„Ein Krieg kennt keine Gewinner“
Wie der Exil-Iraner und Wedeler Kult-Gastronom Parviz Mokhtary die Lage in seinem Land einschätzt
28. März 2026
Michael Rahn

20260324_114501
Parviz Mokhtary (74) ist aus dem Iran geflohen und lebt seit 1983 in Deutschland. Von seiner Wahlheimat Wedel aus kümmert er sich um Exil-Iraner und sorgt sich um die Menschen in seinem Geburtsland. Foto: Rahn/Kommunikateam
Im persischen Kulturraum wird der Frühlingsanfang stets mehrere Tage groß gefeiert. Das passiert auch unter den meisten Exil-Iraner, die in Wedel und Umgebung leben. Doch dieses Jahr ist vielen zu Nouruz, übersetzt „neuer Tag“, nicht nach feiern zu Mute. Der Krieg im Land macht den Menschen hier große Sorgen und kostet viele Leben in einer der ältesten Kulturen der Welt.
„Dieses Regime ist am Ende“, sagt Parviz Mokhtary (74). Der glühende Demokrat hat schon unter Schah Reza Pahlavi gelitten und im Gefängnis gesessen. Auch nach der islamischen Revolution 1979 konnte er seine Ideale von Frieden und einem sozialen Miteinander der Menschen in seinem Geburtsland nicht umsetzen, ohne sein Leben zu gefährden. Deshalb floh er in das Land, in dem er mit 50 Jahren zum ersten Mal als Staatsbürger mitwählen durfte: „Ich bin stolz, ein Deutscher geworden zu sein.“
„Es ist ein schmaler Weg, von dem wir abstürzen können“
Jetzt schöpft der überzeugte Demokrat und Republikaner neue Hoffnung, dass sich in der alten Heimat alles zum Guten bewegt. Aber er weiß auch: „Für uns Oppositionelle ist die Situation, als wenn wir uns auf einem schmalen Weg bewegen, von dem wir links und rechts tödlich abstürzen können.“
Seit Jahrzehnten unterstützt Parviz Mokhtary, der in Wedel 1992 gemeinsam mit Freunden das Restaurant Feuertempel gründete und später allein das Kultlokal BWC übernahm, von der neuen Heimat aus die demokratische Bewegung im Iran. Er gründete in Hamburg einen Verein und einen Club, über den sich die Exil-Iraner organisierten und gegenseitig unterstützten. Gemeinsam mit Freunden organisierte er unzählige Demonstrationen, Protestaktionen, Aufklärungsveranstaltungen.
Sohn des Schahs bietet für Parviz Mokhtary keine Perspektive
Doch momentan hält er sich mit öffentlichen Aktionen zurück. Zu stark und gewalttätig sind nach seinen Aussagen die Gruppen, die Reza Pahlavi, den Sohn des ehemaligen Schahs, als neuen starken Mann an die Spitze bringen wollen. „Die Gruppe ist so reich, dass sie über eigene Fernsehsender verfügen und Bilder von Demonstrationen mithilfe Künstlicher Intelligenz manipuliert“, sagt Parviz Mokhtary, für den der Schah-Sohn keine Alternative ist. So sei die antike Parole „Kein König! Kein Anführer! Demokratie!“ umgetextet worden: „Schah von Iran, kehre zurück nach Iran!“
Sorgen macht ihm zudem der Krieg, den die USA und Israel gegen sein Geburtsland führen. „Beiden Präsidenten geht es nicht darum, im Iran Menschenrechte durchzusetzen, sondern um Öl und Macht“, sagt der Wahl-Wedeler. Er weiß, dass im Iran „Verbrecher an der Macht“ sind. Aber der Widerstand gegen diese menschenfeindliche Regierung, sei Sache der Iraner. Für den Angriff auf das Land gebe es leider auch kein Mandat der Vereinten Nationen (UN).
„Die Verlierer eines Krieges sind die Menschen“
Parviz Mokhtary weiß, wie viele Hunderttausende Menschen die sogenannten Revolutionsgarden brutal getötet und verletzt haben. Aber auch die Angriffe mit Bomben und Raketen jetzt kosten Leben. „Ein Krieg kennt keine Gewinner. Die Verlierer sind die Menschen.“
Trotz alledem hofft Parviz Mokhtary darauf, dass ein Teil der aktuell Herrschenden zur Vernunft kommt, und einen Friedensvertrag unterzeichnet. Die Atomforschung und die Langstreckenraketen aufzugeben, sei dringend notwendig. Das riesengroße Land Iran habe dank seines Wind- und Sonnenreichtums ein großes Energiepotenzial, das es unabhängig von anderen Quellen mache.
Hoffnung: Israel anerkennen und in Frieden leben
Noch eins ist dem Wedeler wichtig: Der Staat Israel sei von der Weltengemeinschaft eingerichtet worden und müsse anerkannt werden. Die Unterstützung von Hisbollah und anderen Terrororganisationen in der Region müsse beendet werden. „Wir können doch alle in Frieden miteinander leben“, sagt auch die Ehefrau des überzeugten Republikaners.
Und so hofft das Ehepaar darauf, dass sich bald ein großer Wunsch erfüllt: Zum ersten Mal seit 1979 wieder in das Geburtsland reisen zu können. Dann wird zum Frühlingsanfang 2027 „Nouruz“ so fröhlich und friedlich gefeiert werden wie noch nie.







