Ausschreibung für Schul-Essen mit bitterem Beigeschmack

Verein "Futtertied" droht das Aus - Fachanwalt eingeschaltet - Krisensitzung mit Mitarbeitern

Published26. September 2026

AuthorJörg Frenzel

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Die "Futtertied"-Mahlzeiten sehen deutlich ansprechender aus als die Präsentation auf diesem Symbolfoto: Foto: Dee/Pixabay

Dem Wedeler Verein „Futtertied e.V“, der seit 20 Jahren Wedeler Schulkinder und Jugendliche beköstigt, droht das Ende. Grund dafür ist, dass seine Bewerbung von der Stadtverwaltung nicht gewertet wird und er aus dem weiteren Verfahren herausflog. In einer Krisensitzung am gestrigen Freitag wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Vereinsvorstand über den dramatischen Stand der Dinge informiert. Den rund 20 Beschäftigten droht der Verlust des Arbeitsplatzes.

Wie Wedel-Klartet aus Mitarbeiterkreisen erfuhr, soll die Stadt Informationen des Vereins im Bewerbungsverfahren bemängelt haben. Der Verein sieht das offensichtlich völlig anders. Er hat das Verfahren und die städtische Entscheidung gerügt und einen Fachanwalt für Vergaberecht eingeschaltet, der jetzt gegen die Stadt vorgeht. Auf Anfrage von Wedel-Klartext beim Vereinsvorsitzenden Jochen Stoewahse lehnte der jeden Kommentar mit Hinweis auf das laufende Verfahren ab, bestätigte jedoch, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert zu haben.
Während vier professionelle Wettbewerber von Firmen jetzt für Eltern probekochen dürfen, ist es dem Team des aus einer Elterninitiative hervorgegangenen Vereins „Futtertied“ nicht erlaubt, sein Können an den Kochtöpfen zu präsentieren.

„Futtertied“ an mehreren Schulen im Einsatz

Und eben dieses Können war jahrelang wohl geschätzt – auch ohne Ausschreibungen. Weg von Großküchen-Nahrung mit industriellem Charakter – hin zu frisch gekochten Speisen vor Ort. Das war das Ansinnen der Eltern, die den Verein in 2006 an der Gebrüder-Humboldt-Schule gegründet hatten. „Der Zweck des Vereins ist die Förderung der Erziehung, der Jugendhilfe und des öffentlichen Gesundheitswesens. Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch den Betrieb von Mensen als Teil der schulischen Infrastruktur zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen, sowie Lehrern und Betreuern in Schulen und entsprechenden Einrichtungen in der Stadt Wedel und im Umkreis, mit der besonderen Zielsetzung einer gesundheitspräventiven Ernährung“, heißt es in der Satzung.

Diese kulinarische Versorgung klappte dort so prima, dass die Stadt den Verein auch an anderen Schulen mehr und mehr mit Aufgaben betraute – und dabei in der Vergangenheit mehrfach auf Ausschreibungen verzichtete: Ernst-Barlach-Schule 2023 und Johann-Rist-Gymnasium 2024. Dort hatte der damalige Mensa-Betreiber hingeschmissen, und „Futtertied“ hatte der Stadt aus der Patsche geholfen, um nicht komplett ohne Versorgung dazustehen. 2024 übernahm „Futtertied“ auch die Beköstigung der Kinder an der Albert-Schweitzer-Schule.

„Sicherstellung der Versorgung“

Auf Wedel-Klartext-Anfrage, warum nicht schon damals ausgeschrieben wurde, antwortete die Stadt: „Die Organisation der Mittagsverpflegung war in den vergangenen Jahren durch unterschiedliche Rahmenbedingungen und einen teilweise kurzfristig entstehenden Bedarf geprägt. Insbesondere bei kurzfristig erforderlichen Lösungen zur Sicherstellung der Versorgung musste in einzelnen Fällen zeitnah auf bestehende bzw. verfügbare Angebote zurückgegriffen werden. Detailfragen zu weit zurückliegenden Vergabeverfahren können nicht vollumfänglich nachvollzogen werden, da die damals zuständigen Mitarbeiter nicht mehr in der Stadtverwaltung arbeiten.“

Bei „bäkurzfristig erforderlichen Lösungen zur Sicherstellung der Versorgung“ war „Futtertied“ der Stadt offenbar gut genug gewesen. Auch bei anderen städtischen Veranstaltungen wie Wedel@Business buchte das Rathaus „Futtertied“. Weitere Institutionen waren ebenfalls zufrieden. Beispielsweise, wenn das „Futtertied“-Team beim Rolandpokal der Wedeler DLRG  für Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland  für notwendige Kalorienzufuhr nach dem Wettkampf sorgte, oder wenn die Konzerte der Wedeler Musiktage kulinarisch abgerundet werden sollten.

Das alles spielte nun beim Vorgehen der Stadt offenbar ebenso wenig eine Rolle wie die Tatsache, dass es sich bei „Futtertied“ um eine Institution aus Wedel handelt, die das Einkommen aus ihren städtischen Aufträgen zumindest teilweise durch Steuern wieder zurückzahlt.

Wedel-Klartext fragte die Stadtverwaltung unter anderem nach einer Bestätigung des „Futtertied“-Ausschlusses aus dem weiteren Verfahren und konkreten Gründen dafür. Die Stellungnahme der Stadt: „Aufgrund des laufenden Verfahrens können wir Ihnen hierzu leider keine Angaben machen. Sobald das Vergabeverfahren abgeschlossen ist, wird öffentlich im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Wedel über die Vergabe berichtet.“

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