Winkels Welt zum Anfassen in 3D-Druck
Grafiker Detlef Winkel entwickelt aus Zahlen-Kolonnen von Abmaßen dreidimensionale Filme - und daraus dreidimensionale Modelle.
22. Juni 2026
Jörg Frenzel

Winkel Detlef 3 d drucker (2)
Kunststoff statt Stahl - Detlef Winkel mit einem Pumpenmodell aus dem Drucker.
3D-Druck – er kann ein Segen sein, wenn ESA und NASA auf dem Mond Unterkünfte für Raumfahrer erstellen wollen. Er kann aber auch zum Fluch werden, wenn kriminelle Hände mit dieser Methode Waffen(-teile) bauen. Detlef Winkel steht glücklicherweise auf der hellen Seite. Er druckt für sich praktische Dinge für Haus und Garten, Modelle technischer Gerätschaften für seine Kunden und Schönes für die Allgemeinheit.
Dazu gehört beispielsweise auch ein Modell der Wedeler Hatzburg. In der Realität ist die „Motte“, wie die Turmhügelburg der Grafen von Schauenburg in der Marsch genannt wird, längst vergangen. Nur noch ein paar Holzstümpfe ragen aus der Marsch. Trotzdem können Heimatkundler und historisch Interessierte bewundern, wie sie zur Zeit der alten Rittersleut‘ aussah. Detlef Winkel gab alle relevanten Daten in den Computer – und sein 3D-Drucker spuckte das Modell aus. Es steht jetzt im Stadtmuseum.

Wedels „Keimzelle“ – die Hatzburg – Detlef Winkel übergab das Modell dem Stadtmuseum.
Sein Faible für dieses Modellieren besonderer Art begann mit einem Wunsch seiner Tochter. Sie wollte eine automatisch öffnende und schließende Verriegelung für eine Pferdewiese. Der Markt bot nichts Passendes, und so konstruierte der Grafiker am Rechner selbst einen Mechanismus. Auch mit dem Hintergedanken, dass es vielleicht neben seiner Tochter noch andere Pferdeliebhaberinnen gibt, die sich ebenfalls so eine Technik wünschen – und im besten Fall auch dafür bezahlen würden. Detlef Winkel: „Die Mechanik aus dem 3D-Drucker funktionierte prächtig. Jedoch war eine Zeitschaltuhr mit Neun-Volt-Versorgung notwendig, die zu verschiedenen Tageszeiten automatisch aktiv wird – etwas Zuverlässiges war da nicht zu bekommen.“ Mit diesem Projekt wurde es also nichts mit Geld verdienen. Aber mit anderen.
Schnittmodelle aus dem Drucker sind leichter
Denn nun hatte er ja schon mal einen Drucker angeschafft. Er sprach Kunden an, für die er bereits computergenerierte Videos und Web-Simulationen hergestellt hatte. „Die Daten waren da – und man konnte sie aufbereiten und auch fürs Drucken nutzen“, berichtet er. Und die Produkte konnte man nutzen, um sie beispielsweise auf Messen anfassbar zu machen.

Ein Hochdruck-Pumpenmodell im Schnitt – sieht täuschend echt aus, kostet aber 20.000 Euro weniger als Original. Foto: pr
Detlef Winkel: „Solche Modelle haben gleich mehrere Vorteile. Zum einen muss man kein teures Originalteil zerstören, um Blicke ins Innere zu ermöglichen. Zum anderen sind Schnittmodelle aus dem Drucker viel leichter und damit besser transportierbar.“ Während das Originalgerät aus Metall schon mal 200 Kilogramm wiegen kann, das mit vier Mann auf den Messestand gewuchtet werden müsste, kann sich ein Einzelner das nur wenige Kilo schwere Kunststoffmodell unter den Arm klemmen. So sparte die auftraggebende Firma schon mal 15.000 Euro pro Stück und bewahrte ihre Mitarbeiter vorm Hexenschuss.

Hier wurde ein komplettes Rechenzentrum im Maßstab 1:45 gedruckt und zusammengebaut.
So druckt und baut er seitdem Modell um Modell: Pumpen, Ventile, Entsalzungsanlagen. Die Drucker drucken im FFF-Verfahren und haben einen Bauraum von 35 mal 35 mal 35 Zentimetern. So ist es denn mit dem Drucken allein nicht getan. In vielen, vielen Einzelteilen muss oft gefertigt und dann montiert werden – ein Puzzle der herausfordernden Art.
Herausforderung: Spezielle Farben dank Lackiertechnik
Doch, halt: Nicht alle Teile verlassen den Drucker in den richtigen Farben, auch wenn mittlerweile bis zu 16 Farben bei einem Druck verwendet werden können. Es muss also manchmal auch noch lackiert werden. Detlef Winkel: „Das kann ganz schön knifflig werden, denn Farbe muss teils bei hohen Temperaturen aushärten. Das wiederum birgt die Gefahr, dass der Kunststoff gleich wieder schmilzt.“ Aber er hat ausgefuchste Hilfe. „Das Team der Wedeler Lackiertechnik ist einfach klasse. Ohne die Jungs wäre ich bei der Farbgebung aufgeschmissen.“

Unscheinbar, aber effektiv: Detlef Winkel setzt mittlerweile zwei 3D-Drucker ein, denn die Auftragslage ist prima.
1,20 Meter große Modelle – oft eingeschränkt durch die 1,20-Meter-Größe einer Euro-Palette – sind entstanden. Entstanden sind auch Datenmengen im Terabyte-Volumen. Detlef Winkel hat sie auf drei unterschiedlichen Servern abgelegt, denn es wäre ein Super-GAU, wenn sie durch fehlerhafte Technik verloren gingen. Dafür kann man die Energiekosten senken. Detlef Winkel: „So ein Drucker verbraucht ungefähr nur so viel Strom wie eine 100-Watt-Leuchte.“






