Ein Abschied und viele Herausforderungen
Jahreshauptversammlung der Feuerwehr – Wehrführer Michael Rein gibt Amt ab – morgen Wahl des Nachfolgers
16. Februar 2026
Jörg Frenzel

FW JHV 2026 kreuz
Der Gag musste einfach sein: Gespielter Schmerz, als der scheidende Wehrführer Michael Rein seine Auszeichnung von Kreisbrandmeister Stefan Mohr an die Uniform gepiekst bekam, während der stellvertretende Wehrführer Sebastian "Inge" Meisel assistierte.
Das Schleswig-Holsteinische Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber – das ist die metallisch-schicke Anerkennung für 24 Jahre als Wehrführer und viele weitere in Rettungs-, Lösch-, Bergungs- und Schutzeinsätzen der Freiwilligen Feuerwehr Wedel. Sie wurde Michael Rein auf der Jahreshauptversammlung von Kreisbrandmeister Stefan Mohr an die Uniform geheftet. Das kleine Kreuz steht für Dank und Respekt, das rhythmische Tischklopfen im Anschluss stand für Zuneigung der Kameradinnen und Kameraden der Wedeler und der Nachbarwehren sowie für die Sympathie der Gäste aus anderen Blaulicht-Organisationen, der Unterstützer aus der Wirtschaft, von Politik und Verwaltung. Es war der letzte Jahresbericht, den Michael Rein gab.
Darin formulierte er nicht nur seinen Dank für die gemeinsame Zeit, vielmehr blickte er auch auf Einsätze zurück, erinnerte mit stockender Stimme an den durch schwere Krankheit im Alter von nur 49 Jahren verstorbenen Löschmeister Jan „Janne“ Kowalleck und widmete sich auch den Herausforderungen an die Wehr, von denen einige seit Jahren Thema mahnender Worte sind.
Hohe Einsatzbelastung
Da ist zum einen die Einsatzbelastung. „Mit insgesamt 454 Alarmen verzeichnen wir einen Anstieg von fast 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist enorm“, sagte er. Dazu zählen die automatischen Alarme von Brandmeldeanlagen, von denen sich die meisten später als Fehlschaltungen entpuppten. Auch die „Notfall Tür verschlossen“- Einsätze gehören dazu und Bagatell-Fälle, in denen Passanten lieber die Feuerwehr rufen, statt selbst mal kurz einen Eimer Wasser oder einen Pulverlöscher zur Hand zu nehmen – brennende Papierkörbe sind da nervende Beispiele. „Die zunehmende Belastung der Kameradinnen und Kameraden, besonders durch den Anstieg der Kleinalarme auch in der Nacht, überschreitet in Einzelfällen bereits die Schwelle zur Überlastung. Die Folge: Kameradinnen und Kameraden kommen trotz Alarmierung nicht zur Wache. Diesem Trend zu begegnen und ihn umzukehren, ist eine nur schwer lösbare Aufgabe“, sagte Rein.

Ein Ur-Gestein geht in die Ehrenabteilung: Nach sage und schreibe 50 Jahren Mitgliedschaft in der Wehr und unzähligen Einsätzen beendet Klaus Reining seinen aktiven Dienst.
Seine düstere Perspektive: „Ich bin davon überzeugt, dass das bestehende System nicht mehr lange funktionieren wird. Zunehmend problematisch sind die vielen Kleinalarme am Tag, während der regulären Arbeitszeit unserer freiwilligen Einsatzkräfte. Systemische Veränderungen gerade bei den großen Freiwilligen Feuerwehren sind deshalb aus meiner Sicht auf Dauer nicht zu vermeiden. Ideen hierzu sollten unvoreingenommen mit den zuständigen Gremien diskutiert werden.“ Die Konsequenz liegt auf der Hand: Der Trend geht zu mehr Feuerwehrkräften, die für ihre Tätigkeit bezahlt werden müssen, und damit auch absehbar zu höheren Kosten für die Stadt.
„Unsere Gesellschaft entwickelt sich leider bedenklich negativ“
Auch der schwindende Anstand, die Verrohung in weiten Teilen der Gesellschaft sorgt bei der Feuerwehr für Probleme. Er dankte hier insbesondere der Polizei, die tatkräftig schütze und unterstütze. „Leider muss der Begriff ,schützen‘ oft wörtlich genommen werden, wenn sich verständnislose Bürger aggressiv gegenüber der Feuerwehr verhalten. Beschimpft zu werden, wenn man helfen möchte, macht mich fassungslos und wütend. Unsere Gesellschaft entwickelt sich diesbezüglich leider bedenklich negativ“, so Michael Rein.
Anerkennende Worte für die Wehr seitens der Stadt kamen von der Ersten Stadträtin Claudia Friedrich. Stadtpräsident Julian Fresch war nicht anwesend und Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto hatte ihr Fehlen angekündigt. Sie besuchte stattdessen eine Jubiläums-Veranstaltung der Landes-CDU – aber sie hatte versprochen, beim wichtigen Termin der Neuwahl des Nachfolgers und der Verabschiedung Reins im Rahmen der regulären Mitgliederversammlung am morgigen Dienstag auf jeden Fall dabei zu sein.

Löschmeister Holger Koschek stellt sich zur Wahl des Wehrführers.
Dann wird Löschmeister Holger Koschek kandidieren (wie wedel-klartext bereits Freitag über die social-media-Kanäle berichtete). Denn bei Wahlen im Oktober hatte ein anderer Kandidat keine Mehrheit erreichen können. Kreisbrandmeister Stefan Mohr setzte sich bei der Hauptversammlung noch einmal nachdrücklich für eine nun besser gelingende Wahl ein: „Bedenkt, dass jemand, der freiwillig eine solche Aufgabe übernimmt, eure ganze Rückendeckung braucht. Und wenn ihr mit einem Bewerber nicht zufrieden seid, müsst ihr selbst kandidieren.“
Außerdem standen wie gewohnt Ehrungen und Beförderungen auf dem Programm:
- Endgültige Aufnahme in die Feuerwehr Wedel: Ralf Mohr
- Endgültige Aufnahme in die Feuerwehr Wedel und Beförderung zur Feuerwehrfrau / zum Feuerwehrmann: Finn Augustin, Hannes Komoll, Nadezda Morozova, Oleksandr Yushchenko
- Übernahme in die Einsatzabteilung und Beförderung zum Feuerwehrmann: Colin Müller
- Beförderung zur Hauptfeuerwehrfrau / zum Hauptfeuerwehrmann: Franzi Feuchtner, Tyll Schultz, Karim Wichern
- Beförderung zum Löschmeister: Christopher Genz, Mario Hollmann, Tom Kuhlmann
- Beförderung zum Hauptlöschmeister: Kevin Evers, Maximilian Hackl
- Beförderung zum Hauptlöschmeister drei Sterne: Thorsten Schneider, Jan Struve
- 10 Jahre Mitgliedschaft: Jens Latza, Volkmar Scholz
- 50 Jahre: Klaus Reining
- Verleihung des deutschen Feuerwehr Fitness-Abzeichens: Jens Benölken (Gold), Franzi Feuchtner (Silber), Tim Grawert (Gold), Holger Koschek (Gold), Tom Kuhlmann (Gold), Ralf Mohr (Gold), Juliane Sabow (Bronze) und Kim Weißer (Silber).

Verpflichtung der neuen Feuerwehrleute: Wehrführer Michael Rein (von links) gratuliert Hannes Komoll, Finn Augustin, Colin Müller und Ralf Mohr.







