„Wir brauchen die Teilzeit-Kräfte!“
Pflegeheim-Betreiber Florian Heuwer steuert Erfahrungen aus der Praxis zur politischen Diskussion bei
25. Februar 2026
Jörg Frenzel

MB Besuch Seniorenheim Heuwer Pflege Februar 2026 (18) – Kopie(1)
Florian Heuwer (links) und der Abgeordnete Martin Balasus gucken Karl "Kuddl" Schliecker beim Backen über die Schulter - je mehr Pflegepersonal es gibt, desto häufiger können den Seniorinnen und Senioren derartige Aktivitäten angeboten werden.
„Lifestyle-Teilzeit abschaffen“ – als Florian Heuwer in den Medien Berichte mit dieser Überschrift wahrnahm, läuteten bei dem Inhaber eines Senioren- und Pflegeheims in Wedel sofort die Alarmglocken. Er befürchtet, dass die Bundesregierung die Möglichkeiten von Teilzeit-Beschäftigung derart einschränken könnte, sodass der Betrieb seines Hauses vor unüberwindlichen Schwierigkeiten steht. Für ihn ist klar: „Wir brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teilzeit unbedingt!“
Von seinen rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten im Seniorenpflegeheim Heuwer (Anzeige) mit 20 Kräften etwa zwei Drittel in Teilzeit. „Das ist unverzichtbar, denn zum einen könnten wir nur mit Vollzeitkräften die Betreuungszeiten gar nicht abdecken und zum anderen wäre der Einsatz von ausschließlich Vollzeitpersonal schlichtweg nicht finanzierbar“, so Florian Heuwer.
Körperlich und psychisch herausfordernd
Wie er berichtete, haben seine Teilzeitbeschäftigten gute, nachvollziehbare Gründe dafür, nicht in Vollzeit zu arbeiten. Das reiche von der Betreuung von Kindern bis zu den schwindenden Kräften älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn Pflege sei ein harter Job: „Er kann zum einen körperlich sehr anstrengend sein, wenn die zu betreuenden Menschen beispielsweise im Bett umgelagert werden müssen.“ Und zum anderen kann auch eine psychisch extreme Belastung entstehen. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich geduldig und liebevoll um die Bewohnerinnen und Bewohner unseres Hauses. Das ist bei beispielsweise bei an Demenz erkrankten Menschen oft sehr herausfordernd. Natürlich ist allen im Team klar, dass die Erkrankten nichts für ihr Verhalten können. Aber es ist halt sehr belastend und weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine sehr persönliche und nicht nur distanziert-professionelle Beziehung zu diesen Menschen haben, lässt nimmt sie ein schwieriges Verhalten natürlich nicht kalt“, berichtete Florian Heuwer.

Vor dem Personal-Tableau: Verwaltungsleiter Tino Dlugosz (von links), Pflegedienstleisterin Kirsten Heuwer und Einrichtungsleiter Florian Heuwer erläuterten dem CDU-MdL wie gutes Personal,management funktioniert.
Florian Heuwer, seine Frau und Pflegedienstleiterin Kirsten Heuwer und Verwaltungsleiter Tino Dlugosz sind sich einig: „Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das A und O!“ Deshalb versuchen sie alles, ihnen das Arbeitsleben so gut wie möglich zu erleichtern. „Dienstpläne werden gemeinsam besprochen und im Einvernehmen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kraft gesetzt“, so Florian Heuwer, „und Transparenz ist dabei sehr wichtig. Wenn es einen Personalengpass beispielsweise durch Erkrankungen gibt, stellen wir unsere Ideen vor, diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Und wir geben zu, wenn uns keine Lösung einfällt. Um Härten zu verhindern, fragen wir dann auch das Team, ob es eine Lösung hat, auf die wir vielleicht nicht gekommen sind.“
Bonus-Pizza für die Wochenend-Schicht
Eine Idee aus dem Hause Heuwer machte da bereits bundesweit Schlagzeilen: Um die Wochenenddienste für das Personal zu vermindern, stellte das Pflegeheim an Wochenende auf 12-Stunden-Schichten um. Das hat zur Folge, dass nicht so viele unterschiedliche Kräfte an Wochenenden eingesetzt werden müssen, sondern sich in ihrer Freizeit erholen können. Von allen wird da eine längere Schicht akzeptiert, sobald sie dann doch an Wochenenden eingeteilt werden. Florian Heuwer: „Und als kleines Trostpflaster gibt es fürs Wochenend-Personal gratis Pizza – das hat sich mittlerweile zum willkommenen Ritual entwickelt.
Um die Lage in der Praxis auch in die Kreise der Entscheider einfließen zu lassen, hatte Florian Heuwer den Landtagsabgeordneten Martin Balasus (CDU) zu Besuch. Er äußerte Verständnis für die Sorgen, die durch die aktuelle Teilzeit-Diskussion entstanden waren. „Leider rauschen oft stark verkürzte oder fehlerhafte Informationen durch den Blätterwald. Der vom CDU-Wirtschaftsflügel gemachte Vorschlag zur Reform der Teilzeitarbeit wurde nicht vollständig und irreführend dargestellt. Natürlich müssen und werden Lebenssituationen der Beschäftigten – zum Beispiel Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung– und Anforderungen von Branchen berücksichtigt. Und die Pflegebranche gehört ganz bestimmt dazu“, so der Abgeordnete.
Insgesamt sei es jedoch wichtig, auch über Verbesserungen beim Thema Teilzeit zu diskutieren, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Teilzeitbeschäftigte im Alter auch nur geringere Einkünfte aus den Rentenkassen zu erwarten hätten.







