13:58 Uhr – der Spuk ist vorbei
Update: Seit 14.02 Uhr können die Menschen in ihr Zuhause zurückkehren.
11. Januar 2026
Michael Rahn

Bombenentschaerfung-2026-Ytong-64
Zwar ist noch Sprengstoff drin – aber ohne Zünder ungefährlich. Die Einsatzkräfte sind erleichtert.
Sechs Stunden lang intensive Arbeit, dann war alles vorbei. Die amerikanische Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg, die auf dem ehemaligen Ytong-Gelände an der Industriestraße gefunden worden war, ist erfolgreich entschärft worden. Das meldete die Polizei des Landes Schleswig-Holstein gegen 14 Uhr. Bürgerinnen und Bürger, die ihre Wohnungen verlassen mussten, weil sie im Umkreis von 1000 Metern der Fundstelle lebten, konnten in ihr Zuhause zurückkehren.
- Gut zu sehen: Wo der vordere Aufschlagzünder war, steckte nach dessen Entfernung ein weißes Tuch.
- Kampfmittelräumer Mark Wernicke präsentierte die demontierten Zündketten.
Männer des Tages sind Mirko Haack und Mark Wernicke – die Entschärfer vom Kampfmittelräumdienst der Polizei Schleswig-Holstein. Verspätet nur hatten sie gegen 13 Uhr mit ihrer Arbeit beginnen können, denn der Schnee hatte die Evakuierung des Gebietes verlangsamt. Das DRK war mit 50, die DLRG mit 15 und die Feuerwehr mit 55 Personen im Einsatz. Gemeinsam mit städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmerten sie sich fürsorglich in der Gebrüder-Humboldt-Schule und der Ernst-Barlach-Schule um die Menschen.
Anwohnerin: „Nun warte ich, nützt ja kein Jammern!“
16 Freundliche Polizistinnen und Polizisten erklärten am Rande des Gebietes geduldig, warum man denn nun nicht weiterfahren dürfe. Die meisten betroffenen Bürgerinnen und Bürger nahmen das Geschehen geduldig an. Zum Beispiel Marianne Nebel, 90 Jahre, aus der Friedrich-Eggers-Straße Sie wohnt seit 17 Jahren in Wedel. „Meine Kinder konnten mich nicht abholen. So habe ich mich selbst auf den Weg gemacht. Infos standen auf dem Zettel, den ich an der Haustür hatte. Und nun warte ich, nützt ja kein Jammern!“
Schneeräumen im Einsatzgebiet war „nicht zu schaffen“
Aber es gab auch Bewohner des zu räumenden Gebietes, die genervt waren. Die Stadt hatte angekündigt, wegen des Bombenfundes auch die Seitenstraßen vom Schnee zu räumen, was ansonsten nicht üblich ist. Das klappte offenbar allerdings teils nicht so recht. Ein Betroffener: „Als ich mit dem Auto wegwollte, war das nichts mit geräumten Straßen.“ wedel-klartext sprach einen Bauhof-Mitarbeiter an: „Zum Glück waren es nicht wir, die die Ankündigung gemacht haben. Das konnte nicht funktionieren, das ist mit unseren 20 Mann, die seit Tagen im Einsatz sind, gar nicht zu schaffen.“
In Einsatzzentrum in der Feuerwache überwachten das Führungspersonal der Institutionen samt Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto das Geschehen. THW und Bauhof standen hier ebenfalls parat. Insgesamt waren rund 250 Einsatzkräfte aktiv.
„Es kommt immer auf den Zünder an“
Während sie warteten, widmeten sich Mirko Haack und Mark Wernicke dem stählernen Koloss aus düsteren Zeiten. Die 250-Kilobombe bestand vom Gewicht her etwa zur Häfte aus einem Stahlmantel, zur Hälfte aus Sprengstoff. Zwei Aufschlagzünder mussten ausgebaut werden. Mirko Haack „Es kommt immer auf den Zünder an. Das ist für mich entscheidend.“ Laut Mark Wernicke kann so eine Bombe nach Abwurf einen vier Meter tiefen und 15 Meter durchmessenden Krater verursachen. Aber das war nicht der entscheidende Punkt für die Evakuierung eines 1000 Meter durchmessenden Gebietes. Wernicke: „Geht bei der Entschärfung etwas schief und die Bombe explodiert, dass können die Stahlsplitter des geborstenen Mantels 1000 Meter weit fliegen und Menschen verletzen.“ Mark Wernicke hat sehr viel Erfahrung. Schon mehr als 100 Entschärfungen hat absoviert.
(Fotos: Frenzel/Danehl/Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein; Text: Rahn/Danehl/Frenzel)
- So sieht sie aus, die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe.
- Einer von zwei Zündern der 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe, die beim Angriff im Frühjahr 1943 nicht detonierte. Foto: Landespolizei Schleswig-Holstein
- Ein Taucher kümmerte sich um die in Wasser gesicherte Bombe.
- So sah der Tauchbehälter aus.
- Freundliche Damen der Stadtverwaltung kümmern sich um die Schutzsuchenden in der Ernst-Barlach-Schule.
- Familie Bouzidi gehörte zu den ersten in der Sammelstelle in der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule.
- Aus dem gesamten Kreis Pinneberg kamen die Helferinnen und Helfer des DRK.
- Wedels Feuerwehr war nicht nur an der Wache sondern auch an den Schulen präsent.
- Peter und Bärbel Clausen erfuhren eher zufällig, dass sie ihre Wohnung räumen mussten.
- Gute Stimmung im Krisenstab trotz Verzögerung wegen des Winterwetters.
- Erste Lagebesprechung in der Feuerwache am frühen Morgen.
- Freiwillige des DRK und der DLRG kommen zur Pause in der feuerwache zusammen.
- Auch die örtliche Polizei ist im Einsatz.
- Ohne gute Führung läuft nichts.
- Wedels Polizeichef Marcus Korsus zu Beginn eines eher hektischen Vormittags – er steht stellvertretend für seine freundlichen und geduldigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Straßen sperrten und Passanten geduldig die Lage erklärten.
























