„Strandbad-Höfe“ statt Schneider-Hallen
Der Projektentwickler baucon hat Ideen für die Gestaltung des Geländes in prominenter Hafenlage entwickelt.
24. August 2026
Jörg Frenzel

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So stellen sich die Projektentwickler von Baucon die Zukunft des Geländes vor - rechts in Grautönen ist der Schulauer Hafen zu erkennen. Grafik: baucon
Wenn am morgigen Dienstag der Planungsausschuss zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammenkommt, werden sich die Mitglieder hinter verschlossenen Türen mit einem Bauprojekt beschäftigen, das das Gesicht der Wedeler Wasserkante tiefgreifend verändern könnte: Es sind die „Strandbad-Höfe“.
Wo jetzt noch die Hallen des ehemaligen Schneider-Versandhandels stehen – direkt auf der anderen Straßenseite der neuen Hafenrandbebauung – möchte das Unternehmen baucon aus Köln „neue interessante Wohnungen, Büro- und Gewerbeeinheiten“ mit circa 32.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche errichten „und das Hafengebiet qualitativ aufwerten.“

So sieht es derzeit aus: Im Vordergrund die Schneider-Hallen, dahinter Hafen und Elbe. Foto: baucon
Bisher heißt es von baucon nur allgemein: „An diesem besonderen Standort, direkt an der Elbe, berücksichtigen wir die Belange des Hochwasserschutzes genauso wie andere ökologische Themen. Belebte Innenhöfe für die Bewohner und begrünte Dächer, Photovoltaikanlagen und E-Mobilität sowie eine verbesserte Verkehrsanbindung sind in Planung, um das Potential der Strandbad-Höfe optimal zu nutzen.“
Ein paar mehr Einzelheiten waren von Architekten Venus zu bekommen, Auftragnehmer der baucon: „In Anlehnung an den bestehenden Flächennutzungsplan werden drei Baublöcke mit jeweils vier bezehungsweise drei Baukörpern in halboffener Bauweise als Ensemble ausgebildet. Ein gemeinsames Sockelgeschoss verbindet die Baukörper. Die Freiräume zwischen den Blöcken werden als Landschaftskorridore ausgebildet, von denen der westliche auf der Erschließungsebene und der östliche auf dem Sockelgeschoss konzipiert wird. Dadurch entstehen zwei konstruktiv getrennte Baufelder. Die Korridore erschließen von den nördlichen Parkplätzen den Strand- und Hafenbereich.
Jeweils in der Mitte der Baublöcke sind Innenhöfe vorgesehen, die vor allem als Aufenthaltsorte für die Bewohner und Beschäftigten dienen. Die bereits beschriebenen Korridore zwischen den Baublöcken erhalten dagegen einen öffentlichen Charakter. Die Erschließung des Gebietes erfolgt von drei Seiten über die angrenzenden öffentlichen Straßenräume. Die südlich zur Elbe gelegenen Bauteile werden zu Wohnzwecken genutzt. Im Sockelgeschoss werden kleinere Gewerbeflächen angeboten.“ Das Bauvorhaben auch 30 Prozent geförderten Wohnungsbau vor.
150-Millionen-Euro-Projekt
Details werden mit Sicherheit die Kommunalpolitikerinnen und -politikern im Ausschuss erzählt bekommen, wo die Projektentwickler die Pläne präsentieren werden. Eine von Wedel-Klartext angefragte Stellungnahme zu Einzelheiten des auf ein Investitionsvolumen von 150 Millionen Euro angelegten Projekts wurde von baucon freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Die Firma ist aber überzeugt: „Mit dem Bebauungsplan entsteht hier der Grundstein für ein Quartier, das modernes Wohnen, Arbeiten und Leben vereint.“
Wenn alles klappt, kann vielleicht an glorreiche Zeiten dieses Standortes angeknüpft werden, als hier mehrere hundert Menschen arbeiteten. 1965 hatte Heiner Schneider zunächst im Hinterzimmer des elterlichen Küchen- und Tischkulturgeschäftes in der Bahnhofstraße kleine Anfänge mit der „H. Schneider KG Verkaufsförderung“ gemacht. 1986 wagte sich Heiner Schneider in den klassischen Werbemittel-Versandmarkt mit dem ersten eigenen Katalog. Das Business explodierte geradezu! 1989 gingen die Logistik-Hallen samt Büros mit einer Gesamtfäche von 15.000 Quadratmetern Nutzfläche dort in Betrieb – auf ehemals freier Wiese und der Fläche eines Bootslagers.

Ein Bild aus glücklichen Schneider-Tagen – viele schöne Dinge wurden von Wedel aus versendet. Foto: Frenzel
Schneider war stark im Prämienversand mit Danke-schön-Präsenten an neue Abonnenten von Zeitungen und Zeitschriften oder auch Buchclubs. In den Hallen wurden die Präsente verpackt, die zuvor aus dem Großlager in Altenwerder angekommen waren. Positiv dabei: Hier fanden viele Menschen Arbeit, die weder große Qualifikationen noch hohe Schulabschlüsse vorweisen mussten. Viele Hausfrauen machten sich hier durch einen Packjob abends ein Stückchen unabhängiger von den Einkommen ihrer „Göttergatten“. Komplette Schüler-Generationen ließen sich die Unterarme zerstechen, wenn sie pieksige Holzwolle an die zig Meter langen Packstationen verteilen mussten – Polster-Material für die Packerinnen. Manchem einstigen Schüler sind die Postleitzahlen, die damals tausendfach mit Wachsstiften auf Pakete gemalt werden mussten, heute noch in Erinnerung: 4150 Krefeld.
Mit Heiner Schneider ging auch der Erfolg
Mit dem Ausstieg von Heiner Schneider begann der Abstieg. Der Firmenpatriarch verkaufte aus Altersgründen im Jahr 2010 den Betrienb an einen britischen Finanzinvestor. 2017 ging das Unternehmen in die Insolvenz, wechselte noch zweimal den Besitzer, die Wedel als Standort aufgaben und nur Teile des Unternehmens in Hamburg weiterarbeiten ließen. Die jetzt noch in Wedel ansässige Schneider-Vermögensverwaltung hat weder mit dem Niedergang der Versandhandelsgruppe noch mit den nun überplanten Immobilien etwas zu tun.
Das Gelände ist Teil des städtischen Vorhabens „Maritime Meile“, mit dem Ziel, die Wasserkante aufzuwerten. Außer der Umgestaltung des Schulauer Hafens gehören unter anderem der neue Willkomm-Höft-Anleger, die Mehrfamilienhäuser an der alten Ladiges-Villa oder auch der Elbwanderweg dazu. Mit ihrem Vorhben könnte nun baucon einen weitere Mosaikstein legen.
- Architekturentwürfe der baucon…
- …fünf Geschosse in in unterschiedlicher Gestaltung.









