Es war einmal…der „Gröner Born“
Ehemaliges Kult-Lokal wird nach langem Leerstand nun Wohnraum.
31. August 2026
Jörg Frenzel

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Ein Bild aus feucht-fröhlicheren Tagen: der "Gröner Born" im Jahr 1904. Foto: Stadtarchiv Wedel/Abelbeck
CDU-Ratsherr Jochen Lüchau erteilte einem Kollegen der SPD Nachhilfeunterricht in Heimatkunde. Als jener fragte, um welches Gebäude beim Punkt „Der Planungsausschuss beschließt das Einvernehmen der Gemeinde gemäß § 36 Abs. 1 BauGB in Verbindung mit § 31 Abs. 2 BauGB für die Umnutzung einer Gewerbeeinheit in Wohnraum in der Rissener Straße 67-69 zu erteilen“, es sich eigentlich handele, sagte Lüchau schmunzelnd: „Es ist der ,Gröner Born‘. Da habe ich weite Teile meiner Jugend verbracht.“ Und nicht nur er. (Der Autor dieses Textes auch – und verbummelte mit Sicherheit noch viel mehr Mathe-Arbeiten-Lernzeiten als der spätere Ratsherr…). In den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts war der „Gröner Born“ eine der Kult-Kneipen und Treffs junger Leute in der Stadt. Das war einmal. Jetzt wird umgenutzt. Wohnungen werden gebaut.
Die Historie des Lokals begann aber schon viel früher, nämlich Anfang des vorigen Jahrhunderts. Damals stand das „Café und Frühstückslokal“ allerdings noch ziemlich allein auf weiter Flur umgeben vom Grün landwirtschaftlich genutzter Flächen. Denn Wedels großer Bau-Boom begann erst nach dem zweiten Weltkrieg.

Der „Gröner Born“ Anfang der 1970er Jahre – noch Restaurant, an deren Ende Jugendkneipe. Foto: Stadtarchiv /Maushake
In den 1970er ff Jahren dominierten aber nicht mehr Kaffeekännchen, sondern Gläser mit Erfrischungsgetränken aller Art die Gasträume. Wirt Rüdiger Kulow und Familie und später Dirk „Shorty“ Jensen machten den „Gröner Born“ zur Heimstatt, zum Zufluchtsort der Generationen, deren Pubertät schon etwas fortgeschritten war.
Auf die Dartscheiben im „Gröner Born“ flogen gefühlt mehr Pfeile als auf die Kavallerie in jedem Western mit John Wayne. Besonders Mutige wagten sich, am Pool-Tisch die Karambolage-Asse des Billard-Club Wedel herauszufordern, um sich dann doch von ihnen „abfackeln“ lassen zu müssen. An Flipper-Automaten – ja, die gab es tatsächlich noch! – versenkte man ein 50-Pfennig-Stück nach dem anderen und wenn der Schneider-Versand gerade Zahltag für schülerische Hilfskräfte hatte, auch schon mal einen „Heiermann“der echten D-Mark. In der Hoch-Zeit der Arcade-Geräte in den 80er Jahren trauerte man, wenn man zu ungelenk den „Frogger“ über die vielbefahrene Schnellstraße auf dem Bildschirm hüpfen ließ und der niedliche kleine Frosch wieder und wieder in den Lkw-Zwillingsreifen hängen blieb und sein Amphibienleben aushauchte. Oder das eigene Ufo an „Asteroids“ zerschellte. Oder bei den vielen anderen Games gegnerische Jets, Helikopter und Raumschiffe – verdammt noch mal! – einfach stärker waren…

Rita und Rüdiger Kulow im „Gröner Born“ – ihre Gäste waren Teil ihrer Familie. Foto: Sonnenberg
Bei Rüdiger Kulow und seiner Frau Rita waren die Stammgäste Familie. Und diese „Familienmitglieder“ fühlten sich oft derart wohl, dass sie bei Besuchen gar nicht gehen mochten – was auch schon mal zu speziellen Situationen führte: Als nach der damals noch geltenden Sperrstunde auf einmal die Polizei vor der Tür stand und Bussgeld drohte, schnappten sich die „Familienmitglieder“ blitzartig Besen, Feudel und Wischeimer und schauspielerten fleißige Putzhilfen vor. Ein Polizist (Name der Redaktion bekannt) fragte daraufhin zwar drastisch: „Wollt ihr mich verar….?“, aber ein Bußgeld blieb aus.
Als ein paar Tage später nochmals Sperrstunden-Kontakt mit den Ordnungshütern drohte, sollte der Putzkolonnen-Trick lieber nicht wiederholt werden. Man bereitete sich besser vor. Kurz vor dem Erreichen der Sperrstunde löschten die restlichen Gäste das Deckenlicht, zündeten Kerzen an, mit denen sie sich unter den großen Stammtisch kauerten und dort weiter feierten. Von außen war nichts zu sehen und das Bier schmeckte auch unter dem Tisch fantastisch

Der „Gröner Born“ aktuell. Leerstand. Jetzt werden Wohnungen draus. Foto: Frenzel
Als auch Kulows Nachfolger „Shorty“ Jensen aus Wedel wegzog, folgte ein sanfter aber steter Abschwung unter wechselnden Wirten. Auch ein Asia-Restaurant reüssierte nicht kostendeckend. Ein Küchen-Laden ebenso wenig. So steht die Immobilie seit mehreren Jahren leer. Jetzt wollen die Eigentümer eine Win-Win-Situation draus machen. Architekt Sören Brandt zeichnete ihnen in die Gebäudepläne mit sechs Wohnungen, zwischen 30 und 55 Quadratmetern groß. Ein- und Zweizimmerwohnungen werden es. Das Investitionsvolumen liegt nicht ganz im siebenstelligen Bereich. Nur das bestehende Gebäude wird umgebaut, Verdichtung durch Abriss und Neubau ist nicht möglich. Die Planungsausschussmitglieder beschlossen die Nutzungsänderung einstimmig.
Jochen Lüchau, dem Autoren und vielen anderen Jugendlichen von einstmals bleiben zumindest süße Erinnerungen an schöne Stunden im „Gröner Born“. Dem SPD-Ratsherren leider nicht,
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