Vincorion bestätigt Börsenpläne
Wedeler Technologie-Unternehmen prüft gemeinsam mit Eigentümer Star Capital Aktiendebüt
22. Januar 2026
Jörg Frenzel

200527_VIN_Presse_M7N6PN-scaled
Komponenten für die Stromversorgung produziert Vincorion unter anderem für die Luftabwehrsysteme vom Typ „Patriot“. Fotos: Vincorion
Das Wedeler Unternehmen Vincorion prüft einen möglichen Börsengang. Damit bestätigt ein Firmensprecher die Spekulationen, über die das neue Informationsportal wedel-klartext als erstes Medium in der Region am 14. Januar berichtet hatte.
„Gemeinsam mit Star Capital prüft Vincorion derzeit, ob ein Börsengang der nächste strategische Schritt für das Unternehmen sein könnte“, heißt es auf Nachfrage. Weder das Wedeler Unternehmen noch das britischen Investmentunternehmen, zu dem Vincorion gehört, stünden dabei „unter Zeitdruck“. Eine Entscheidung sei bislang nicht getroffen worden.
Vincorion ist stark in Verteidigungstechnik. Es baut Komponenten für das Luftabwehrsystem Patriot, wartet Radome von Flugzeugen wie AWACS und seine Stabilisierungstechnik für Geschützrohre ist für den Kampfpanzer Leopard, der Panzerhaubitze 2000 sowie viele andere Tanks weltweit unverzichtbar. Durch den Ukraine-Krieg und die unsichere Situation auch im Rest der Welt werden die wirtschaftlichen Perspektiven der Firma von vielen als sehr positiv gesehen – unter anderem von maßgeblichen Politikern wie Ministerpräsident Daniel Günther.
In 2024 erzielte Vincorion einen neuen Umsatzrekord von etwa 204 Millionen Euro – 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor, als rund 163 Millionen Euro erwirtschaftet wurden. Jüngst machte das Unternehmen durch die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft mit dem Konzern Heidelberg von sich reden.
Da ist es kein Wunder, dass sich die Spekulationen um einen möglichen Börsengang des Unternehmens immer mehr verdichteten. Anfang Januar lehnte das Unternehmen noch jede Stellungnahme zu diesen Vorgängen ab. Ebenfalls auf Granit biss damals die „Börsen-Zeitung“, die unter der Überschrift „Rüstungsfirma Vincorion treibt Vorbereitungen für Börsengang voran“ berichtete und sogar schon die Banken Berenberg, BNP Paribas und J.P. Morgan als Begleiter für das Projekt benannte.
Daniel Günther: „Vincorion trägt zur Sicherheitsarchitektur bei“
Der Politik ist die Bedeutung des Wedeler Unternehmens wohl bewusst. Sowohl Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen als auch Ministerpräsident Daniel Günther, der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Balasus und der CDU-Bundestagsabgeordnete Daniel Kölbl statteten Geschäftsführer Kajetan von Mentzingen und seinem Team Besuche am Standort Industriestraße ab. Daniel Günther seinerzeit: „Schleswig-Holstein hat das Potenzial, ein führender Standort für innovative und zukunftsorientierte Industrien zu werden. Unternehmen wie Vincorion zeigen, dass hier wichtige Schlüsseltechnologien entwickelt und produziert werden, die sowohl zur Sicherheitsarchitektur Deutschlands beitragen als auch wirtschaftliche Stabilität und Arbeitsplätze schaffen.“
- Ministerpräsident Daniel Günther (l.) lässt sich von Geschäftsführer Kajetan von Mentzingen erläutern, welche Komponenten Vincorion für den Leopard II produziert.
- Geschäftsführer Kajetan von Mentzingen (v. l.) führte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und den Abgeordneten Martin Balasus schon durchs Werk.
- In den Fertigungshallen und Laboren sind Expertinnen und Experten unter anderem für Mechanik, Elektronik, Mechatronik am Werk.
- Das Herzstück des Unternehmens samt Produktion und Management befindet sich an der Wedeler Industriestraße.
Vincorion gehört dem britischen Investmentunternehmen Star Capital, zuvor war die Firma Teil des Jenoptik-Konzerns. Doch die Wurzeln reichen viel weiter zurück. Die Älteren erinnern sich noch an die Zeit, als die Firma AEG größter Arbeitgeber in Wedel war. Damals stellte dieser Konzern nicht allein Technik für Landfahrzeuge her, sondern eine breite Palette von Produkten von Torpedos bis Flugfeld-Befeuerungsanlagen und Photovoltaik für die Raumfahrt. Die Daimler-Benz Aerospace AG übernahm nach dem Zusammenbruch der AEG diese Aktivitäten. Danach entstand über ein Management-Buy-Out die EXTEL Systems Wedel (ESW), die dann in dem Jenoptik-Konzern aufging. Und der wiederum gliederte seine Rüstungsaktivitäten als Vincorion aus.
Insgesamt beschäftigt Vincorion an mehreren Standorten in Deutschland rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Großteil davon in Wedel. (Jörg Frenzel/Michael Rahn)











