„Körperliche Angriffe sind drastisch zurückgegangen“

Stadtverwaltung Wedel sieht sich in ihrem Sicherheitskonzept bestätigt. VHS erarbeitet spezifischen Alarmplan.

Published27. Juli 2026

AuthorMichael Rahn

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Nach dem heimtückischen Überfall auf einen Dozenten der VHS, bei dem am Ende vier Brüder festgenommen wurden, sind die Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Gebäuden in Wedel erheblich verstärkt worden. Foto: Florian Sprenger

Der Angriff kam aus dem Nichts. Am 19. Juli 2024 wird ein Dozent der Volkshochschule auf dem Parkplatz der Bildungseinrichtung heimtückisch überfallen und lebensgefährlich verletzt. Ein Einzelfall? Sicherlich. Wäre der Überfall zu verhindern gewesen? Vermutlich nicht. Auch im Rathaus häuften sich Zwischenfälle bis hin zu einer Bedrohung mit einem Baseballschläger. Seitdem wird in den öffentlichen Gebäuden der Stadt Wedel viel getan, um die Mitarbeiter zu schützen. Unter anderem wird für Kosten in Höhe von rund 55.000 Euro im Jahr ein Sicherheitsdienst beschäftigt. Aber reichen die Schutzvorkehrungen aus?

„Im Rathaus zeigt der Sicherheitsdienst eine deutliche Wirkung“, heißt es auf eine Anfrage von Wedel-Klartext. Während Anfang des Jahres Mitarbeitende der Stadtverwaltung etwa ein Dutzend Mal „grenzüberschreitendes Verhalten ihnen gegenüber in einem Erfassungsbogen für verbale und physische Übergriffe“ anzeigten, verlautbart die Stadtverwaltung jetzt über ihre Pressesprecherinnen: „Körperliche Angriffe sind drastisch zurückgegangen.“

Sicherheitsdienst wird in „aufgebrachten Situationen“ gerufen

Die Stadtverwaltung resümiert positiv: Seit Mai habe der Sicherheitsdienst „nicht mehr im klassischen Sinne einschreiten“ müssen. Vielmehr würden die Aufpasser eher in „aufgebrachten“ Situationen gerufen. Das gelte beispielsweise, „wenn ein Gespräch zu emotional wird und droht in die falsche Richtung zu kippen“. In diesen Fällen stehe der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes „lediglich zur Unterstützung mit im Raum oder an der Tür“. Diese Praxis wird laut Pressesprecherin Verena Nendza „recht häufig angewandt und hilft in den überwiegenden Fällen“.

Neben dem Sicherheitsdienst spielt der digitale stille Alarm über das System GISBO eine große Rolle, den bedrohte Mitarbeiter auslösen sollen. Der Alarm sei „inzwischen an allen Arbeitsplätzen im Rathaus installiert und läuft fehlerfrei“, heißt es in der Erklärung für Wedel-Klartext.

VHS erarbeitet Alarmplan in den Ferien

Diese Alarmierung ist auch in den Büros der Volkshochschule installiert, wo es bislang den schwersten Angriff gegen einen Dozenten gab. Dort ist das Konzept aber noch längst nicht abgeschlossen. „Die Volkshochschule kümmert sich in den Sommerferien um einen spezifischen Alarmplan und macht als Team gemeinsam Fortbildungen zum Thema Alarmplan und Deeskalation“, heißt es in der Antwort auf die die Anfrage.

Die ersten Maßnahmen laufen allerdings: Während der Prüfungstage und an einzelnen Tagen mit bestimmten Anmeldeterminen sei „seit zwei Jahren ein Sicherheitsdienst im Haus, mit dem sehr gute Erfahrungen gemacht wurden“. Pressesprecherin Verena Nendza: „Die Wirkung durch die einfache Anwesenheit scheint durchzugreifen.“

In der VHS haben Festangestellte eine Alarm-App

Zur Erhöhung der Sicherheit in der VHS wurden zudem mehrere Maßnahmen ergriffen. So müssen die Messerschubladen in den Küchen abgeschlossen werden, ein Sicherheitsspiegel gibt besseresn Einblick am Eingang. Aufgrund der Erfahrungen nach der Messerattacke gegen einen Dozenten werden Erste-Hilfe-Schulungen samt Einsatz eines Defibrilators organisiert. Es gibt Lehrgänge zur Deeskalation. Und neben dem Alarmsystem in den Büros verfügen die festangestellten Dozenten über eine App für ihre Smartphones, um stillen Alarm auszulösen.

Abgehängt von diesen Maßnahmen fühlen sich allerdings die freien Dozenten. Auch in den Außenstellen, in denen Kurse für Migranten veranstaltet werden, ist dem einen oder anderen nicht sehr wohl, wenn er über die Sicherheitsvorkehrungen nachdenkt. „Die Türen sind offen. Da kann jeder reinkommen“, erzählt ein Dozent, der aus Angst vor Jobverlust lieber seinen Namen nicht öffentlich nennen will.

Freiberufler fühlen sich nicht ausreichend geschützt

Bedrohungen gibt es aber auch für die Freiberufler, wenn zum Beispiel ein Zertifikat wegen mangelnder Sprachkenntnisse oder Teilnahmen nicht ausgestellt werden kann. So mussten sich Dozentinnen schon von Teilnehmern nach der Unterrichtsstunde zum Auto begleiten lassen, um nicht in üble Situationen zu geraten. Die freiberuflichen Lehrer und Lehrerinnen hoffen, dass nun auch sie mehr in die Sicherheitsüberlegungen einbezogen werden.

Weniger dramatisch gestaltet sich die Lage in einer weiteren Außenstelle: In der Stadtbücherei, die bislang von Attacken verschont blieb, ist laut Stadtverwaltung ein Alarmknopf für Mitarbeitende mit direkter Schaltung zur Polizei installiert. Zudem ist geregelt, dass immer mindestens zwei Mitarbeitende anwesend sind.

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