Reepschlägerhaus: Politik zerpflückt Verwaltungs-Pläne
Kulturausschuss vertagt Bauamts-Beschlussvorlage zur alleinigen Nutzung durch die Musikschule - Förderkreis und andere sollen eingebunden werden
16. April 2026
Jörg Frenzel

Brokhuis Fisauli
Im Verteidigungsmodus: Bauamtsleiterin Claudia Broekhuis (links) und Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto.
Grüne, SPD, CDU, FDP, WSI – sämtliche Wedeler Rats-Parteien standen zusammen, als es im Kulturausschuss um die Zukunft des historischen Reepschlägerhauses ging. Und auf der anderen Seite standen Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto (CDU) und ihre Baufachbereichsleiterin Claudia Broekhuis. Aus ihrem Verantwortungsbereich war eine Beschlussvorlage eingebracht worden, nach der das einmalige historische Reepschlägerhaus künftig nicht mehr für öffentliche Nutzung zur Verfügung stehen sollte, sondern (wie berichtet) als Büro für drei Verwaltungskräfte der Musikschule.
Daraus wird wohl nichts.
„Wir haben kein Verständnis dafür, dass der größte Teil der Bevölkerung aus dem Haus ausgeschlossen werden soll.“ (Antje Hellmann-Kistler, FDP). „Die Kultur in Wedel ist ohne das Reepschlägerhaus nicht vorstellbar.“ (Alexandra Petersen, SPD), „Es ist unverhältnismäßig, das schönste Haus in Wedel für drei Verwaltungsmitarbeitende der Öffentlichkeit zu entziehen.“ (Verena Heyer, Grüne). „Wir sind allerdings ohnehin zutiefst davon überzeugt, dass das Reepschlägerhaus auf keinen Fall der Unterbringung von Verwaltungseinheiten dienen sollte, sondern es auch weiterhin den Wedeler Bürgerinnen und Bürgern für individuelle und kulturelle Nutzung zur Verfügung stehen muss.“ (Birgit Neumann-Rystow, WSI). „Wir sind erstaunt über den Antrag.“ (Heidi Garling, CDU).
Verena Heyer: Vorlage widerspricht Gremienbeschlüssen
Durch die Bank beklagten die Politikerinnen und Politiker, dass die Verwaltung sie nicht konsultiert habe, bevor sie diesen Beschlussvorschlag eingebracht habe. Laut Verena Heyer sei es sogar eine Vorlage, die mehreren Beschlüssen der Gremien widerspreche.
Die Bürgermeisterin wehrte sich zunächst: „Das ist eine Unterstellung.“ Aber sie relativierte später diese Aussage, nachdem ihr Dr. Christoph Maas (Grüne) die Zusammenhänge noch einmal erklärt hatte. Insgesamt sei man laut Bürgermeisterin unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Haushaltssanierung an die Lage herangegangen. Räume könnten zu unterschiedlichen Zeiten doppelt genutzt werden. Die aktuelle Sitzung wollte sie als Teil der Einbindung der Politik verstanden wissen. Über das Vorgehen in Sachen Reepschlägerhaus sei auch der Förderkreis informiert worden.
Ein Schlag ins Gesicht
Das brachte Julia Fisauli-Aalto heftigen Gegenwind von Ralph Diekmann ein, Vorstandsmitglied des Förderkreises, der jährlich Dutzende von kulturellen Veranstaltungen in dem 1758 erbauten ehemaligen Handwerkerhaus organisiert: „Das stimmt nicht. Von einer alleinigen Nutzung durch die Musikschule war nie die Rede!“ Man könne sich eine gemeinsame Nutzung vorstellen. Ralph Dieckmann, der gemeinsam mit der Vorsitzenden Claudia Klahn gekommen war, verblüffte die Politikerinnen und Politiker noch mit einem weiteren Detail: „Alleinige Nutzung durch die Musikschule – das kann so nicht sein. Wir hatten ein eigenes Nutzungskonzept erarbeitet und wollten es der Verwaltung vorstellen. Drei Tage vor dem Termin hat die Verwaltung ohne Angabe von Gründen abgesagt. Das ist ein Schlag ins Gesicht.“

Mit versteinerten Mienen verfolgten Claudia Klahn und Ralph Dieckmann vom Förderkreis Reepschlägerhaus die Ausführungen der Verwaltung.
Die Bauamtsleiterin und das Förderkreis-Konzept
Bauamtsleiterin Claudia Broekhuis erklärte zwar zunächst, das Konzept zu kennen und mit dessen Kenntnis anders entschieden zu haben, musste aber im Verlauf einräumen, dass sie es mit einer früheren Version verwechselt hatte. Die Bauamtsleiterin argumentierte, dass nicht ein Verein allein das Haus nutzen könne und die Stadt die Kosten dafür tragen müsse. Da stellte Verena Heyer noch einmal heraus, dass das Haus nicht nur vom Förderkreis, sondern gemeinsam mit anderen Vereinen genutzt werden könne. So könnten die Betriebskosten auf mehrere Schultern verteilt werden.
Die Bürgermeisterin erinnerte daran, in welcher prekären finanziellen Lage die Stadt mit 136 Millionen Euro Schulden sei. Die Vorlage sei daran ausgerichtet: „Unsere Ratio hat das anders gesehen als die Emotio.“ Wiederum war es Dr. Christoph Maas, der diesen Gegensatz Verwaltung = Ratio, Politik = Emotio kritisierte.
Trotz aller Differenzen sieht die Bürgermeisterin weiterhin positiv in die Zukunft, das Problem zu lösen: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“
Klare Positionierung im Hinblick auf eine kulturelle Nutzung
Und eine Info, die Wedel-Klartext noch schuldig ist. Wedel-Klartext hatte beim Land nachgefragt, ob die seinerzeitige Förderung der Sanierung an eine kulturelle Nutzung gebunden gewesen sein – die Antwort des Landes: „Tatsächlich hat es in den 1970er Jahren gemäß unserer Aktenlage im Zusammenhang mit den Landeszuschüssen für die Sanierung des Reepschlägerhauses in Wedel eine intensive Auseinandersetzung mit den späteren Nutzungszwecken gegeben. Es ergibt sich eine klare Positionierung meiner Behörde durch den damaligen Landeskonservator Dr. Beseler im Hinblick auf eine spätere kulturelle Nutzung. Dieses Plädoyer hat jedoch keinen Ausfluss in etwaigen (verbindlichen) behördlichen Auflagen oder Bedingungen im Zusammenhang mit den Fördermitteln gefunden. Bei weiteren Fragen melden Sie sich gerne! Mit freundlichen Grüßen Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Dr. Philip Seifert -Amtsleiter- Wall 47/51, 24103 Kiel“
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