Das Leid der Iranerinnen und Iraner – auch in Wedel

Wedeler Familie hofft auf Regimewechsel - und bat den Bundestagsabgeordneten Daniel Kölbl um Unterstützung.

Published14. Februar 2026

AuthorJörg Frenzel

Ihre Gesichter mögen sie aus Angst um ihre Freunde und Verwandte im Iran nicht zeigen - der Bundestagsabgeordnete Daniel Kölbl hörte sich ihre Berichte an

Exil-Iraner Kölbl Hildebrand

Ihre Gesichter mögen sie aus Angst um ihre Freunde und Verwandte im Iran nicht zeigen - der Bundestagsabgeordnete Daniel Kölbl hörte sich ihre Berichte an

Wenn sich am heutigen Sonnabend in München wohl über 100.000 Menschen zusammenfinden, um am Rande der Sicherheitskonferenz gegen das brutale Mullah-Regime im Iran zu protestieren, wird auch zumindest eine Familie aus Wedel dabei sein. Farah, Kourosh, Simon und Omid (Namen geändert) haben iranische Wurzeln beziehungsweise iranische Partner. Sie sind vor Jahren aus dem Land geflohen, um der theokratischen Diktatur zu entkommen. Wedel ist ihre neue Heimat, aber sie haben immer noch enge Beziehungen in ihre alte, die von den schiitischen Eiferern in einen Terror-Staat verwandelt wurde.

Die Vier haben Verwandte, die sie dann und wann besuchen. Sie besitzen dort auch noch einen kleinen Bauernhof mit Walnuss-Plantage, um den sie sich kümmern müssen. Sie haben Freunde, die es nicht geschafft haben, dem Reich zu entfliehen, das der ehemalige US-Präsident Bush als Teil der „Achse des Bösen“ beschrieben hat.

Die Wedeler Familie eint ihr Wunsch mit Hunderttausenden Iranerinnen und Iranern im Ausland und mit Millionen im Iran selbst: „Das Mullah-Regime muss weg, denn es begeht Massenmord an seiner eigenen Bevölkerung!“

Schreckliche Nachrichten aus dem Iran

Diese Erkenntnis haben sie durch persönliche Berichte übers Internet, die oft spärlich sind, weil die Regime-Helfer diese Kommunikationswege einschränken. Und durch Exil-Medien von Iranern, die viel dichter am Geschehen dran sind als ARD, ZDF & Co. Dort erfahren sie von Eltern, die einen Leichensack nach dem anderen öffnen müssen, um vielleicht ihre Kinder wiederzufinden. Und die dann entweder bestätigen müssten, dass ihre bei den Demonstrationen umgekommenen Söhne und Töchter systemfreundlichen Kräften angehören, damit diese als Opfer auf Seiten des Staates ausgegeben werden können. Oder sie müssen „Kugelgeld“ zahlen, bevor sie die Leichen ihrer Lieben für eine Bestattung freibekommen.

Die Wedeler Familie erzählte von Wassernot, hungernden Kindern, Schüsse aus Maschinengewehren auf Demonstranten, schikanösen Kontrollen und  Korruption allerorten – während die Mullahs und ihre Angehörigen nach wie vor in Saus und Braus lebten. Die iranischen Wedeler berichteten davon, dass es nicht einmal möglich ist, das Land zu verlassen, ohne sein Hab und Gut komplett aufzugeben, weil bei einem Verkauf keine Chance besteht, das erhaltene Geld legal auszuführen. Ein mit einer Iranerin verheirateter deutscher Wedeler, der jahrelang dort lebte, um Infrastruktur aufzubauen, traut sich nicht, seine Angehörigen zu besuchen, weil er Angst hat, als Farsi-sprechender Deutscher kurzerhand als Spion verdächtigt und ins Gefängnis geworfen zu werden.

„Wir möchten Frieden“

„Wir möchten, dass dort endlich wieder Frieden einzieht, was aber nur gehen wird, wenn das Regime stürzt“, sagten sie. „Um vielleicht ein wenig dazu beizutragen, möchten wir möglichst viele Menschen in Deutschland über die Verhältnisse aufklären. Wir haben uns auch schon an den Bundeskanzler gewandt, engagieren uns mit Petitionen und demonstrieren. Denn wir möchten, dass die Iraner genauso frei leben können wie die Menschen in Deutschland. Wir wünschen uns, dass Deutschland die politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Regime abbaut, das für Massenmord am eigenen Volk verantwortlich ist“, sagte die Wedeler Familie einmütig.

Sie hoffen darauf, dass Amerika endlich mit dem Spuk ein Ende macht – notfalls mit Gewalt: „Was haben wir zu verlieren? Unsere Leute gehen zum Demonstrieren, selbst mit der Aussicht, möglicherweise umgebracht zu werden. Denn den Tod sehen sie nicht als schlimmer an als ein weiteres Leben unter den Mullahs.“ Sie setzen auch Hoffnungen in Reza Pahlavi, den im Exil lebenden Thronfolger des 1979 gestürzten Schahs. „Er könnte eine einigende Figur sein, die das Land wieder zu Demokratie und Freiheit führt“, sagten sie.

Sie gaben zu, dass der Vater des jetzigen Hoffnungsträgers ebenfalls seine Schattenseiten hatte, aber sie glauben, der Sohn habe daraus gelernt. „Wir wollen natürlich auch keine absolutistische Monarchie, er soll uns nur zu Wahlen führen und einer Versammlung, die darüber befindet, auf welche Art der Iran künfig demokratisch gestaltet werden soll.“ Von der Bundesrepublik wünschen sie sich, dass sie „endlich alle politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Regime abbaut“, um den Wandel zur Freiheit zu fördern.

Bericht an den Abgeordneten

All dies berichtete die Wedeler Familie dem CDU-Bundestagsabgeordneten für den Kreis Pinneberg, Daniel Kölbl. Er zeigte sich „tief erschüttert“ von den Nachrichten. „Wir Politiker werden natürlich auch vom Auswärtigen Amt über Geschehnisse auf dem Laufenden gehalten. Doch es ist noch einmal ganz etwas anderes, direkt von den betroffenen Menschen Erlebnisse und Berichte zu hören“, sagte er. Um zu zeigen, dass Deutschland die Entwicklung im Iran aufmerksam verfolgt und sich um die von dort geflüchteten Menschen kümmert, hatte der Bundestagsabgeordnete den Besuchstermin bei der Familie organisiert.

Das Fazit des Bundestagsabgeordneten Kölbl: „Wir müssen den Druck auf den Iran hoch halten und unter anderem Schlupflöcher bei Sanktionen schließen. Ich werde dem Außenminister von ihren Sorgen berichten“, sagte er. Zum Chef des Außenamtes habe der Kreis Pinneberger Abgeordnete einen kurzen Draht, denn auch er zähle zur Gruppe der schleswig-holsteinischen Bundestagsmitglieder, die sich regelmäßig zum persönlichen Austausch trifft.

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