Stadt kündigt Mensa-Verträge – Eltern in Sorge

Verein "Futtertied" könnte abgelöst werden - Schulelternbeiräte schrieben Brief an Kulturausschuss, nachdem Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto nicht reagiert habe

Published2. Juni 2026

AuthorJörg Frenzel

Mensa GHS (2)(1)

Nach Feierabend für "Futtertied" in der Mensa der Gebrüder-Humboldt-Schule. Morgen macht der Verein wieder auf - aber nach Ende des ersten Schulhalbjahres 2027 ist das ungewiss.

„Futtertied e.V.“ ist eine Erfolgsgeschichte. Seit Jahren versorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins an mehreren Wedeler Schulen Hunderte von hungrigen Kindern und Jugendlichen – und auch deren Lehrerinnen und Lehrer – mit Mahlzeiten in den Mensen. Das könnte aber bald ein Ende haben, denn die Stadtverwaltung will den Mensa-Betrieb neu ausschreiben, „Futtertied“ könnte leer ausgehen. Schulelternbeiräte (SEB) sind derart alarmiert und befürchten Verschlechterungen, dass sie sich jetzt an die Mitglieder des Schul-, Kultur- und Bildungsausschusses wandten. Das Schreiben liegt Wedel-Klartext vor.

Bedenken und Gedanken

„Wir, das sind die Schulelternbeiräte Wedeler Schulen, möchten in diesem Brief unsere Bedenken und Gedanken zur geplanten Ausschreibung der Schulkindverpflegung äußern“, heißt es in dem Schreiben. Ilka Bieger-Uhde, Schulelternbeiratsmitglied der Gebrüder-Humboldt-Gemeinschaftsschule, stellte auf Nachfrage deutlich heraus: „Wenn die Stadt ausschreiben muss, muss sie es tun. Wir können da auch keine Partei für diesen oder jenen Anbieter ergreifen. Doch wir möchten, dass die aktuellen besonderen Leistungen als Bedingungen auch in einer Ausschreibung berücksichtigt werden. Es darf nicht nur der Preis eine Rolle spielen.“

Die Eltern teilten dem Ausschuss eine Liste von Bedenken und Fragen mit:

  • „Futtertied e.V.“ versorgt bereits – bis auf einen Standort an der Altstadtschule – alle Schulen mit frisch gekochtem Essen. Es ist regional, und das Essen wird nur innerhalb Wedels transportiert, sodass es überall frisch ausgegeben werden kann. Kurze Wege und ein Caterer für alle Schulen – wurde das nicht immer von der Stadt Wedel so angestrebt?
  • Nun soll alles ausgeschrieben werden – fünf verschiedene Standorte nach EU-Vorgabe. Gibt es dann wieder fünf verschiedene Essensanbieter?
  • Was machen Eltern, die Kinder an verschiedenen Schulen haben? Bestellungen über verschiedene Apps, Websites etc.? Wird es wieder Essen geben, das aus einer Großstadt angeliefert und aufgewärmt wird? Oder wird Wert auf frisch gekocht gelegt?
  • Wird bei Allergien auch zeitnah reagiert werden können? Einige Großcaterer antworten gar nicht oder sehr spät auf solche Anfragen.
  • Wird es den pädagogischen Mittagstisch an der Albert-Schweitzer-Schule und der Moorweg-Schule noch geben? D.h., die Kinder einer Klasse sitzen alle an einem Tisch und bekommen das Essen auch dort auf die Teller vom „Tischdienst“ ausgeteilt. Die klassische Essensausgabe findet nicht mehr statt. Hier gibt es die Befürchtung, dass das ein anderer Caterer ablehnt, wenn das nicht in der Ausschreibung explizit erwähnt wird.
  • Für die Moorwegschule wäre das der dritte Wechsel eines Caterers innerhalb von zwei Jahren. Viele Eltern finden das langsam unzumutbar.

Wieder nur aufgewärmtes Essen?

Hinzu kämen noch Themen, die sich aus diversen Gesprächen mit „Futtertied e.V.“ ergeben hätten. In den Grundschulen könne beispielsweise gar nicht frisch gekocht werden, da es keine Küchen gibt, in denen viele Essen zubereitet werden könnten. „Wenn hier einzelne Caterer den Zuschlag erhalten, dann wird es wieder nur auf aufgewärmtes Essen hinauslaufen. Oder wird dies in der Ausschreibung irgendwie berücksichtigt?“, heißt es im Fragenkatalog.

Außerdem wurde in dem Schreiben darauf hingewiesen: „Futtertied e.V. war in den letzten Jahren schon mehrfach der „Retter in der Not“: das erste Mal an der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule, als der Caterer insolvent war und kein Nachfolger gefunden wurde, ist der Verein schnell eingesprungen. Noch schneller ging es, als die Elbmenschen am Johann-Rist-Gymnasium den  Vertrag kündigten und Futtertied eingesprungen ist. Ebenso an der Albert-Schweitzer-Schule, als diese den pädagogischen Mittagstisch einführen und der Großcaterer das Konzept nicht umsetzen wollte. In diesem Fall hat „Futtertied e.V.“ die lückenlose Mittagsversorgung sicherstellen können.“

„Futtertied e.V.“ versorge auch viele Sonderveranstaltungen, viele schon jahrelang, mit Essen und/oder Getränken: Seniorenweihnachtsfeier, DLRG-Rolandpokal, wedel@business, Schulkindbetreuung – auch mit geringer Anzahl an Essen während der Ferien – , VHS, Benefiz-Dinner am JRG, Wedeler Musiktage etc. „Wird das mit anderen Caterern noch realisierbar sein?“ lautet die Frage.

Auf drei Terminanfragen keine Antwort der Bürgermeisterin

Und warum wenden sich die Eltern nicht an die Stadtverwaltung, die für das operative Geschäft zuständig ist, sondern direkt an die Kommunalpolitik? Den Grund bekamen die Mitglieder des Ausschusses schriftlich: „Die SEBs hätten das gern in einer kleinen Runde mit der Bürgermeisterin besprochen, aber leider gab es auf drei Terminanfragen keine Antwort.“ Die Anfragen seien zweimal an die persönliche Mail-Adresse und einmal an die allgemeine Mail-Adresse von Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto geschickt worden.

Auch Wedel-Klartext hat bei der Verwaltung um eine Stellungnahme gebeten. Update: Die Pressestelle sandte daraufhin eine allgemeine Presseerklärung zur Aussschreibung des Schulcaterings aus, in der die Stadt erklärte, zu dieser Ausschreibung verpflichtet zu sein. „Neben dem Preis fließen insbesondere Qualitätskriterien in die Bewertung ein. Dazu zählen unter anderem Nachhaltigkeit, Bio-Anteile, Regionalität, ausgewogene und gesundheitsfördernde Speiseangebote, die Berücksichtigung besonderer Ernährungsbedarfe, Hygienestandards sowie die Zuverlässigkeit des Caterers. Selbstverständlich werden auch die Besonderheiten der Schulkonzepte berücksichtigt, sodass bspw. das pädagogische Mittagessen an der Albert-Schweitzer-Schule durch den zukünftigen Caterer gewährleistet werden muss.“ Die Klartext-Fragen: Warum wurde der Betrieb zumindest von einigen Mensen bisher nicht ausgeschrieben?Warum wurde in Problemfällen (z.B-. Betreiberpleite an GHS) freihändig an den Verein „Futtertied“ vergeben? wurden nicht beantwortet.

Markus Kleinwort vom Schulelternbeirat der Ernst-Barlach-Gemeinschaftschule sagte: „Wir sind mit ,Futtertied‘ immer gut gefahren. Das war besonders gut, als der vorherige Anbieter überraschend seine Leistungen einstellte. ,Futtertied‘ ist eingesprungen und hat damit den Ganztagsbetrieb von 8 bis rund 16 Uhr sichergestellt.“ Nun sei es traurig, dass die Stadtverwaltung die Eltern beim Umgang mit der neuen Lage nicht beteilige.

Ähnlich äußerte sich Arne Matzke vom Schulelternbeirat des Johann-Rist-Gymnasiums: „Mit der Qualität des Essens von ,Futtertied‘ sind wir zufrieden. Besonders positiv sehen wir, dass man Essen noch bis zum Morgen der Ausgabe abbestellen kann, falls das Kind krank ist.“

Jochen Stoewahse, Vorstandsmitglied des Vereins „Futtertied“, der durch diese Aufträge 26 Personen Lohn und Brot gibt, reagierte zurückhaltend auf Anfrage von Wedel-Klartext. Grund: Der Verein will am anstehenden Bewerbungsverfahren teilnehmen und nicht Gefahr laufen, es durch Äußerungen zu beeinflussen.

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