Sensationell: Schierlings-Wasserfenchel in Wedel
Erfolg von Stiftung Lebensraum Elbe und der Stadt Wedel
24. Juli 2026
Jörg Frenzel

Schierlings Wasserfenchel, Schweensand Hamburg
Kleine Pflanze mit großer Bedeutung: der Schierlings-Wasserfenchel. Foto: Stiftung Lebensraum Elbe
Also so viel ist schon mal sicher: Entlang der Wedeler Au dürfen Verkehrspolitiker niemals eine Straße bauen. Der Grund: Der Schierlings-Wasserfenchel ist da! Mehr als zehn Exemplare der vom Aussterben bedrohten Pflanze aus der Familie der Doldenblütler haben sich zur Freude aller Naturschützer und der Stadt Wedel selbstständig auf renaturierten Flächen an der Wedeler Au angesiedelt.
Oenanthe conioides – so nennen Botaniker das optisch eher unscheinbare Gewächs – kommt weltweit ausschließlich im Süßwasserbereich der Tideelbe vor. Sie ist hier endemisch. Nun wurden ein- und zweijährige Pflanzen bei einer Kartierung in umgestalteten Bereichen an der Wedeler Au gefunden. „Das ist eine tolle Nachricht! Wir hoffen, dass der Schierlings-Wasserfenchel sich dauerhaft auf den neu gestalteten Flächen rund um die Wedeler Au etabliert“, sagte Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto.
Umgestaltung von Flächen
Von Mitte bis Ende 2024 hatte die Stiftung Lebensraum Elbe auf städtischen Flächen an der Wedeler Au neue gezeitenbeeinflusste Lebensräume gestaltet – eine Konsequenz aus Artenschutzklagen, die auf europäischem Recht basierten. Unter anderem ließ die Stiftung Priele, Tümpel und flache, naturnähere Uferzonen anlegen. Das war eine aufwändige Angelegenheit – und somit teuer. Die Bauarbeiter bewegten dafür erhebliche Erdmengen.
Eines der Ziele: Der Schierlings-Wasserfenchel sollte hier wieder heimisch werden. Auf ein aktives Anpflanzen von aus Samen gezogenen Jungpflanzen hatte die Stiftung bewusst verzichtet – um herauszufinden, ob die Pflanze sich natürlich ansiedeln würde, teilte die Stadt mit und: „Der erste Schritt zu diesem Ziel ist geschafft.“
„Der Fund ist eine kleine Sensation und ein riesiger Erfolg: Erstmals seit mehreren Jahrzehnten wächst der Schierlings-Wasserfenchel in Schleswig-Holstein wieder eigenständig“, freut sich Projektleiterin Lina Güssefeld von der Stiftung Lebensraum Elbe. Das größte der gefundenen Exemplare war zur Fundzeit abgefressen. Zum Schutz vor weiterem Fraß wurde die Pflanze eingezäunt – weil sie so noch neue Blüten entwickeln und fruchten könnte.
Enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stiftung
„Die enge Zusammenarbeit der Stadt Wedel und der Stiftung Lebensraum Elbe in diesem Projekt hat sich ausgezahlt: An der Wedeler Au gedeiht inzwischen eine üppige, vielfältige Pflanzengemeinschaft, Libellen und andere Insekten finden hier reichlich Nahrung“, teilte die Stadt mit.
Da der Schierlings-Wasserfenchel ausschließlich im Süßwasserbereich der Tideelbe vorkommt, weil er auf flache Ufer mit schlickigem Boden und regelmäßigem Gezeiten-Einfluss angewiesen ist, steht er unter strengem Schutz. Seinetwegen musste die Hamburger Hafenquerspange umgeplant werden, und auch bei der Elbvertiefung musste auf ihn Rücksicht genommen werden.







