Hafeneinweihung 2.0
20 Jahre nach den ersten Planungen ist der Schulauer Hafen (fast) fertig
11. Mai 2026
Jörg Frenzel

Einweihung Stadthafen 2026 (13)(1)
Großer Andrang am Schulauer Hafen am Tag der Städtebauförderung. Foto: John Hildebrand
„Es hat sich gelohnt.“ Lobende Worte fand Wedels Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto in Hinblick auf den Schulauer Hafen bei dessen (zweiter) Einweihung. Allein: Es hat sie kaum einer gehört. Obwohl weit mehr als 100 Interessierte auf die (fast) fertiggestellte Ost-Mole des Schulauer Hafens kamen, um am „Tag der Städtebauförderung“ zu gucken und Neuigkeiten über das Langzeit-Projekt zu erfahren, hat nur ein Bruchteil von ihnen die Reden der Verwaltungschefin, ihrer Bauamtsleiterin Claudia Broekhuis und des Ex-Bürgermeisters Niels Schmidt vernehmen können. Denn die drei mussten ohne Lautsprecheranlage klarkommen. In der Folge gab es aus dem akustisch verständnislosen Publikum sogar Buh-Rufe.
Die Geschichte: Start vor zwei Jahrzehnten
Vor genau 20 Jahren begann das Vorhaben mit einem städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Umgestaltung und zur „Revitalisierung“ des damaligen „Schlicklochs“ Schulauer Hafen. Denn immer weniger Stunden am Tag, und zwar um Hochwasser herum, war er überhaupt noch befahrbar. Im Rahmen des Gesamtprojektes „Maritime Meile“, zu der auch Maßnahmen am Willkomm-Höft-Anleger, am Strandbad-Gelände und am Wanderweg gehörten, bildete die Sanierung des Hafens das Kernelement. Die Maßnahmen: Die Hafeneinfassung wurde neu gestaltet, das marode alte Hafenmeisterhaus abgerissen, neue Gebäude für Hotel, Restaurants und Handel entstanden an der Nordseite.
Dabei hatte die Stadt massive Schwierigkeiten zu bewältigen, die bei Planungsbeginn in ihrer Wucht so nicht vorausgesehen wurden. Davon berichtete auch Alt-Bürgermeister Niels Schmidt. Das Gelände einer alten Tankstelle am Hafen beispielsweise stellte sich als derart kontaminiert heraus, dass viel intensivere und teurere Sanierungsmaßnahmen notwendig wurden. Setzungen der neuen Molen waren ein weiteres Malheur. Sogar nachträgliche Steinschüttungen waren nötig, die in der Konsequenz die nutzbare Wasserfläche weiter verkleinerten – erkennbar an den gelb-roten Warnkreuzen an der Ostseite des Beckens. Auch ist die Anlage so flach ausgelegt, dass die Kais bei bestimmten Windlagen schon im wettermäßig eher harmlosen Sommer überflutet werden können – Gäste des Hafenfestes 2022 werden sich erinnern.
Kritik am Hafen
Die Stimmung in Teilen der Bürgerschaft sank über die Jahre. Kritik wurde laut, dass das Geld für die Sanierung lieber für andere Dinge auszugeben sei, Kitas, Schulen und dergleichen. Das klang logisch, aber nicht beachtet wurde dabei, dass die Zuschüsse von Land und Bund im Rahmen der Städtebausanierung nur für genau dieses Projekt „Stadthafen“ bewilligt worden waren. Hätte die Stadt die Baumaßnahmen und ihre finanzielle Beteiligung gestoppt, hätte sie auch die bereits gezahlen Zuschüsse rücküberweisen müssen. Das wäre teurer geworden, und mit dem Hafen wäre man kein Stück weiter gewesen.

Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto mit Alt-Bürgermeister Niels Schmidt: Sie warfen Blicke in die Zukunft und in die Vergangenheit.
Immerhin kostete das Projekt nach derzeitigem Stand rund 34 Millionen Euro. Davon trug die Stadt ein Drittel, die restlichen Drittel Land und Bund. Das waren wohl die Gründe, weshalb bei der Einweihung auch die Landtagsabgeordneten Thomas Hölck (SPD) und Martin Balasus (CDU) sowie der Bundestagsabgeordnete Daniel Kölbl (CDU) vorbeischauten und erfahren wollten, was aus den öffentlichen Geldern denn so geworden ist.
Ehemalige Bauamtskräfte, die mit Planung und Umsetzung befasst waren, führten bei der Veranstaltung nun Gäste herum, erläuterten Zusammenhänge und standen für Fragen zur Verfügung.
„Wenn dieses Projekt kein Erfolg ist, welches dann?“ sagte Bürgermeisterin Fisauli-Aalto – den steinigen Weg zum jetzigen Zustand wohl im Hinterkopf. Sie verglich den Schulauer Hafen mit der Hamburger Elbphilharmonie. Auch dort habe man Rückschläge einstecken müssen – und heute sei die Elphi ein Wahrzeichen der Stadt. So werde es auch mit dem Hafen für Wedel sein: „Davon bin ich fest überzeugt.“
Die erste Einweihung

Die erste Einweihung im Oktober 2015: Stadtpräsidentin Renate Palm, Bürgermeister Niels Schmidt und Ministerpräsident Torsten Albig schnitten das Eröffungs-Band durch. Foto: Frenzel
An ähnliche Worte erinnert man sich von der ersten Einweihung des Schulauer Hafens im Oktober 2015, damals noch mit Schmidt als Bürgermeister, dem seinerzeitigen Ministerpräsidenten Torsten Albig und der ehemaligen Stadtpräsidentin Renate Palm. Auf der Website des beteiligten Wasserbau-Unternehmens HC Hagemann wird immer noch über das Ereignis berichtet.
Aber der Weg zum „Schmuckstück“ ist noch nicht zu Ende. Die Bauzäune stehen noch. Das Hafenmeisterhaus, das mit EU-Mitteln finanziert wird und einen touristischen „Info-Point“ beherbergen soll, ist nicht fertig. Für eine neue Kiosk-Anlage wurde noch kein Betreiber präsentiert. Der Gewinner einer ersten Bewerberrunde sprang wieder ab, die zweite Runde läuft. Andere ehemalige Interessenten berichteten, dass die Stadt eine Umsatzbeteilung am Kioskbetrieb von zwölf Prozent erwartet und die Nutzung des Außenbereichs für Tische und Stühle noch einmal 1500 Euro pro Monat kosten solle. Außerdem soll die Pflege der öffentlichen Toiletten zu übernehmen sein. Eine Stellungnahme der Stadt zu den genauen Konditionen hat Wedel-Klartext angefragt.
Zwar sitzen viele Menschen jetzt schon gern in den Gastro-Betrieben am Hafen, flanieren, genießen die Elb-Szenerie, aber unstrittig ist wohl, dass für einen Hafen noch etwas Elementares fehlt: Boote. Zwar gab es vor einigen Jahren schon das Angebot eines Liebhabers und Besitzers von historischen Schiffen und Liegern, den Hafen für seine schwimmenden Schätze zu nutzen, aber er und die Stadt wurden sich nicht einig. Derzeit erarbeiten Investoren ein Konzept, dort Hausboote an Dalben zu vertäuen. Sie sollen ganzjährig Übernachtungsmöglichkeiten besonderer Art bieten. Inwieweit das trotz Verschlickung und winterlicher Stumflutgefahr gelingen kann, sollen die Ratsmitglieder im September erfahren.
Die Toiletten- und Kioskanlage sowie das Hafenmeisterhaus sollen jedenfalls schon zum Hafenfest im Juli fertiggestellt und nutzbar sein. Dann gibt es die Einweihung 3.0.







