Der Tod wird teurer in Wedel
Kirchengemeinde hebt die Gebühren kräftig an - zum ersten Mal seit sieben Jahren
17. März 2026
Michael Rahn

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Auch die Friedhöfe in Wedel sind neben der Erinnerung an unsere Toten zu einem wichtigen Faktor fürs Stadtklima geworden - aber die Pflege kostet viel Geld.
Die Gebühren für ein Grab auf den Wedeler Friedhöfen steigen um etwa 20 Prozent. Das bestätigte der Kirchengemeinderat um Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock auf Nachfrage von wedel-klartext. Ist dieser Preis zu hoch?
„Gebühren für die Friedhofsnutzung sind kostendeckend zu kalkulieren“, verteidigt Werner Ballendat die Entscheidung. Er ist der Vorsitzende des Friedhofsausschusses der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wedel. Eigentlich sollten die zuletzt 2019 festgelegten Preise bereits vor drei Jahren steigen. Doch die damalige Kalkulation wurde von der Aufsicht des Kirchenkreises bemängelt.
Gebührensatzung orientiert sich an Vorgabe der Landeskirche
Jetzt orientieren sich die Wedeler am Kalkulationsprogramm der Landeskirche. So errechnet der Vorsitzende des Friedhofsausschusses eine durchschnittliche Steigerung um 19 Prozent. Es gebe sogar Gebühren, die gesenkt werden konnten, betont Ballendat. Andere steigen um so deutlicher. Ein Beispiel: Ein Reihengrab in Rasenlage kostet für 25 Jahre bis 31. März 1240 Euro, danach 1635 Euro. Macht ein Plus von satten 30 Prozent.
„Das ist Wahnsinn. Das geht in Hamburg deutlich günstiger“, stöhnt ein Bestatter, der seinen Namen aus Angst vor Repressionen nicht öffentlich nennen will. Ein Beispiel dafür: In Ohlsdorf werden seit Januar 2024 1380 Euro für ein Reihengrab verlangt.
Wedeler Gräber deutlich teurer als Hamburg und Pinneberg
„Vergleiche mit anderen Friedhöfen sind bei den unterschiedlichen Grabarten deshalb nur begrenzt aussagekräftig, auch weil deren aktuelle Kalkulationen zum Teil noch aus 2022 datieren“, schreibt Werner Ballendat zur Anfrage von wedel-klartext.
Die Gebührensatzung auf dem kirchlichen Friedhof in Pinneberg ist hingegen erst ein halbes Jahr alt. Dort kostet eine Baumgrabstätte für zwei Urnen über 20 Jahre 960 Euro, der Rasenschnitt ist inklusive. In Wedel werden 1245 Euro verlangt. Das sind wie beim Erdgrab etwa 30 Prozent mehr.
Auch die Kosten für Kapelle und Co. steigen
Auch die weiteren Kosten für eine Bestattung haben es in sich. Für die Nutzung der Waldkapelle müssen demnächst 295 Euro gezahlt werden, bislang waren es 215. Das sind mehr gut 37 Prozent mehr. „Die allseits beklagte Kostensteigerung der Lebenshaltung ist auch an den Friedhofskosten deutlich zu spüren“, argumentiert der Vorsitzende des Friedhofsaussschusses.

Auch auf dem Friedhof am Breiten Weg in Wedel nimmt die Zahl der großen Gräber ab.
Darüber hinaus sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder. Die Städte können ihre Pflichtausgaben kaum noch zahlen, sodass die Zuschüsse zu den Grünanlagen der Friedhöfe eher sinken, während gleichzeitig die Gräberfelder immer kleiner werden. „Wir bedauern die sich ändernde Bestattungskultur“, sagt Werner Ballendat. Kleine statt mehrteilige Gräber, Urnen- statt Erdgräber sorgen für „unschöne Leerflächen, die vom Friedhof gepflegt werden müssen“, bedauert der Friedhofsexperte. Eine höhere Kostenlast führe zu höheren Grabnutzungsgebühren.
Mit neuen Angeboten wie den Baum-Rund-Gräbern, Apfel- und Obstgarten, Grabgedächtnisfeld, Waldgräbern und Gemeinschaftsgrabstätten versuchen die Verantwortlichen für den Friedhof, neue Trends in der Bestattungskultur aufzunehmen. Schon lange ist der Friedhof nicht nur eine Erinnerungsstätte für unsere Toten, sondern auch eine Grünfläche, die das Stadtklima stärkt und Menschen Kraft schöpfen lässt, ein wenig abseits vom grauen Alltag.







