Hohe Haftstrafen nach heimtückischem Mordversuch

Landgericht verurteilt vier Brüder einer syrischen Familie, die den angeblichen Liebhaber der Mutter erstechen wollten

Published15. Juli 2026

AuthorMichael Rahn

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Nach dem heimtückischen Überfall auf einen Dozenten der VHS, bei dem am Ende vier Brüder festgenommen wurden, sind die Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Gebäuden in Wedel erheblich verstärkt worden. Foto: Florian Sprenger

Vier junge Männer aus Wedel sind wegen Mordversuchs in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vom Landgericht Itzehoe zu Gefängnisstrafen von vier bis siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Der gemeinschaftlich verabredete Überfall auf einen VHS-Dozenten am 19. Juli 2024 hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Brüder aus einer syrischen Familie, heute zwischen 19 und 23 Jahre alt, hatten den 68 Jahre alten Mann mit einer Stichwaffe lebensgefährlich verletzt.

In 45 Verhandlungstagen klärten drei Richterinnen und zwei Schöffen die Einzelheiten der Tat auf. Sie sahen es am Ende als erwiesen an, dass die Geschwister sich verabredet hatten, den Mann zu töten. Sie wollten damit die Mutter wieder an die Familie binden, die sich in den Dozenten verliebt haben soll. Die Brüder lockten den Dozenten, den sie aus der Volkshochschule kannten, auf dem Parkplatz der VHS unter einem Vorwand in einen Hinterhalt. Deshalb sah das Gericht das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an.

Heimtückisch in die fast tödliche Falle gelockt

Der heute 21-Jährige soll von hinten auf den 68-Jährigen eingestochen und ihn unter anderem mit einem acht Zentimeter tiefen Stich an der Lunge lebensgefährlich verletzt haben. Er wurde als damals Heranwachsender zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt. Für den heute 19-Jährigen, der selbst nicht am Tatort war, hat das Landgericht vier Jahre Jugendstrafe ausgesprochen. Die beiden ältesten und auch zur Tat erwachsenen Geschwister, sie sind Zwillinge, müssen jeweils siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Der eine hatte den Dozenten abgelenkt, der andere fuhr den Fluchtwagen.

Zur Erinnerung: Der 68 Jahre alte Dozent hatte sich nach der Tat stark blutend ins Gebäude der Volkshochschule geflüchtet. Dort leisteten Mitarbeiterinnen der VHS  Erste Hilfe, bis der Notarzt eintraf. In der Klinik musste der lebensgefährlich Verletzte sofort operiert werden. Die Polizei hatte nach kurzer Fahndung bereits mehrere Familienmitglieder festgenommen, da der Überfallene die Täter erkannt hatte. Die jungen Männer mussten aber mangels ausreichender Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Nach Auswertung der Gesprächsverläufe auf den Handys der Vier erließ der Richter einen Monat später den Haftbefehl.

Richterin kritisiert „überholte patriarchale Familienstruktur“

Reue ließen die vier Angeklagten während des langen Gerichtsverfahrens nicht erkennen. Die Verteidiger forderten Freisprüche beziehungsweise deutlich geringere Strafen, da es keinen Mordplan gegeben habe. Dem Liebhaber der Mutter habe nur ein „Denkzettel“ verpasst werden sollen. Dieser Einlassung schenkte die Richterinnen und Schöffen keinen Glauben. Vielmehr kritisierte die vorsitzende Richterin die „überholte patriarchale Familienstruktur“ (Hamburger Abendblatt), die den Mann schwer an Körper und Seele verletzt habe.

Gegen das Urteil ist laut Gerichtssprecherin eine Revision am Bundesgerichtshof möglich. Das bedeutet, dass keine neuen Beweise aufgenommen werden können und eine höhere Instanz urteilt, sondern nur ein möglicher Rechtsfehler im Verfahren geprüft wird.

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