Schandfleck wird zu DHL-Zustellstützpunkt
DHL überzeugte Planungsausschuss-Mitglieder von Logistik-Projekt auf dem ehemaligen Possehl-Gelände - Gedenkstätte für KZ-Außenlager wird pietätvoll umgestaltet.
11. März 2026
Jörg Frenzel

dhlwedel
So in etwa soll das neue Gebäude der DHL anstelle der Ruine auf dem ehemaligen Possehl-Gelände ausehen. Grafik: Ahlers Planungsgesellschaft
Jetzt wird der Bauantrag gestellt – und wenn Wedels Rathaus zügig arbeitet, kann der Bau des neuen Zustellstützpunktes der Deutschen Post DHL Group an der Rissener Straße im Herbst beginnen. Damit verschwindet rechts neben dem Lüchau-Bauzentrum eine Ruinen-Landschaft, die seit rund zehn Jahren wohl allen auf die Nerven geht. Denn die Mitglieder des Planungsausschusses zeigten sich in der gestrigen Sitzung angetan von dem Vorhaben der DHL und der Ahlers Planungsgesellschaft. Die Investoren wollen den Schandfleck auf dem ehemaligen Possehl-Gelände beseitigen und rund 165 Arbeitsplätze für die Stadt schaffen.
Auf einer Fläche von 8000 Quadratmetern will der Logistik-Riese nach den Entwürfen der Ahlers Planungsgesellschaft einen Hallenkomplex errichten. Von dort aus werden rund 62.000 Haushalte mit zirka 112.000 Einwohnern in Wedel, Rissen, Blankenese, Sülldorf und Schenefeld an sechs Tagen die Woche bedient
252.000 Briefe und 58.000 Pakete pro Woche
Das soll so funkionieren: Etwa acht Lkw werden täglich Briefe morgens aus Altona und Pakete aus dem Zentrum in Allermöhe nach Wedel fahren. Mit 252.000 Briefen (Tendenz abnehmend) und 58.000 Paketen (Tendenz steigend) wird wöchentlich kalkuliert. Nach dem Sortieren rauschen dann die flinken DHL-Zustellerinnen und -Zusteller in zwei Wellen ab 9.30 und ab 11 Uhr in ihre Zustellgebiete – teils mit Fahrrädern, teils mit E-Fahrzeugen. Zwischen 15.30 und 18.30 Uhr werden die letzten Heimkehrer erwartet. 85 Prozent der Fahrten werden nach Angaben des DHL-Mitarbeiters Stefan Eckelmann über die B431 von und nach Hamburg führen. Die Wedeler Innenstadt dürfte demzufolge nicht unerträglich unter dem Verkehr leiden. Die etwa 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Wedels 14 Zustellbezirke anfahren, sind ja auch jetzt schon unterwegs.

Seit Jahren ein „lost Place“, die ehemalige Produktionsstätte von Possehl, an der Rissener Straße neben dem Lüchau-Baumarkt.
Das Unternehmen betonte, es arbeite CO²-neutral. Nicht nur die E-Fahrzeuge gehören zum Konzept, sondern auch eine Beheizung durch Wärmepumpen und eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 280 Kilowatt/peak. Ausfühlich schilderte Planerin Alicia Kruse, wie sensibel mit dem Bestand an einzelnen schützenswerten Bäumen sowie mit einem kleinen Wäldchen umgegangen werden soll. Alles bliebe erhalten, mehr noch: 40 weitere Bäume werden rund um die DHL-gelben Hallen gepflanzt.
Insgesamt wird das Vorhaben das Unternehmen wohl etwa einen kräftigen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Denn nicht allein die Immobilie, sondern auch deren technische Ausstattung fallen als Investition an.
KZ-Gedenkstätte wird verlegt und vergrößert
Auch erklärte sich das Unternehmen bereit, die dort an der Straße gelegene Gedenkstätte für die Gefangenen und Opfer der ehemaligen Wedeler Außenstelle des KZ-Neuengamme zu verlegen und würdig zu gestalten. Der Gedenkplatz für die Opfer der Nazi-Barbarei, von denen viele aus der holländischen Stadt Putten nach Wedel verschleppt worden waren und hier Zwangsarbeit leisten mussten, wird erheblich größer und in einem bepflanzten Umfeld angelegt. Auf einer Fläche von 45 Quadratmetern soll künftig nicht nur das Mahnmal stehen. Es gibt künftig auch Sitzgelegenheiten für Menschen, die an dem Gedenkort verweilen möchten. Platz für ganze Schulklassen ist vorgesehen.

Die Investoren versprechen, das Denkmal für die Opfer des KZ-Außenlagers Neuengamme in Wedel großzügig und würdig umzugestalten. Grafik: Ahlers Planungsgesellschaft
Das war den Grünen nicht genug. So wünschte sich Ratsherr Tobias Kiwitt einen noch größeren Platz, um beispielsweise auch Informationstafeln aufzustellen. Ratsfrau Petra Kärgel brachte noch eine „Lärmauffangwand“ in die Diskussion, weil man wegen des Straßenlärms „in ein Megaphon brüllen“ müsse, damit man an dem Ort verstanden werde. Keine der anderen Fraktionen schloss sich diesen Gedanken an.
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