Vereinssport statt Fitnessstudio
Wedeler TSV bringt für Sport für Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sein Programm starkGESUND ins Spiel - und ist offen für Kooperationen mit anderen Vereinen.
1. Juni 2026
Jörg Frenzel

TSV Fit und gesund (10)
Sie bringen das Leben ins starkGESUND-Programm: Jasper Grahl, Leiter Marketing und Kommunikation WTSV (von links), Miriam Hess, Trainerin Sportbereich starkGESUND. Silvia Bognar-Hirsch, Trainerin Fitness-Studio starkGESUND, Raffaela Broer, Beisitzerin im Vorstand des WTSV, Hans-Dieter Körner, Sportbereichsvertreter starkGESUND, Gabi Thies, stellv. Sportbereichsvertreterin starkGESUND, Jonas Thies, Beisitzer im Vorstand des WTSV.
Der Wunsch von Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto an die Kommunalpolitik, für jeden Mitarbeiter der Verwaltung 35 Euro pro Monat für ein Unternehmens-Fitnessprogramm zu bewilligen, hatte bei den Ratsfrauen und -herren Kopfschütteln bis schroffe Ablehnung hervorgerufen. Angesichts einer desolaten Haushaltslage und eines verrottenden Elbe-Stadions, in dem Sport-Unterricht für Kinder kaum mehr möglich ist, haben sie erhebliche Bauchschmerzen, rund 170.000 Euro jährlich für die Belegschaft der Behörde auszugeben. Eine Lösung könnte nun vom Wedeler TSV – und anderen Vereinen – kommen. Wedels größter Sportverein bot an, sein Angebot starkGESUND für die Beschäftigten des Rathauses und der Außenstellen zu öffnen. Dabei will der Verein sich nicht exklusiv neue Aktive sichern, sondern auch andere Clubs könnten sich beteiligen.
Mehr als 40 Kurse die Woche
„In wöchentlich mehr als 40 Kursen kann man bei starkGESUND seine Fitness verbessern und etwas Gutes für die Gesundheit tun“, berichtete Hans-Dieter Körner, der diesen Bereich beim TSV vertritt. Von Rücken-Pilates über „Bauch, Beine, Po“, Balance-Training und Gesundheitsprävention bis zu Cardio- und Kraft-Fitness im vereinseigenen Studio reicht die Spanne. Vereinsverantwortliche um den Vorsitzenden Michael Schleef haben der Politik das mögliche Projekt präsentiert.
Es gibt noch einige Fragen zu klären: Können und wollen auch andere Vereine einbezogen werden? Wie sieht es mit Angeboten für Mitarbeiter aus, die nicht in Wedel wohnen? Zu welchen Zeiten kann trainiert werden? Ist eventuell eine Ausschreibung durch die Stadt notwendig? Welche Kosten fallen an? Doch insgesamt sind die Politiker schon mal quer durch die Bank positiv gestimmt und freuen sich über die Initiative des Vereins.
Politik freut sich über Vereins-Initiative
„Das können wir uns gut vorstellen! Es sollte aber keine Insellösung nur mit dem TSV werden. Und es muss messbar sein, wer die Leistung in Anspruch nimmt – und dann auch hingeht oder nicht“, so FDP-Fraktionsvorsitzende Nina Schilling. „Sehr positiv. Wir sind in Gesprächen, um die Machbarkeit zu prüfen“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Lothar Barop. CDU-Co-Fraktionsvorsitzende Anja Lembach: „Die Idee ist gut, denn die Gesundheit der Rathaus-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter ist uns sehr wichtig. Geprüft werden muss unter anderem, wie eine echte Gegenfinanzierung zustande kommt.“
Detlef Murphy von Die LINKE: „Es ist eine großartige Idee mit einer Win-Win-Situation für Stadt und Verein. Es ist auch ein soziales Erlebnis und klingt besser als andere kommerzielle Angebote.“
Vorschlag: Abkommen mit allen Wedeler Sportvereinen
Dagmar Süß, Grüne Fraktionsvorsitzende, erklärte: “ Nach meinem Gespräch mit Herrn Schleef vom WTSV kann ich mir gut vorstellen, dass wir auch diese Idee positiv begleiten werden. Bleibt doch der Grundgedanke einer gesundheitlichen Förderung der Beschäftigten bestehen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der finanziellen Situation. Aus meiner Sicht wäre nun der nächste Schritt, der Verwaltung einen Prüfauftrag zu erteilen. Ziel sollte es sein, zu eruieren, unter welchen Rahmenbedingungen – und unter Berücksichtigung der Vergaberichtlinien – es möglich wäre, den Beschäftigten der Stadt ein sportliches Angebot in Sportvereinen anzubieten. Bekommen wir hier ein Abkommen mit Wedeler Sportvereinen hin, hätte das den zusätzlichen Nutzen, dass wir nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden, sondern auch die Vereine in unserer Stadt fördern könnten.
Angela Drewes von der WSI wertet die TSV-Initiative ebenfalls als sehr positiv, schränkt aber mit Blick auf die Gesamtsituation ein: „Es würde aber immer noch Geld ausgegeben, das wir eigentlich gar nicht haben.“ Da müsse die Verwaltung noch Vorschläge liefern.
Gemeinsam hoffen alle Beteiligten, dass die Vereinsangebote günstiger ausfallen als Alternativen kommerzieller Fitnessstudios – im Rahmen eines Pilotprojekts könnte man es herausfinden.
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