Stadt-Mieter genervt: Kein Öl, Wasserschäden, marode Wände

Am Tinsdaler Weg 178-182 ist man vom "Schöner Wohnen" ziemlich weit entfernt.

Published12. Juni 2026

AuthorJörg Frenzel

vier ernst guckende Leute vor Haus.

Stadtimmobilie Tinsdaler Weg 178-180 Frenzel

Ihr Ärger soll ein Ende haben, denn Handwerker sind beauftragt: die Bewohner des städtischen Gebäudes Orwa Aad (von links), Maik und Viola Wolf sowie Anne Marquardt. Foto: Frenzel

Grusel-Geschichten von sehr „speziellen“ Vermietern hört man an jeder Ecke. In dieser Story spielt die Stadt Wedel mit. Denn in ihren Immobilien Tinsdaler Weg 178, 180 und 182 sind ihre Mieter vom „Schöner Wohnen“ weit entfernt. Maik Wolf ist einer von ihnen. Er ist mittlerweile so sauer, dass er die jüngste Bürgerfragestunde bei der Ratsversammlung nutzte, um der Kommunalpolitik mal vor Augen zu führen, was der Vermieter Stadt so alles tut – oder eben nicht tut. Wedel-Klartext machte einen Hausbesuch bei ihm und seinen Nachbarn.

Von der Straße aus sieht das Mehrfamilienhaus noch ganz charmant aus: Ab den 1920er-Jahren hatte hier die „Deutsche Vaccuum Öl“ in Werkswohnungen Zollbedienstete untergebracht – ein Altbau mit viel Grün drumrum. Doch näher betrachtet relativiert sich das schnell. Das Steinfundament für den Handlauf zum Aufgang des Eingangs 178 ist so notdürftig geflickt, dass es gerade mal eben nicht zusammenfällt. Gleich neben der Flickstelle bröckelt es weiter. In der Außenwand sind diverse verputzte Löcher zu sehen. Durch die war Dämmmaterial eingeblasen worden, um effektiver heizen zu können. „Die Kügelchen sickern im Inneren allerdings an vielen Stellen heraus“, sagt Anne Marquardt, Mieterin im Eingang 182.

Tinsdaler Weg 180: Loch in der Decke, weil’s oben einen Wasserschaden gab. Brennbares Material liegt frei – daneben ein Rauchmelder.

Sie ist vom Zustand ebenso genervt wie ihre Nachbarn Maik und Viola Wolf: Auch im feuchten Keller bröckelt es an vielen Stellen. Wasserschäden sind auch vom maroden Dach aus entstanden. Gerade aktuell ist wohl eins der Wasserrohre im Bad von Orwa Aad, Bewohner in 180, undicht. „Ich muss zum Duschen zu Nachbarn“, sagt er. Im Vergleich zu dem Leid der Bewohnerin unter ihm ist das ein eher kleines Ärgernis. Denn weil das Wasser zu ihr heruntersickerte, hat sie jetzt ein stattliches Loch in der Flurdecke, durch das die Decken-Baumaterialien Holz und Stroh deutlich sichtbar sind. Neben dem Loch sitzt zumindest ein Rauchmelder, falls die blanken Strohmatten mal Probleme machen. Die Frau lebt allein mit ihren ein und zwei Jahre alten Kindern in der Wohnung. Sie klagt: „Durch die Feuchtigkeit haben wir ganz viele Silberfische. Schlimm ist, wenn sie in die Betten der Kinder krabbeln.“

Private Verwaltung gekündigt – viel besser wurde es nicht

Was aber Maik Wolf so auf die Palme brachte, dass er vor der Politik Klartext sprach, ist das immer wiederkehrende Ärgernis mit dem Heizöl. Denn die Stadt – obwohl sie ja schon vor Jahren den „Klima-Notstand“ ausrief – lässt die alte Ölheizung im Gebäude weiter feuern. Allein: Oft mangelt es am Brennstoff. Zwar hat die Kommune das einst beauftragte Verwaltungsunternehmen gefeuert. Unter dessen Regie war mehrmals so wenig Restöl im Tank, dass die Anlage Luft zog und ausschaltete. Die Stadt übernahm das Gebäudemanagement selbst, doch viel besser wurde es nach Ansicht der Bewohner nicht. Auch in diesem Jahr kam es schon zum Ausfall – keine Wärme, kein warmes Wasser über Tage. Anna Marquardt: „Wasser zum Waschen musste ich per Wasserkocher heiß machen.“

Selbst Öl bestellen, dürfe man nicht. „Uns wurde von der Stadt versprochen, dass der Service sich verbessern werde. Dass wir nicht mehr selbst den Ölstand im Tank kontrollieren müssten. Dass wir auch nicht mehr anwesend sein müssten, wenn Öl geliefert wird. Die großen Versprechen wurden nicht gehalten“, sagt Maik Wolf. Er und seine Frau hätten den Pegel sicherheitshalber weiterhin kontrolliert und knappe Stände im roten Bereich der Stadt gemeldet. Und sie hätten sogar den Heizöllieferanten an die Stadt weiterverwiesen, damit der Not-Befüllungen arrangiert, falls er mal mit dem fossilen Brennstoff in der Nähe ist. „Dessen Nummer hatte ich ja von den alten Lieferscheinen, denn nicht der Vermieter, sondern wir als Mieter mussten das Öl annehmen“, sagt Viola Wolf. Dafür mussten sie und ihr Mann aber weniger Zeit opfern als fürs Entlüften der Leitungen zum Brenner – denn man musste selbst aktiv werden, weil es einen ansprechbaren Hausmeister mit Notfallnummer nicht gebe.

Alles im roten Bereich: Kritische Ölstände kommen unter der Einkaufs-Regie der Stadt schon mal vor. Foto: pr

Wenig verbessert hat sich nach Auskunft der Bewohner die Sache mit dem Müll. Nachdem in der Nachbarschaft der ElbeBusiness-Park entstanden war, suchten nach Angaben von Mike Wolf und Anne Marquardt die Mieter der Wohnungen im Eingang 180 das Weite. Die Stadt quartierte Flüchtlinge ein – auf einmal waren es viele Personen mehr, darunter viele Kinder. Doch zunächst blieb die Anzahl der Mülltonnen gleich. Und weil offensichtlich die neuen Bewohner aus anderen Kultur-Kreisen mit dem deutschen System der Mülltrennung nicht intensiv genug vertraut gemacht wurden, wurde nicht nur nicht getrennt, sondern die Tonnen quollen über. Konsequenz: Unwillkommene Gäste mit vier Beinen. „Zum Glück haben wir rund 30 Rattenfallen im Garten“, sagt Anne Marquardt.

Mülltonnen gibt es jetzt einige mehr, was sich aber nicht geändert habe, seien die Fertigkeiten zur Mülltrennung – und das, obwohl die Stadt eine Bedienungsanleitung mit Bildern im entsprechenden Treppenhaus aufgehängt hat. Und der für die neuen Behälter eingerichtete Müllplatz ist auch ein bisschen knapp, da die Bewohner hier weiterhin erkleckliche Mengen von Sperrmüll deponieren.

Und dann ist da noch der Garten. Während die Mieter in 178 und 182 für ihren rückwärtigen Garten selbst zuständig sind, sei es für 180 die Stadt. Ergebnis: Aus dem Mittelteil heraus wuchert die Botanik intensiv in die gepflegten Gärten der Nachbarn. Maik Wolf ist dabei doppelt geplagt. Denn auch das der Stadt an der anderen Seite gehörende freie Nachbargrundstück sei nur so lange gepflegt worden, wie dort Analysebohrungen wegen möglicher Bodenbelastungen durch die alte Ölfabrik anstanden. Jetzt wachsen dort ungezügelt Brombeeren & Co., gegen die sich Maik Wolf ständig verteidigen muss.

Während der Ratssitzung vor einer Woche gelobte das Gebäudemanagement Besserung, getan hat sich seitdem nichts Sichtbares. Wedel-Klartext sandte folgende Fragen an die Stadt mit der Bitte um Stellungnahme:

  • Welche Nachbar-Grundstücke des Hauses 178-182 befinden sich noch im Besitz der Stadt?
  • Warum gehören der Stadt diese Immobilien?
  • Die Immobilien grenzen direkt an den BusinessPark Elbufer an. Warum wurden die Flächen nicht dem Gewerbegebiet zugeschlagen?
  • Wie hoch sind die Unterhaltskosten pro Jahr?
  • Wie hoch sind die Mieteinnahmen?
  • Nach Angaben des Mieters vernachlässigt die Stadt immer wieder die rechtzeitige Bestellung von Heizöl, sodass es zu Ausfällen bei Heizung und Warmwasserbereitung kommt. Warum?
  • Warum gibt es für die Mieter keinen zugewiesenen Hausmeister inkl. Notfallrufnummer?
  • Wie beurteilt die Stadt den baulichen Zustand insbesondere des Hauses 178-182?
  • Welche Pläne gibt es seitens der Stadt, sich von ihren Gebäuden zu trennen?

Antworten stehen aus.

schwarzweiß Bild von Geböude mit Familie davor

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: In der Vergangenheit wurde das Haus für Werkswohnungen der Öl-Raffinerie genutzt. Foto: Stadtarchiv

 

 

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