DRK: Kummer mit der Kleidung
Hilfsorganisation ächzt unter neu hinzugekommenen Entsorgungskosten für verschmutzte oder zerschlissene Alt-Kleider.
13. Juni 2026
Jörg Frenzel

DRK Kleiderkammer Bakan Kolodziej Foto. Frenzel
Container dicht: Claudia Bakan und Thomas Kolodziej aus dem Wedeler DRK-Vorstand bitten um Verständnis dafür, dass gebrauchte Bekleidung nur noch persönlich angenommen wird.
Wenn das Wedeler DRK am heutigen Sonnabend am Tag der offenen Tür von 11 bis 18 in der Rudolf-Höckner-Straße 6 seine segensreiche Arbeit präsentiert, wird mit Sicherheit auch das Thema „Kleiderkammer“ besprochen. Denn mittlerweile hat der Verband seine öffentlichen Sammelcontainer verschlossen. Getragene Hosen, Hemden, Kleider & Co. können nur noch persönlich abgegeben werden. Der Grund: Das DRK hat Kummer mit der Kleidung.
„Die Entsorgung unbrauchbarer Textilien stellt uns zunehmend vor große Herausforderungen. Während wir früher einen Teil dieser Materialien kostenfrei abgeben konnten, müssen wir heute für die Entsorgung erhebliche Kosten tragen. Geld, das wir lieber für unsere gemeinnützige Arbeit und die Unterstützung von Menschen in Not einsetzen würden“, so Claudia Bakan, stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins, und das Team der Kleiderkammer.
Immer mehr verschmutzte Kleidung wird abgegeben

Das Sammel-Ergebnis etwa einer Woche: Rund 30 Säcke voller Textilien müssen durchsortiert werden – und nur wenig davon kann noch Menschen angeboten werden.
„Leider erhalten wir immer häufiger Textilien, die stark verschmutzt, beschädigt, zerrissen oder anderweitig nicht mehr nutzbar sind. Solche Kleidungsstücke können wir nicht an Menschen weitergeben und auch nicht in unserer Kleiderkammer ausgeben“, so das DRK. Diese Kleidungsstücke gehören in den Müll oder auf Recyclinghöfe. Jedoch: Während normale Bürgerinnen und Bürger die unverwertbaren Textilien kostenlos auf dem Recycling-Gelände der GAB abgeben oder ihre alten, verölten Pullover dem Hausmüll überantworten könnten, muss das DRK für derartige Verfahren bezahlen: „Die Entsorgung dieser Kleidung verursacht uns zunehmend hohe Kosten, die wir als gemeinnütziger Verein nicht tragen können“, sagt Ortvereinsvorsitzender Thomas Kolodziej.
Konsequenz dieser relativ neuen gesetzlichen Vorgabe: Das DRK drückte erst einmal bei den Sammelcontainern auf Not-Halt, indem es sie verschloss. So haben jene Zeitgenossen, die auch noch die letzten verdreckten Fetzen in die Container schmissen – weil es ja anonym blieb – zumindest diese Entsorgungsmöglichkeit verloren. Das DRK hofft: Wer persönlich vorbeischaut und Aug‘ in Aug‘ gebrauchte Textilien abliefert, hat eine höhere Hemmschwelle zu überwinden, sofern er dem DRK geschneiderten Abfall unterjubeln möchte.
Nachfrage groß: 1000 Kleidungs-Ausgaben pro Woche
Über mangelnden Nachschub kann sich der Ortsverein trotzdem nicht beklagen. Rund 1000 Stücke gibt die DRK-Kleiderkammer pro Woche an Interessierte aus – unabhängig von deren Einkommen. Bekleidung für Erwachsene gibt es für einen Euro pro Stück ebenso fünf Stücke für Kinder zum gleichen Preis.
In der DRK-Kammer stapeln sich aktuell 30 Säcke mit noch nicht durchsortierten Bekleidungsstücken. In Außenstellen und einer angemieteten Halle wird Aussortiertes gelagert in der Hoffnung, diesen Ramsch vielleicht doch noch mit geringem oder ohne Aufwand entsorgen zu können.
Appell: „Kleiderspende soll Hilfe sein“
Um diesen Berg aber nicht weiter anwachsen zu lassen, appellieren Claudia Bakan und Team: „Bitte bedenken Sie: Eine Kleiderspende sollte eine Hilfe sein – keine Entsorgung. Bitte spenden Sie nur saubere, gut erhaltene und tragbare Kleidung sowie intakte Schuhe. Nicht mehr nutzbare Textilien gehören in den Recyclingkreislauf über die Wertstoffhöfe.“

Claudia Bakan und Thomas Kolodziej im Ausgaberaum der Kleiderkammer. Gern will das DRK diesen Service weiterhin anbieten – möchte dabei aber auch nicht finanziell überfordert werden.
Und wie trifft man so eine Entscheidung, was nutzbar ist und was nicht? „Fragen Sie sich vor jeder Spende: Würde ich dieses Kleidungsstück selbst noch tragen oder einem Freund schenken? Wenn die Antwort ,Nein!‘ lautet, ist der Wertstoffhof der richtige Weg. Mit Ihrer Unterstützung sorgen Sie dafür, dass Ihre Spende dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird, und helfen uns gleichzeitig, unsere wertvollen Ressourcen für die Menschen einzusetzen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind.“







