„Bitte schließen Sie auch den Schuppen ab!“
Unterwegs mit der Einbruchspräventionsstreife der Polizei in Wedel
23. Januar 2026
Wolf-Robert Danehl

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Das Einbruchspräventionsteam vor dem Einsatz
In der dunklen Jahreszeit ist erfahrungsgemäß auch die Gefahr von Einbrüchen hoch – doch die Wedeler Polizei ist vorbereitet. Ihre Präventionsstreifen setzen auf vorbeugende Präsenz und klärende Gespräche, bevor es zu Schadensfällen kommt.

Polizeiobermeisterin Caroline May und Polizeikommissar Niklas Nebendahl vom Wedeler Polizeirevier waren in der Rolandstadt unterwegs.
Ein kalter, klarer Wintertag über der Moorwegsiedlung in Wedel. Die Sonne steht tief, der Frost glitzert auf den Hecken. Polizeiobermeisterin Caroline May und Polizeikommissar Niklas Nebendahl ziehen ihre Jacken enger, als sie den ersten Gartenzaun öffnen. Eine Streife der anderen Art ist an diesem Vormittag unterwegs – keine Fahndung nach Tätern, sondern nach Nachlässigkeiten.
Rund vier Stunden lang sind die beiden Polizistinnen und Polizisten der Schutzpolizei im Stadtgebiet unterwegs, um Bürgerinnen und Bürger auf Schwachstellen rund ums Haus aufmerksam zu machen. Es ist eine Routine, die sie seit inzwischen 2011 jeden Winter durchführen – wenn es früh dunkel wird und Einbrecher Hochsaison haben.
Kleine Nachlässigkeiten, großes Risiko
Schon an der ersten Ecke finden May und Nebendahl, was sie suchen: Ein Schlüssel steckt im Schuppentor. Dahinter drängen sich Rasenmäher, Werkzeug, Fahrräder – ungesichert und leicht zugänglich. Die Beamten klingeln, aber niemand öffnet. So kleben sie einen Informationszettel auf den Briefkasten und legen Infomaterial hinein.

Ein gekipptes Fenster im Erdgeschoss ist eine Einladung für Einbrecher.
Ein paar Häuser weiter stoßen sie auf eine Anwohnerin und kommen schnell ins Gespräch. Doris von Appen ist überrascht, als sie die Hinweise der Beamten hört, und zugleich dankbar. „Wir haben eigentlich schon einiges gesichert, aber so genau schaut man im Alltag eben doch nicht hin“, sagt sie. In der Nachbarschaft habe es bereits mehrere Einbrüche gegeben – zuletzt seien Täter sogar über gekippte Dachfenster eingestiegen.
Nicht weit entfernt bleibt die Streife vor einem anderen Haus stehen. Hier wohnt Renate Lüders, die noch sichtlich bewegt ist: „Gerade wurde bei uns zum zweiten Mal eingebrochen – und das am helllichten Tag. Ich bin noch immer schockiert“, sagt die ältere Dame. „Wir müssen hier in der Nachbarschaft mehr aufeinander achten, und ich werde zusätzliche Sicherungen einbauen lassen.“

Aufklärung an der Haustür: Caroline May im Gespräch mit Nikolaus Tschechine.
Ein paar Straßen weiter spricht Nikolaus Tschechine mit den Polizisten. Der Familienvater lebt seit einigen Jahren in der Siedlung. „Wir sind auch hierhergezogen, weil unsere Kinder miteinander spielen können und sich frei bewegen dürfen. Da steht die Tür auch mal offen und ein Fahrrad ist nicht abgeschlossen“, erzählt er. „Was aber hilfreich wäre, ist eine Beleuchtung der dunklen Wege – vor allem Richtung Feld. Da gab es früher schon einmal Lampen, die dann aber entfernt wurden. Außerdem geben regelmäßige Kontrollfahrten der Polizei ein größeres Sicherheitsgefühl und schrecken Einbrecher ab.“
Der Polizist Niklas Nebendahl nickt und ergänzt: „Das sind ganz typische Beobachtungen. Sicherheit entsteht nicht allein durch Technik, sondern auch durch Präsenz und Achtsamkeit.“
„Die Täter kommen meist gut vorbereitet“
An der nächsten Station erzählt ein Hausbesitzer, dass Unbekannte vor drei Jahren versucht hatten, über die Terrasse einzubrechen – vergeblich. Zusätzliche Aluprofile und Sicherungen verhinderten Schlimmeres. Genau darum geht es an diesem Tag: Schwachpunkte erkennen, bevor es zu spät ist.

Viele ungesicherte Fahrräder fand auch Polizeikommissar Niklas Nebendahl vor.
„Viele unterschätzen, wie professionell Einbrecher heute vorgehen“, erklärt Polizeiobermeisterin May. „Die Tätergruppen sind organisiert, oft reisend und kommen gezielt in ruhig gelegene Wohngebiete mit Einfamilien- oder Reihenhäusern.“ Besonders beliebt seien gut zu erreichende, rückwärtige Bereiche eines Grundstücks – möglichst sichtgeschützt und mit guten Fluchtwegen.
Die Beute? Meist leicht transportable Wertgegenstände: Schmuck, Uhren, Laptops, Gold, Bargeld. „Alles, was man schnell einstecken und leicht zu Geld machen kann“, sagt Nebendahl.
Die Zahlen und ihre Bedeutung
Zwar blieb die bundesweite Zahl der erfassten Wohnungseinbruchdiebstähle 2024 laut Polizei auf stabilem Niveau – sie stieg lediglich um 0,8 Prozent auf 78.436 Fälle (2023: 77.819). Doch das Schadensvolumen wächst: Versicherer schätzen den Gesamtschaden inzwischen auf rund 350 Millionen Euro – ein Plus von 20 Millionen. Der durchschnittliche Schaden je Fall liegt bei 3.800 Euro, so hoch wie nie.
„Man sieht: Die Täter suchen gezielt hochwertige Objekte aus“, sagt Polizeihauptmeister Daniel Staak vom Revier Wedel. „Die Aufklärungsrate ist leider nicht hoch – einerseits, weil die Täter überregional agieren, andererseits, weil oft schon kleine Nachlässigkeiten die Tat begünstigen.“
Aufmerksame Nachbarn sind der beste Schutz
Für Staak ist klar: „Wir können leider nicht überall sein. So viel Personal haben wir einfach nicht zur Verfügung“, sagt er offen. „Die Polizei empfiehlt grundsätzlich, eine gute Nachbarschaft zu pflegen. Wenn einer auf den anderen achtet und Veränderungen oder verdächtige Beobachtungen niedrigschwellig gemeldet werden, können Taten aufgeklärt oder bestenfalls sogar verhindert werden.“

Viele Wedeler waren dankbar für die Informationen Präventionsstreifen. Hier: Heide (v. links) und Wolfgang Maack umrahmt von den Polizeibeamten.
Er betont außerdem: „Wir raten dazu, sich von Fachfirmen im Bereich Gebäudeabsicherung beraten zu lassen. Sicherheit kostet Geld, das sinnvoll investiert sein will.“ Parallel dazu setze das Revier auf präventive Aktionen – „etwa Informationsstände in Einkaufspassagen, Flyer zum Einbruchschutz und Aufklärungsgespräche. Und unsere regelmäßigen Präventionsstreifen sind ein wichtiges Element unserer Abschreckungsstrategie.“
Am Nachmittag ziehen May und Nebendahl Bilanz: 11 gekippte Fenster, 10 ungesicherte Leitern, 23 unverschlossene Fahrräder, 4 offene Garagen, 6 unverschlossene Schuppen – und 31 Bürgergespräche. Die Zahlen zeigen, wie viel Aufklärungsarbeit nötig bleibt.
„Die beste Alarmanlage ist immer noch eine aufmerksame Nachbarschaft“, sagt Staak. „Wenn jeder hinsieht, Türen und Fenster auch tagsüber verriegelt und fremde Fahrzeuge nicht ignoriert, ist viel gewonnen.“
So endet ein Streifentag, der verdeutlicht: Prävention ist mehr als Routine – sie bedeutet Vertrauen, Achtsamkeit und Gemeinschaftssinn in einer Jahreszeit, die für Einbrecher besonders einladend ist.
Übrigens: Für Fragen von Bürgerinnen und Bürger stehen die Beamten natürlioch nicht nur auf Streife parat – sie freuen sich auch, sobald jemand auf dem Revier vorbeischaut, um Informationen abzufordern. (Wolf-Robert Danehl)







