche, die immer mehr ältere Menschen trifft.

Anrufsmaschen nehmen zu

So oder so ähnlich spielen sich fast täglich Betrugsversuche ab.  Laut der Wedeler Polizei gehen derzeit bis zu acht Anrufe von hilfesuchenden, betroffenen Menschen pro Woche im Revier ein, die solche Vorfälle anzeigen oder darüber berichten möchten, und das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, da sich viele Opfer schämen, darauf hereingefallen zu sein.

„In solchen Momenten reagieren viele Menschen emotional, fühlen sich unter Druck gesetzt und verlieren ihr Misstrauen“, erklärt Polizeihauptmeister Daniel Staak. „Legen Sie auf, atmen Sie durch und rufen Sie Ihre Angehörigen oder die echte Polizei unter 110 oder unsere Reviernummer (04103 – 50 18 – 0) an, denn Staatsanwaltschaft und die Polizei würden niemals per Telefon Bargeldzahlungen verlangen.“

Prävention zum Schutz lebensälterer Menschen

Das Polizeirevier Wedel setzt seit einigen Jahren auf Prävention.  So waren 35 Interessierte der Multiples-Sklerose- (MS) und der Parkinson-Gruppe der Arbeiterwohlfahrt Wedel am Wochenende in die AWO-Begegnungsstätte in der Rudolf-Breitscheid-Straße  gekommen, um sich einen Vortrag von Daniel Staak zum Thema „Straftaten zum Nachteil lebensälterer Personen“ anzuhören.

Annegret Finck, die die MS-Gruppe in der AWO – die es seit 1981 gibt – seit vielen Jahren leitet, versucht mit einer Reihe von Veranstaltungen, den Lebensalltag der 38- bis 88-jährigen Betroffenen zu erleichtern.

„Karin Biel hatte die Idee zu der Aufklärungsveranstaltung. Sie hatte von den präventiven Informationsveranstaltungen der Polizei in Wedel gehört. Angesichts einiger Betrugsvorfälle zum Nachteil einiger Mitglieder unserer Gruppe haben wir uns dann an das Polizeirevier in Wedel gewandt und um Unterstützung gebeten“, erläutert Annegret Finck.

„In einer Zeit, in der Kriminelle immer raffinierter agieren, versuchen wir, diese Verbrechen durch Aufklärung, Sichtbarkeit und gezielte Beratung zu verhindern“, erklärt der erfahrene Beamte.

Besonders im Fokus stehen zunehmend lebensältere Personen. Große Vermögenswerte, ausgeprägte Hilfsbereitschaft und Höflichkeit vieler älterer Menschen und die digitale Unerfahrenheit dieser Gruppe machen Sie zu einem attraktiven Ziel für die Täter.

Und nicht alle reagieren so klug und selbstbewusst wie die achtzigjährige Käte Litz, die ständig von Anrufen vermeintlicher Amazonmitarbeiter belästigt wird.

„Beim ersten Mal habe ich nur gesagt, dass ich noch nie etwas von Amazon bestellt habe, und seitdem lege ich einfach nur noch auf“, stellt die rüstige Seniorin fest.

In einem Saal sitzten 35 Personen aus der AWO-MS-und der AWO-Parkinsons-Gruppe und verfolgen den Vortrag von Polizeihauptmeister Daniel Staak

35 Mitglieder der AWO-MS- und AWO-Parkinsongruppe nahmen an der Präventionsveranstaltung von Polizeihauptmeister Daniel Staak vom Wedeler Revier teil.

Der „Enkeltrick“ lebt weiter

Auch der klassische Enkeltrick, oft in modernen Varianten über WhatsApp, ist weiterhin aktuell. Täter geben sich per Nachricht als Kinder oder Enkel aus und behaupten, dringend Geld zu brauchen, etwa für einen Handyvertrag oder eine Notlage. Die Opfer sind meist Senioren, die nach dem Betrug häufig nicht nur um ihr Geld, sondern auch um ihre Lebensperspektive bangen. Die finanziellen Schäden sind immens. 2023 soll zum Beispiel laut den Zahlen der Landeskriminalämter in Deutschland ein Gesamtschaden von rund 117 Millionen Euro entstanden sein. Die Scham, auf die Täter hereingefallen zu sein, ist groß. „Keine echte Tochter würde Geld per Chat fordern – immer erst zurückrufen und dann die Polizei informieren!“, appelliert Staak.

Falsche Handwerker, echte Gefahr

Ein weiteres Thema waren Betrüger, die sich als Handwerker, Mitarbeiter von Energieversorgern oder gar Polizisten ausgeben, um sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. „Lassen Sie niemanden rein, den Sie nicht selbst bestellt oder dessen Ausweis Sie überprüft haben“, so der Ratschlag des Beamten. Besonders perfide: Oft treten die Täter zu zweit auf – während einer ablenkt, durchsucht der andere unbemerkt die Räume.

So ist in Tornesch ein 90 Jahre alter Senior Opfer von angeblichen Mitarbeitern der Wasserwerke geworden. Ein Mann beschäftigte den Rentner mit dem Auf- und Zudrehen des Wasserhahnes, um Proben des vermeintlich kontaminierten Wassers zu nehmen, und der andere Mann durchsuchte währenddessen die Wohnung nach Wertsachen. Dieser Modus Operandi kann natürlich variieren. Die Täter treten als Schornsteinfeger oder Mitarbeiter von den Gaswerken oder eben des Stromanbieters auf.

Wuchergeschäfte an der Haustür

Grundsätzlich rät die Polizei, sich nicht auf Haustür- oder Gartenzaungeschäfte einzulassen. Schnell kann aus einer einfachen Reparatur ein teurer Auftrag werden. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidungen. Die Angebote sollten schriftlich erfolgen und die Verträge sollten Ihnen vor dem Arbeitsbeginn vorliegen, damit Sie noch die Möglichkeit haben, abzulehnen.

Daniel Staak weist darauf hin, dass es nicht nur Gesetze gegen Betrug, sondern auch gegen Wucher gibt, die Verbraucher und Unternehmen vor überhöhten Preisen und sittenwidrigen Geschäftspraktiken schützen.

Taschendiebe: Sekunden entscheiden

Zum Schluss mahnte Staak, auch in der Öffentlichkeit wachsam zu bleiben. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gab es im Jahr 2024 im Kreis Pinneberg 386 Fälle von Taschendiebstahl. Davon waren 40 Taten in Wedel zu verzeichnen. Zumeist spielten sich diese Vorfälle in den Einkaufszentren in der Bahnhofstraße, der Rissener Landstraße, im Marienhof und in der Hans-Böckler-Straße ab.

Geldbörsen sollten nie offen in der Handtasche oder im Einkaufswagen liegen. Oft agieren die Langfinger nicht allein. Eine Täterin oder ein Täter lenkt ab, fragt etwas, verdeckt die Sicht auf die Taschen der Opfer und dann entwenden sie zumeist das Geld. „Taschendiebe brauchen nur einen Moment – nutzen Sie Reißverschlüsse und tragen Sie Wertsachen körpernah“, so der Polizeihauptmeister.

Wachsamkeit, Nachbarschaftshilfe und WEISSER RING

Die Botschaft des Nachmittags war klar: Misstrauen ist kein Zeichen von Unfreundlichkeit, sondern von Klugheit. Der Polizeibeamte appellierte an die Zuhörer, auch Nachbarn oder Freunde über die Tricks der Betrüger zu informieren.
„Je mehr Menschen Bescheid wissen, desto schwerer haben es die Täter“, sagte er zum Abschluss – und erntete zustimmendes Nicken im Publikum.

Und wenn doch etwas passiert, gibt es noch Hilfe in der Not, zum Beispiel durch den WEISSEN RING, der Opfern von Straftaten auch in Wedel mit Rat und Tat zur Seite steht Im engen Schulterschluss mit Polizei und dem Kriseninterventionsteam (KIT) sorgen die ehrenamtlichen Mitarbeitenden dafür, dass Betroffene schnell Unterstützung erhalten, sei es durch persönliche Begleitung, Beratung oder Soforthilfe.

WEISSER RING: Erste Kontaktaufnahme ist entweder direkt über das Telefon der Außenstelle Kreis Pinneberg (01515 5164637) oder über das bundesweite Opfer-Telefon (116 006) möglich.

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