Jäger warnen vor Waschbär-Spulwurm
Parasiten der invasiven Raubtiere können auch auf Menschen übergehen.
25. Juli 2026
Jörg Frenzel

KJS Waschbaer-Rolfes-DJV
Auf den ersten Blick niedlich - aber nicht ungefährlich: Waschbären. Foto: Rolfes/DJV
Sie fühlen sich in Wäldern wohl wie dem Klövensteen und den Holmer Sandbergen, mögen aber ebenso wasserreiche Gebiete und auch immer mehr die Mülltonnen-Zivilisation. Sie sehen putzig aus, tragen aber nach Angaben der Kreisjägerschaft Pinneberg (KJS) eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit in sich. Die Rede ist von Waschbären. In ihnen lauert der Waschbär-Spulwurm, der auch auf Menschen übergehen und schwere gesundheitliche Schäden verursachen kann. Vor dem Hintergrund einer immer größeren Verbreitung des invasiven Raubtieres warnt auch Detlef Kleinwort, Leiter des Hegering V der KJS, zu dem Wedel gehört: „Halten Sie sich fern von Waschbären!“
Das wird schon von der Mathematik her mehr und mehr zur Herausforderung. Denn die Zahl der Waschbären in Schleswig-Holstein steigt nahezu explosionsartig. Waren im Jagdjahr 2023/ 2024 noch 2228 Waschbären im Land erlegt worden, was auch schon ein Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor gewesen war, so weise die Strecke im aktuellen Jahr bereits 3820 Tiere auf. Im Kreis Pinneberg wurden 2024/2025 insgesamt 26 Tiere zur Strecke gebracht. Im Jagdjahr danach waren es 33. Also wächst auch im Kreisgebiet die Zahl der Waschbären – vielleicht nicht dramatisch, aber doch deutlich. In ganz Deutschland sei ein Rekordwert von 284.220 erlegten Waschbären erreicht worden, damit habe sich die Jagdstrecke im Vergleich zu vor 20 Jahren verzehnfacht. Nach aktuellen Schätzungen werde von 1,6 bis 2 Millionen Waschbären in Deutschland ausgegangen.
Kontakt ist Risiko
Und schon ein einziger Kontakt zu den Tieren, die keine Scheu haben, auf ihrer Nahrungssuche immer stärker in Städte und Dörfer vorzudringen, stelle ein Risiko dar. Denn zwischen 50 bis 70 Prozent der kleinen Räuber sind vom Waschbär-Spulwurm befallen. Der kann auch auf den Menschen übergehen.
Der Mensch infiziert sich nicht durch den Körperkontakt zum Waschbären selbst, sondern durch das versehentliche Verschlucken mikroskopisch kleiner Eier des Spulwurms aus dem Kot. Und den setzen die Tiere laut KJS wegen steigender Verbreitung auch immer mehr in bewohnten Gebieten ab: in Sandkästen, Gärten, auf Holzstapeln, kurz: überall da, wo sich auch Waschbär und Mensch begegnen können.
Achtung bei „Waschbär-Latrinen“
Spielen beispielsweise Kinder in einer Sandkiste, die durch Waschbär-Kot kontaminiert sei, könnten sie die Spulwurm-Eier aufnehmen. Diese entwickelten sich im Darm zu Larven weiter, die sich durch die Darmwand bohren und durch den Körper wandern könnten.
Im Gehirn können sie dann nach Angaben der KJS schwere, teils bleibende neurologische Anfälle verursachen. Sehstörungen in den Augaen, gar Erblindung, können ebenso eine Folge sein wie Entzündungen in Leber oder Lunge.
„Bislang sind solche Infektionen zum Glück noch nicht an der Tagesordnung“, sagt Hans Wörmcke, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Pinneberg, „Panik ist also nicht angebracht.“ Aber je mehr sich Wachbären ausbreiten, desto stärker steige auch die Wahrscheinlichkeit, mit dem Kot in Kontakt zu kommen. „Und wenn trockener Waschbär-Kot aufgewirbelt werde, können gleich Tausende von Eiern durch die Luft fliegen“, so Wörmcke
Die Kreisjägerschaft Pinneberg stellt deshalb klar: Sie werde weiterhin konsequent Waschbären bejagen ebenso wie die anderen invasiven Arten Marderhund und Nutria.







