Trutz Blanke Hans – Heiner Jüttemeier und das Drama vor 50 Jahren
Wedels Ehrenwehrführer war Einsatzleiter bei der großen Sturmflut 1976. Er erinnert sich.
3. Januar 2026
Jörg Frenzel

Heiner-Juettemeier-damals-heute
Ehrenwehrführer Heiner Jüttemeier einst und heute. Seine Erlebnisse bei der Sturmflut 1976 wird er nie vergessen. Fotos: Stadtarchiv/Frenzel
Um die üblichen Fakten zu Sonnabend, 3. Januar 1976, soll es hier gar nicht gehen: die Jahrhundert-Sturmflut, Orkanwinde mit 180 Kilometer pro Stunde, Wassermassen mitten in der Stadt, gebrochene Deiche, zerstörte Straßen, Wohnungen, Autos – all das haben Uwe Pein, ehemaliger Schriftführer der Feuerwehr, und Stadtarchivarin Anke Rannegger recherchiert und dokumentiert wie es besser nicht geht, und hier zusammengetragen: https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/ereignisse/sturmfluten
Vielmehr erzählt hier jemand, der maßgeblich dazu beitrug, dass damals alles nicht noch schlimmer kam. Ehrenwehrführer Heiner Jüttemeier, seinerzeit Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Wedel, blickt zurück. „Es waren harte Stunden. Und die Feuerwehr Wedel war eine dolle Truppe. Alle Mann! Ohne sie hätte es düster ausgesehen.“
Das Drama deutete sich schon am Freitag an. „Ich hatte damals eine kleine Kate in Bielenberg. Mein Freund, der Kreisbrandmeister von Steinburg, warnte mich, dass Gefahr eines Deichbruchs besteht. Mit Freunden habe ich die Möbel auf den Boden gehievt.“ so Heiner Jüttemeier. Es war das letzte Mal für über 40 Stunden, dass er etwas für sich selbst tun konnte.

Die „Batavia im Sturm“ – Käptn Hannes Grabau und seine Crew hatten alle Hände voll zu tun, um den Kulturdampfer zu sichern. Foto: Grabau
Denn ab dem frühen Sonnabendmorgen ging es Schlag auf Schlag – ein Sturmeinsatz jagte den nächsten. Die Wehr im Dauerstress. „Und im Verlauf des Tages kam es noch dicker. Selbst bei Niedrigwasser stand die Elbe schon an dem kleinen Deich an der Schulauer Straße“, erinnert sich Heiner Jüttemeier. Seine Konsequenz: Die Feuerwache direkt dahinter musste aufgegeben werden!
Die Einsatzleitung wurde ins Rathaus verlegt, Fahrzeuge und Material auf den Rathausplatz und das Gelände der Stadtwerke, die damals am Rosengarten noch ein größeres Gelände betrieben. Von dort ging‘s für die rund 70 Feuerwehrleute dann zu den Einsätzen. Der Wasser ins Stadtgebiet war immens – aber ironischerweise wurde Wedel dann durch ein Ereignis entlastet, das etwas elbab den großen Schock auslöste: der Deichbruch zwischen Holm und Hetlingen. „Das konnte man schnell merken. Als das Hinterland in der Marsch volllief, wurde es in Wedel ruhiger“, so Jüttemeier.
- Landunter am Willkomm Höft: Foto: Stadtarchiv
- Der Hafen – ein Trümmerfeld! Foto: Stadtarchiv
- Die Schäden an den Häusern waren heftig: Foto: Stadtarchiv
- Die Mühlenstraße: Das Kopfsteinpflaster wurde unterspült. Foto: Jürgen Wendt
- Traurig: Viele Tiere verloren bei der Flut ihr Leben. Foto: Jürgen Wendt
- Der Hafen – ein Trümmerfeld! Foto: Stadtarchiv
Trotzdem gab es in der Stadt noch jede Menge zu tun. Die Feuerwehr und städtischer Bauhof kamen nach Stunden um Stunden ans Ende ihrer Kräfte, da traf Heiner Jüttemeier eine Entscheidung, die bei den Verwaltungsbürokraten gar nicht gut ankam. „Ich hatte in Hamburg mal einen Batallionskommandeur der Bundeswehr kennengelernt. Der hatte angeboten, wenn du mal Hilfe brauchst, sag bescheid“, so Jüttemeier. Daran erinnerte er sich in den jetzt schweren Momenten und ließ bei seinem Freund in einer Hamburger Kaserne anrufen – rund 100 Soldaten samt Gerät rückten an, halfen beim Sandsäckefüllen, Aufräumen, standen der Feuerwehr zur Seite. Jüttemeier: „Landrat Hebisch war außer sich. Natürlich hatte ich ihn übergangen – aber erst nachdem er selbst keinen Mors in der Büx gehabt hat, die Bundeswehr anzufordern.“
Heiner Jüttemeier ist nun bald 90 Jahre alt – aber die dramatischen Tage im Januar 1976 wird er nicht vergessen. „Die Kameradschaft war gut“, sagt er, „und genau darauf kommt es bei der Feuerwehr an: Die Kameradschaft muss stehen.“ (Jörg Frenzel)













