Wie Tüftler in Hetlingen klimaschädliches CO₂ neutralisieren

So will ein junges Unternehmen eine Existenzfrage der Menschheit lösen

Published13. April 2026

AuthorMichael Rahn

Drei Männer mit Helm in einer Anlage mit vielen Rohren.

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Schleswig-Holsteins Thorben Amann (Planeteers GmbH, l.) erläutert Energie-Staatssekretär Joschka Knuth (r.) die Anlage.

Wird das der Durchbruch, um eine große Menge des gefährlichen Treibhausgases CO₂ zu neutralisieren? Das Hamburger Unternehmen Planeteers hat in der Kläranlage in Hetlingen bei Hamburg seine erste geprüfte Anlage zur Entnahme und dauerhaften Speicherung des in der Menge klimaschädlichen Gases in Betrieb genommen.

Eine Gruppe überwiegend junger Menschen vor einem Schiffscontainer mit der Aufschrift Planeteers.

Das Planeteers-Team hat in Hetlingen eine Pilotanlage entwickelt, um das klimaschädliche CO₂ aus dem Faulungsprozess zu binden. Foto: Planeteers

Das Team des noch jungen Unternehmens nutzt dabei einen natürlichen Prozess. Das CO2-reiche Abgas wird direkt aus dem Schornstein entnommen und in einem geschlossenen, technischen System mithilfe von Kalkstein in mineralisiertes Wasser überführt. „So wird das CO₂ sicher und langfristig gebunden, statt zur Erderwärmung beizutragen“, heißt es in einer Mitteilung der Planeteers.

Prozess läuft erstmals real im Betrieb

Zum ersten Mal läuft der gesamte Prozess im realen Betrieb – von der Abscheidung bis zur messbaren Entfernung von CO₂, und das mitten im größten Klärwerks des Landes, in dem Wedel sowie der Rest des Kreises Pinneberg, der Hamburger Westen und weitere Kommunen ihr Abwasser klären lassen.

Insgesamt laufen in Hetlingen gut 30 Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr zusammen. Davon stammen 1,7 Millionen aus Wedel, also etwa fünf Hallen-Schwimmbecken voll pro Tag. Das Problem: Beim Klärprozess entstehen jedes Jahr etwa 25.000 Tonnen CO2. Davon können vorerst 60 Tonnen neutralisiert werden Damit dient diese Anlage als Grundlage für weitere Projekte. „Unsere Mission ist klar: Wir nutzen Spitzenforschung aus Deutschland, um dem Klimawandel aktiv entgegenzuwirken“, sagt Professor Jens Hartmann,einer der Mitgründer. Sein Mitstreiter Florian Birner ergänzt: „Unsere Anlage ist flexibel einsetzbar und kann an die Bedingungen unterschiedlicher Standorte angepasst werden.“

Symbolischer Schnitt durchs Band: Die Frau hat geschnitten, ein Mann klatscht, zwei lächeln. Dahinter steht der grüne Palneteers-Container

Christine Mesek, Verbandsvorsteherin azv, hat das Band durchschnitten und damit symbolisch die Anlage freigegeben: Florian Birner (v. l.) und Frank Rattey (beide Gründer Planeteers) freuen sich mit Schleswig-Holsteins Energie-Staatssekretär Joschka Knuth (Grüne).

„Die Nachfrage steigt weltweit, vor allem aus Industrie und Wirtschaft, die ihre Klimaziele erreichen wollen“, erläutert Frank Rattay. Er ebenfalls einer der Gründer der Planeteers, die in einer Werlkstatt in Eimsbüttel begonnen haben.

Staatssekretär: Pilotprojekte sind wichtig

Auch politisch und wirtschaftlich gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. „Weltweit werden die Klimaziele gerissen. Die wichtigste Aufgabe für den Klimaschutz ist es weiterhin, den CO2-Ausstoß maßgeblich zu reduzieren. Gleichzeitig werden wir CO2 in relevanten Mengen aus der Atmosphäre und an den Quellen entnehmen müssen. Die Firma Planeteers erprobt genau das mit ihrer Pilotanlage in Hetlingen. Um die innovativen Technologien zur CO2-Entnahme zu entwickeln, sind Pilotprojekte wie dieses so wichtig. Sie liefern entscheidende Erfahrungswerte und Erkenntnisse, wie wir im Kampf gegen den Klimawandel global die CO2-Konzentration in der Atmosphäre senken können“, sagt Joschka Knuth, Energie-Staatssekretär im Umweltministerium Schleswig-Holstein.

Langfristig will das Unternehmen Planeteers die Technologie weiter ausbauen und an vielen Standorten einsetzen. Der nächste Schritt steht bereits kurz bevor: In der Kläranlage in Kiel wird demnächst eine Anlage an den Start gehen, die schon mal 1000 Tonnen CO2 neutralisiert. Aber auch eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

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