Elbschule: Verwaltung setzt auf Wedel Nord
Umstrittenes Baugebiet als neue Heimat? Privatschule lehnt Vorschlag der Bürgermeisterin ab - weil völlig unklar sei, wann dort jemals gebaut werden könne
7. März 2026
Uwe Heitmann

Wedel Nord entwurfsplanung
Das Gebiet Wedel Nord - dieser Entwurf stammt aus dem Rahmenplan aus dem Jahr 2021, der von den Büros architektencontor AGATHER BIELENBERG OSCHKINAT, Architekten RAVE OSCHKINAT und SCHOPPE + PARTNER entwickelt wurde
Der Raum „Wolgast“ im Wedeler Rathaus wird gern und häufig für öffentliche Senioren-Sprechstunden genutzt. Um eine deutlich jüngere Zielgruppe ging es dort indes unmittelbar vor der Ratsversammlung in der vergangenen Woche – und die Zusammenkunft war alles andere als öffentlich. Wedel-Klartext liegt ein Protokoll der Sitzung vor: In vertraulicher Runde trafen sich Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto und Mitarbeiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt mit Sprechern aller Parteien und Gruppen im Rat sowie Vertretern der Elbschule. Die Themenliste der Sitzung war ebenso kurz wie konfliktträchtig: Wohin mit der Bildungseinrichtung, die Ende August 2027 ihren Standort am Mühlenweg räumen muss?
Wie berichtet, sucht die stark wachsende Privatschule seit Jahren nach einem Grundstück für einen Neubau, den sie selbst errichten und bezahlen will. Alle von Vertretern der Elbschule vorgeschlagenen Areale – für die zum Teil jeweils schon grundsätzliche Einigkeit mit den Besitzern bestanden hatte – waren von der Verwaltung abgelehnt worden. Das hatte zuletzt auch in Teilen der Politik für erhebliches Unverständnis gesorgt. Schon bevor es die Aufforderung der Ratsversammlung an die Verwaltung zu neuerlichen Gesprächen gegeben hatte, fand das erste Arbeitstreffen statt.
Wedel Nord wieder auf der Tagesordnung
Nach Informationen mehrerer Personen aus dem Teilnehmerkreis wartete die Verwaltung dabei mit einem Paukenschlag auf. Ihr demnach eindeutig präferierter Vorschlag: Die Elbschule solle in das geplante Baugebiet Wedel Nord ziehen. Mit dieser Wendung dürfte das größte Wedeler Infrastruktur-Streitthema der vergangenen Jahre plötzlich wieder auf der Tagesordnung stehen. Nach heftigem Widerstand der Bürgerinitiative Wedel Nord war das Vorhaben – langfristig sollten bis zu 1000 Wohnungen entstehen – am 8. Oktober 2023 per Bürgerentscheid gestoppt worden. Doch die durch das Votum vorgeschriebene zweijährige Planungspause ist seit dem vergangenen Herbst abgelaufen. Jetzt könnten Politik und Verwaltung also tatsächlich einen neuen Anlauf nehmen.
Teilnehmer der Sitzung werteten den Vorstoß der Bürgermeisterin als klaren Versuch, wieder Tempo in die Überlegungen für das umstrittene Großvorhaben zu bringen – mit einer möglichen Ansiedlung der Elbschule als Speerspitze. Wedel-Klartext hat am Freitagmittag um eine kurzfristige Stellungnahme der Verwaltungschefin gebeten. Ihr Büro verwies allerdings auf einen zu engen Terminkalender. Die daraufhin angefragte Pressestelle der Stadt kündigte an, die Anfrage „schnellstmöglich“ zu beantworten.
Es kann noch Jahre dauern, bis gebaut werden kann
Fest steht derweil, dass es für eine Schulansiedlung im Bereich Wedel Nord (Bündtwiete/Voßhörntwiete) derzeit überhaupt kein Baurecht gibt. Das heißt: Es könnte noch mehrere Jahre dauern, bis dort überhaupt die formalen Grundlagen für die Errichtung von Gebäuden bestehen. Nach Angaben von Teilnehmern des Treffens haben Vertreter der Elbschule den Plan, zunächst einmal mit einer Containerlösung in Wedel Nord zu starten, deshalb auch abgelehnt. Dieser Ansatz, für den es ebenfalls erst eine baurechtliche Genehmigung geben müsse, sei zum einen finanziell nicht umsetzbar. Vor allem aber könne man keinem Vorschlag zustimmen, bei dem völlig unklar sei, wann jemals mit einem Baubeginn für echte Schulgebäude zu rechnen sei. Hintergrund für diese Sorge ist offenbar die Frage, ob die noch bestehende Bürgerinitiative in der Lage sein könnte, das Baugebiet wiederum auf unbestimmte Zeit zu verzögern. Das geht aus einer Reaktion auf das Protokoll des Treffens hervor, die Wedel-Klartext ebenfalls vorliegt.
Aus den Schriftstücken lässt sich auch ablesen, dass fast alle weiteren optionalen Standorte von der Verwaltung noch einmal aus verschiedensten Gründen abgelehnt oder als kaum umsetzbar bezeichnet wurden. Das gilt auch für ein Grundstück an der Holmer Straße, das der Elbschule angeboten wurde und für das der Besitzer der Verwaltung jetzt kurzfristig eine Planungsvariante vorstellen wolle. Und es betrifft ferner das Areal Feldstraße 124-126, für das die Elbschule ebenfalls ein Angebot des dortigen Besitzers Hans Woermcke vorliegen hat.
Fachanwalt hält Schulansiedlung für möglich
Wie berichtet, hatte ein externer Fachanwalt dort einen Schulbau im Gegensatz zur Verwaltung durchaus für möglich gehalten. In der Protokoll-Reaktion des Treffens heißt es dazu: „Die Vertreter der Elbschule führten aus, dass es aus ihrer Sicht schwer nachvollziehbar ist, weshalb ein Schulbau dort mit Blick auf einen möglichen zukünftigen Industriebetrieb ausgeschlossen wird. Durch die bestehende Bebauung – unter anderem durch die Fachhochschule auf beiden Seiten der Feldstraße, eine Moschee sowie das nahegelegene Wohngebiet – erscheint die Ansiedlung eines Industriegebiets aus unserer Sicht nicht sehr realistisch.“
Diese Sichtweise zum Areal Feldstraße 124-126 deckt sich auch mit der Einschätzung eines Juristen, dessen Schreiben inzwischen allen Ratsgruppen und auch Wedel-Klartext vorliegt. Der Anwalt des renommierten Hamburger Büros Esche, Schümann, Commichau betont darin, das von Ausnahmemöglichkeiten schließlich offenbar schon zugunsten der Moschee Gebrauch gemacht worden sei. Dies sei bemerkenswert, da die Schutzbedürftigkeit einer religiösen Stätte durchaus mit der einer Schule vergleichbar sei. Insofern könnten diese Sachverhalte im Rahmen des behördlichen Ermessens auch zugunsten einer Schulansiedlung zu berücksichtigen sein, so der Jurist. Nach Informationen unserer Redaktion ist aufgrund der angrenzenden Wohnbebauung des Gebiets und der damit verbundenen Lärmschutzauflagen eine industrielle Nutzung jedoch ohnehin weitgehend ausgeschlossen. Möglich wäre nach Einschätzung von Experten nur leises Gewerbe wie etwa Büros und Montagebetriebe.
Sicher ist in jedem Fall, dass jetzt Tempo in die Suche nach einem Areal für die Elbschule mit ihren im Schuljahr 2027/28 mehr als 200 Schülerinnen und Schülern gekommen ist. Nach Wedel-Klartext-Informationen wird sich die Runde bereits am kommenden Montag, 9. März, wieder im Rathaus treffen. Dabei dürfte auch der Verwaltungsvorschlag zu Wedel Nord – den die Elbschule aus oben genannten Gründen nicht für machbar hält – noch einmal zur Sprache kommen. Aber auch aus der Politik werden noch einmal Fragen an das Rathausteam erwartet – warum nämlich weiterhin alle anderen Optionen abgelehnt werden.







