Am Hörer, an der Tür, im Netz: Polizei Wedel warnt Senioren vor Betrug

Mit betrügerischen Anrufen, falschen Handwerkern, Trickdieben und immer raffinierteren Maschen im Internet haben Kriminelle vor allem ältere Menschen im Visier. Bei einer Informationsveranstaltung zeigte Polizeihauptmeister Daniel Staak, wie man sich mit Aufmerksamkeit, gesunder Skepsis und klaren Regeln wirksam schützen kann.

Published5. Mai 2026

AuthorWolf-Robert Danehl

Polizeihauptmeister Daniel Staak steht gestikulierend vor einer sitzenden Gruppe von Senioren und berichtet über die Betrugsmaschen von Tätern.

PolizeivortragStaakKursana_danehl(16)

Anschaulich und lebendig referierte Polizeihauptmeister Daniel Staak vom Wedeler Revier im Kursana-Saal über die Betrugsmaschen von Tätern zum Nachteil älterer Menschen. (Fotos: Danehl)

„Oma, ich bin’s – bitte hilf mir.“ Es ist dieser eine Satz, der aus einem normalen Vormittag binnen Sekunden einen Albtraum machen kann. Was wie die Stimme des Enkels klingt, ist in Wahrheit oft der Auftakt zu einem perfiden Betrug: Der sogenannte Schockanruf setzt auf Angst, Zeitdruck und emotionale Überrumpelung.

So oder ähnlich laufen täglich Betrugsversuche ab, auch im Raum Wedel. Laut der Wedeler Polizei gehen derzeit bis zu acht Anrufe pro Woche ein, in denen Betroffene von solchen Vorfällen berichten und/oder sich beraten lassen möchten. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, weil sich viele Opfer aus Schamgefühl nicht melden.

Polizeihauptmeister Daniel Staak rät deshalb zu einem einfachen Grundsatz: auflegen, durchatmen, Angehörige oder die echte Polizei unter 110 beziehungsweise das Revier unter 04103 – 50 18 – 0 anrufen. Denn weder Polizei noch Staatsanwaltschaft würden am Telefon Bargeld verlangen.

Mit vielen Beispielen verdeutlichte Polizeihauptmeister Daniel Staak die verschiedenen Gefahren für ältere Menschen.

Prävention für ältere Menschen

55 interessierte Seniorinnen und Senioren waren in die Kursana Residenz gekommen, um den Vortrag „Straftaten zum Nachteil lebensälterer Personen“ zu hören. Das Polizeirevier Wedel setzt seit Jahren auf Aufklärung, Sichtbarkeit und persönliche Beratung, um Betrug möglichst schon im Ansatz zu verhindern.

Der Saal war voll: 55 Seniorinnen und Senioren waren gekommen, um sich den Sicherheitsvortrag anzuhören.

Der Saal war voll: 55 Seniorinnen und Senioren waren gekommen, um sich den Sicherheitsvortrag anzuhören.

Staak machte deutlich, warum gerade ältere Menschen häufig im Fokus von Tätern stehen: Viele verfügen über Vermögen, begegnen anderen mit großer Hilfsbereitschaft und unterschätzen mitunter die Raffinesse moderner Betrugsmaschen. Genau diese Mischung nutzen Kriminelle gezielt aus.

Der Enkeltrick bleibt modern

Der klassische Enkeltrick lebt weiter, nur die Verpackung hat sich verändert. Heute kommt die vermeintliche Notlage oft per WhatsApp oder Nachricht: Eine Tochter, ein Enkel oder ein anderer naher Angehöriger bittet plötzlich dringend um Geld, etwa für eine Rechnung, einen Handyvertrag oder eine angebliche Notlage.

Die Folgen sind oft verheerend. Für Deutschland wurde für 2023 laut der Landeskriminalämter ein Gesamtschaden von rund 117 Millionen Euro angegeben. Staaks Rat bleibt schlicht und wirksam: keine vorschnellen Überweisungen, keine Geldübergabe per Chat und immer erst selbst zurückrufen, bevor man handelt.

Falsche Handwerker, echte Gefahr

Neben Telefonbetrug sind auch falsche Handwerker, angebliche Mitarbeiter von Energieversorgern oder sogar vermeintliche Polizeibeamte weiterhin ein Risiko. Ihr Ziel ist meist nicht die Reparatur, sondern der Zugang zur Wohnung. Besonders gefährlich wird es, wenn Täter zu zweit auftreten: Einer lenkt ab, der andere durchsucht Räume nach Wertsachen.

Der Hinweis der Polizei ist klar: Niemanden hereinlassen, den man nicht selbst bestellt hat oder dessen Ausweis nicht überprüft wurde.

Neue echte Polizeidienstausweise der Landespolizei haben das Landeswappen und den Polizeistern als Hoheitsabzeichen und über 20 Sicherheitsmerkmale

Neue echte Polizeidienstausweise der Landespolizei haben das Landeswappen und den Polizeistern als Hoheitsabzeichen und über 20 Sicherheitsmerkmale

Beispiele aus dem Alltag zeigen, wie schnell aus einer harmlos wirkenden Situation ein schwerer Schaden entstehen kann. Auch Wucher und überteuerte Haustürgeschäfte seien problematisch, wenn Menschen unter Druck gesetzt oder zu schnellen Unterschriften gedrängt werden.

Wenn Betrug ins Digitale wandert

Ein zusätzlicher Schwerpunkt des Vortrags war die Cyberkriminalität, die mit klassischen Betrugsmaschen eng verwandt ist. Der Polizeibeamte empfahl, Betriebssystem und Firewall regelmäßig zu aktualisieren, vermeintlich günstige Internetseiten vor einer Bestellung über Bewertungs- und Prüfsysteme zu kontrollieren und für Onlinezugänge wie PayPal eine Zwei-Wege-Authentifizierung einzurichten.

Ebenso wichtig sei es, sich zu merken, dass Unternehmen wie Microsoft, eBay oder Kleinanzeigen Privatpersonen nicht anrufen, um am Computer „etwas zu machen“. Passwörter, Bankdaten oder Zugangsdaten gehören grundsätzlich nicht herausgegeben. Auch bei angeblichen Gewinnen oder Erbschaften gilt: Keine Vorkasse leisten, denn dahinter steckt in der Regel Betrug. Vorsicht sei zudem bei digitalen Partnerbörsen, vor sogenannten Love-Scam-Angeboten auf Dating-Portalen und bei Onlinebanken oder Kreditinstituten geboten; gerade bei neueren Finanzanbietern sollten Zugänge und Identitäten besonders kritisch geprüft werden.

Und wenn sie sich überfordert fühlen, so holen sie sich Hilfe im Verwandten- oder Freundeskreis oder Beratungsstellen der Verbraucherzentralen.

Diebe nutzen den Moment

Zum Schluss lenkte Staak den Blick auf Taschendiebstahl. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gab es 2024 im Kreis Pinneberg 386 Fälle, davon 40 in Wedel. Betroffen waren unter anderem Bereiche in der Bahnhofstraße, der Rissener Landstraße, am Marienhof und in der Hans-Böckler-Straße.

Die Regel lautet: Geldbörsen nie offen in Taschen oder Einkaufswagen liegen lassen, Wertsachen körpernah tragen und Reißverschlüsse konsequent schließen. Oft reicht ein kurzer Moment der Ablenkung, damit Täter zuschlagen. Eine 85-jährige Wedelerin schildert, wie knapp sie selbst einem solchen Angriff entging: Ein Mann habe versucht, aus ihrer geöffneten Tasche im Rückenbereich Wertsachen zu ziehen, sie drehte sich jedoch rechtzeitig um und verscheuchte ihn damit.

Hilfe und Haltung

Am Ende blieb vor allem eine Botschaft: Misstrauen ist keine Unhöflichkeit, sondern eine Form von Selbstschutz. Staak bat die Zuhörerinnen und Zuhörer, das Gehörte an Nachbarn, Freunde und Angehörige weiterzugeben, damit Betrüger es schwerer haben.

Und wenn doch etwas passiert, steht auch der WEISSE RING bereit. Die Außenstelle Kreis Pinneberg unterstützt Opfer von Straftaten, telefonisch erreichbar unter 01515 5164637; bundesweit ist das Opfer-Telefon 116 006 kostenfrei und anonym erreichbar.

 

Dieser Bericht war informativ für Sie und hat Ihnen gefallen? Dann klicken Sie hier und unterstützen Sie Lokaljournalismus für Wedel und Umgebung.

ANZEIGE
ANZEIGE
Teilen Sie den Beitrag