Bis zu 168.000 Euro für Fitness der Verwaltungs­mitarbeiter?

Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto möchte Zuschüsse aus Steuergeldern für Mitarbeiter-Sport bekommen.

Published9. Mai 2026

AuthorJörg Frenzel

Fitnessstudio(1)

Wer rastet, der rostet: Für Fitnessstudios sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung künftig 35 Euro im Monat bekommen- wenn es nach der Verwaltung geht. Foto: Frenzel

Für eine Mini-Diskussion, aber für zunächst keine Abstimmung sorgte auf der jüngsten Ratsversammlung eine Beschlussvorlage von Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto (CDU) zur „Einführung von Firmenfitness“. Danach sollen „die Mitarbeitenden der Stadt Wedel an einem bezuschussten Firmenfitnessprogramm (bis zu 35 Euro/monatlich) teilnehmen können“.

Die Begründung: „Für die Stadt Wedel bleibt es schwierig, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. Und es besteht eine Konkurrenzsituation mit anderen Kommunen im Kreis. Firmenfitnessangebote werden z.B. auch vom Kreis Pinneberg bzw. der Stadt Pinneberg zur Verfügung gestellt“, heißt es in der Vorlage. Und dazu das (Hilfs-)Argument: „Hinzu kommt dabei auch ein gesundheitsfördernder Aspekt. Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Firmenfitnessprogramme Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden steigern. Krankheitstage sinken, und das führt am Ende auch zu Kosteneinsparungen. Das wiederum würde dann auch zur Entlastung von Mitarbeitenden führen.“

Geld aus nicht ausgeschöpften Mitteln

Zur Finanzierung soll nach Ansicht der Verwaltung auf bereits bewilligte, aber nicht ausgeschöpfte Mittel im Rahmen freiwilliger Leistungen fürs Personal von Rathaus und Außenstellen zurückgegriffen werden. „Am 06.04.2023 hatte der Rat der Einführung des Mobilitätszuschlages zugestimmt. Seinerzeit wurden 160.000,– €/Jahr zur Verfügung gestellt. Aufgrund von tariflichen und gesetzlichen Bestimmungen konnte diese Regelung nur noch eingeschränkt angewendet werden. Aktuell nehmen 98 Mitarbeitende den Mobilitätszuschlag in Anspruch. Insgesamt werden also nur 35.280,–€/Jahr ausgeschöpft. Die verbleibenden Haushaltsmittel sollen dann für das Jobrad und Firmenfitness verwendet werden, wobei verwaltungsseitig davon ausgegangen wird, dass die Mittel nicht vollumfänglich ausgeschöpft werden“, steht im Antrag.

Demnach wären also 160.000 Euro minus 35.280 Euro gleich 124.720 Euro noch in einem alten Topf. In dem extremen Fall, dass alle Mitarbeitenden das Angebot annähmen, wären aber für (mindestens) 400 (Mitarbeitende) mal 35 (Euro) mal 12 (Monate) insgesamt 168.000 Euro pro Jahr nur für Fitness zu zahlen. Hinzu kämen 35.280 Euro für die Mitarbeiter, die jetzt schon den Mobilitätszuschlag in Anspruch nehmen. Summa summarum  ergäbe das 203.280 Euro und damit mehr als 40.000 Euro mehr, als der Haushaltsansatz von 2023 vorsah. In ihrer Vorlage erklärt die Verwaltung allerdings, sie werde „den Rahmen so gestalten, dass die zur Verfügung  gestellten Mittel nicht überschritten werden“. Wie sie das bewerkstelligen will, erklärte die Verwaltung allerdings nicht.

CDU hat noch Beratungsbedarf

Auf Antrag der CDU wurde ein Beschluss über diesen Antrag verschoben. Die Begründung: Man sei  zur Beratung in der Fraktion bislang aus zeitlichen Gründen nicht gekommen. Wie Wedel-Klartext aus mehreren Quellen erfuhr, ist man sich jedoch in der Fraktion nicht einig, ob in der derzeitigen Finanzsituation den Rathaus-Mitarbeitenden freiwillige Leistungen gewährt werden sollten oder ob das nicht ausgegebene Geld nicht anderswo besser aufgehoben wäre.

In anderen politischen Lagern sind grobe Richtungen zu erkennen. Dagmar Süß (Grüne) beurteilte den Fitness-Plan als „positives Signal“ gegenüber den Mitarbeitenden, Gerrit Baars (SPD) erinnerte an die „direkte Konkurrenz“ um Personal durch andere Verwaltungen. Angela Drewes (WSI) sah das Vorhaben vor dem Hintergrund der Finanzmisere jedoch eher kritisch. Die große Diskussion samt Abstimmung wird allerdings noch erwartet, sobald sich die CDU-Fraktion ihre Meinung gebildet hat.

Lesen Sie auch den Kommentar: „Raus aus der Schlossallee“

 

 

 

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