Streit um Kraftwerk Wedel: Läuft es doch länger als 2026?

Landtagsabgeordneter Martin Balasus und Bürgerinitiative befürchten weitere Verschiebung

Published2. Februar 2026

AuthorMichael Rahn

Eine Gruppe von elf Personen mit ernsten Gesichtern im Schneegestöber, im Hintergrund die beiden Schornsteine des Heizkraftwerks aus den 60er-Jahren.

Balasus mit BI_2

Sie sind skeptisch, ob das Kraftwerk Wedel Ende des Jahres tatsächlich seinen Betrieb einstellen wird. Darüber sprachen die Mitglieder der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ mit dem Landtagsabgeordneten Martin Balasus (CDU, r.).

Das in den 60er-Jahren errichtete Kraftwerk Wedel bleibt weiter in der politischen Debatte. Mehrfach ist das Ende der einst größten Dreckschleuder der Republik verkündet worden. Jüngste Aussage aus Hamburg ist, dass Ende dieses Jahres abgeschaltet wird. Doch daran mögen die Mitglieder der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ nicht glauben. Unterstützung erhalten sie in ihrer Argumentation vom Landtagsabgeordneten Martin Balasus (CDU).

„Wir dürfen uns von Hamburg nicht länger verkohlen lassen“, fordert der Politiker nach einem Gespräch mit der BI. Die Gegner eines großen Kraftwerkparks in Wedel hatten den Abgeordneten zum Gespräch eingeladen und ihm einen Prüfbericht zum Kohleausstieg vorgelegt, der für die Hamburgische Bürgerschaft erarbeitet worden ist. Darin heißt es: „Ziel ist es, die Kohle-Heizkraftwerke Wedel (HKW Wedel) und Tiefstack (HKW Tiefstack) bis spätestens 31. Dezember 2030 aus der Kohleverfeuerung herauszulösen und durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen.“

Balasus: „Wir dürfen uns von Hamburg nicht länger verkohlen lassen“

„HKW Wedel und 31. Dezember 2030 in einem Atemzug – das kann doch wohl nicht wahr sein“, wettert Martin Balasus. Zwar heiße es später in dem Bericht: „Nach derzeitigem Planungsstand wird die Gas- und Dampfturbinen-Anlage auf der Dradenau (GuD Dradenau) Ende 2026 in Betrieb gehen und damit das HKW Wedel ablösen…“ Aber dieser Aussage trauen weder Initiative noch Abgeordneter. Martin Balasus hat eine ganze Liste von Versprechungen in einer Pressemitteilung veröffentlicht. Sie beginnt einer Aussage aus einem Bebauungsplan für Rissen, in dem 2017 als Ziel fürs Abschalten genannt wird, geht über die Aussage des Umweltsenators Jens Kerstan im Deutschlandfunk 2018: „Ziel ist eine Abschaltung im Frühjahr 2022“ und endet mit Kirsten Fust, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke: „Ende 26 lösen wir Wedel ab, und es geht dann in die Konservierung.“

Martin Balasus: „Das Ganze erinnert mich an das Sprichwort: ‚Wer einmal nicht die Wahrheit spricht, dem glaubt man nicht…‘ Ich will belastbare Aussagen zum definitiven und kompletten Ende des Kraftwerks. Schwarz auf weiß. Die Menschen haben es verdient!“ Eine Anfrage von wedel-klartext.de an die Hamburger Umweltbehörde läuft ebenfalls.

Links-Fraktion: „Da werden Gelder in unbekannter Höhe ‚verbrannt‘“

Doch vermutlich wird es zumindest vorerst beim versprochenen Termin bleiben. Das Thema Kraftwerk Wedel hatte erst jüngst Stephan Jersch, energiepolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, hinterfragt. Er wollte unter anderem wissen, wie teuer der Weiterbetrieb Wedels sei. Laut Plan seien 105 Millionen Euro für die Laufzeitverlängerung vorgesehen worden, heißt es in der Antwort des Senats auf eine Anfrage der Links-Fraktion. Doch tatsächlich wurden wahrscheinlich viele Millionen Euro mehr ausgegeben. Das sei Betriebsgeheimnis hieß es in der Senatsantwort.

Als blauäugig kommentiert der Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete die Entscheidung, Wedel weiterhin für die Fernwärme im Hamburger Westen am Netz zu behalten. „Da werden Gelder eines städtischen Unternehmens in unbekannter Höhe ‚verbrannt‘“, beklagt der energiepolitische Sprecher. Zusätzliche Heizkessel hätten wahrscheinlich deutlich wirtschaftlicher betrieben werden können. Aber auch dazu erhielt der Parlamentarier keine genauen Angaben. Tatsächlich fiel das Wedeler Werk im vorigen Jahr mehrfach aus, auch in der aktuellen Frostperiode. Dieser Ausfall konnte stets kompensiert werden, und zwar über die neue Power-to-Heat-Anlage im Wedeler Werk sowie alle drei Kessel des Heizwerks Haferweg in Hamburg.

Streit zwischen Kiel und Hamburg über Klimabilanz vorprogrammiert

Und ganz abgebaut wird das Heizkraftwerk auch ab Ende 2026 nicht. Denn die Anlage wird so konserviert, dass sie im Ernstfall wieder Energie liefern könnte. Falls irgendwann doch endlich abgeschaltet wird, ist der nächste Streit programmiert. denn sowohl Hamburg als auch Schleswig-Holstein verbuchen das Aus für Wedel in ihrer Klimabilanz. EU-wit wird das nicht doppelt zählen.

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