Bahnhofstraße: Baupläne der Sparkasse in der Kritik
WSI-Fraktion lehnt Bauturbo für Projekt auf dem Postareal ab - vor allem, weil keine Sozialwohnungen entstehen sollen.
6. Mai 2026
Uwe Heitmann

Stadtsparkassen-Plan Post
So stellt sich die Stadtsparkasse ihren Neubau auf dem alten Postgelände vor. © Stadtsparkasse Wedel / Feldsien Architekt PartG mbh
Gegenwind für die Stadtsparkasse: Als erste Ratsfraktion hat die Wedeler Soziale Initiative (WSI) eine offizielle Stellungnahme zu den Bauturbo-Plänen des Kreditinstituts auf dem Postareal an der Bahnhofstraße abgegeben – und lehnt diese vehement ab. Vor allem der Verzicht auf die Realisierung von Sozialwohnungen stößt der WSI sauer auf. Das widerspreche dem Ratsbeschluss, wonach Investoren bei Bauvorhaben dieser Größenordnung mindestens 30 Prozent geförderten Wohnraum zu erstellen haben. Man sei „mehr als irritiert darüber, wie die Stadtsparkasse Wedel als Anstalt öffentlichen Rechts“ mit dieser Vorgabe umgehe und werde dem Vorhaben in dieser Form nicht zustimmen, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion.
Ihre Pläne hatten Vertreter des Kreditinstituts in der jüngsten Sitzung des städtischen Planungsausschusses vorgestellt. Die Sparkasse hat das Postbank-Grundstück demnach im vergangenen Jahr gekauft und will dort einen großen Neubau errichten, in dem hauptsächlich Wohnungen entstehen sollen. Der Vorbesitzer hatte zunächst eine dreigeschossige Bauweise plus Staffelgeschoss und Tiefgarage geplant – und dafür bereits einen Bauvorbescheid der Verwaltung erhalten. Die Sparkasse möchte mit ihrer Tochter S-Immobilien GmbH nun noch ein Stockwerk draufsetzen und die Anzahl der Wohnungen auf 51 erhöhen. Möglich machen soll diese Erweiterung das neue Beschleunigungsgesetz der Bundesregierung – der Bauturbo.
„Baukörper passt sich nicht in die Umgebung ein“
Schon im Ausschuss war Kritik daran laut geworden, dass die Sparkasse bei dem Projekt auf die Errichtung von Sozialwohnungen verzichten will. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass die Fördertöpfe landesweit aktuell schon leer seien. Außerdem gibt es keinen Bebauungsplan, so dass der Wedeler Beschluss für die verbindliche Schaffung von gefördertem Wohnraum für das Projekt nicht zwingend greift. Das Gebäude muss nur nach dem „Einfügungsgebot“ realisiert werden.
Unter anderem dagegen hat die WSI allerdings erhebliche Bedenken, weil sich der Baukörper „eben nicht in die Umgebung einpasst“, wie die Fraktion befindet. Es liege ein Schreiben von Nachbarn unter anderem aus dem Eichendorffweg vor, deren Sorgen wegen der Höhe und der Gesamtgröße des Bauvorhabens – und um die Gesundheit der Platanen in der Straße – man teile. Auch aus diesem Grund sei die Anwendung des Bauturbos ausgeschlossen, da das Projekt den „baulich vorgefundenen Rahmen“ deutlich überschreite und eventuell gegen die Baumschutzsatzung verstoße, heißt es in der Mitteilung.
„Die Sparkasse sollte kein schlechtes Beispiel abgeben“
Insbesondere aber die Absage an Sozialwohnungen empört die WSI. Gerade die Stadtsparkasse als öffentliche Anstalt sollte in diesem Punkt „kein präjudizierendes schlechtes Beispiel abgeben“, betont Fraktionschefin Angela Drewes. „Das geht gar nicht – das wäre ein ganz schlechtes Zeichen“, sagte sie im Gespräch mit Wedel-Klartext. Sie verwies darauf, dass es 2027 wieder neue Fördertöpfe geben werde. Auch das Argument, dass das Vorhaben der Sparkasse gar nicht unter den Sozialwohnungs-Ratsbeschluss falle, da drei Stockwerke plus Staffelgeschoss schon genehmigt seien und das Kreditinstitut nur für die vierte Etage den Bauturbo anwenden möchte, „ist aus unserer Sicht mehr als fragwürdig“. Dann seien die Wedeler Leitlinien für den Bauturbo nicht mit dem Ratsbeschluss zum Sozialwohnungsbau vereinbar – und müssten nachgebessert werden.
Auch die Darstellung der Sparkasse, dass das Projekt mit der geplanten Fassade und der vorgesehenen Barrierefreiheit im Rahmen der Richtlinien nicht förderfähig sei, lässt sie nicht gelten. Man könne auch bei sozialem Wohnungsbau durchaus barrierefrei und mit anderen Fassadengestaltungen bauen. Drewes: „Sollte die Stadtsparkasse diesbezüglich Expertise benötigen, kann sie sich sicher an das Wedeler Bauunternehmen Rehder wenden. Dieses Unternehmen realisiert bei seinem Bauprojekt im Hogschlag gerade größtenteils barrierefreies Wohnen bei einer Quote von mehr als 30 Prozent sozial gefördertem Wohnraum.“ Daher fordere man die Sparkasse auf, „ihrem Vorbild als öffentliche Anstalt gerecht zu werden“.
SPD und Grüne müssen sich noch abstimmen
Das Bauvorhaben der Sparkasse steht wieder auf der Tagesordnung, wenn sich der Planungsausschuss des Rates am kommenden Dienstag (18.30 Uhr, Rathaus) zu seiner nächsten öffentlichen Sitzung trifft. Während CDU und FDP bereits grundsätzlich Zustimmung signalisiert haben, wollen SPD und Grüne sich intern noch abstimmen. Aktuell gebe es dazu noch kein Ergebnis, erklärten beide Fraktionen auf Nachfrage von Wedel-Klartext. Die Linke hat ihre Position bereits abgesteckt. Ihr Ratsherr Detlef Murphy: „Wir erwarten von der Stadtsparkasse, dass sie einen 30%igen Anteil an Sozialwohnungen baut. Als eng mit der Stadt Wedel verbundene Sparkasse sollte sie in der Hinsicht Vorbild, nicht schlechtes Beispiel sein.“






