Seit 50 Jahren Hilfe in schweren Stunden
Große Feier im Bestattungsinstitut Bade zum runden Geburtstag mit Aktion der Deutschen Knochenmarkspende.
22. September 2026
Jörg Frenzel

Bade Jubiläum
Auch in einem Bestattungsunternehmen darf man feiern: Gründer Hans-Wilhelm Bade (von rechts) mit Familie -Tochter Nina, Ehefrau Heidi und Sohn André. Foto: pr
Die Erfolgsgeschichte begann, als Hans-Wilhelm „Hansi“ Bade keine Lust mehr auf lange Arbeitswege hatte. Der gelernte Zimmermann war in den 60er- und 70er-Jahren mit seiner Kolonne auf Montage im ganzen Norden unterwegs gewesen und oft nur am Wochenende zu Hause bei „seiner“ Heidi. Und 1974 kam dann eine Chance, die andere vielleicht aus gewissen Gründen nicht ergriffen hätten – Hansi packte zu.
Bestattungsunternehmer Karl „Kaller“ Brügmann war in Personalnot – und Hansi half ihm heraus. Er schmiss kurzerhand seinen 3000-D-Mark-Job beim Bauunternehmen und stieg für 1600 Mark monatlich bei Bestatter Brügmann ein. Freiheit von langen Wegen hat halt ihren Preis. Doch was bedeutet schon Geld, wenn man die Feierabende immer mit Heidi verbringen kann?
Jubiläumsfeier am 2. Oktober
Diese Abzweigung im Leben des Hans-Wilhelm Bade hatte zur Folge, dass die Familie vor genau 50 Jahren eines der erfolgreichsten Bestattungsunternehmen in Wedel und dem Hamburger Westen aus der Taufe hob. Am Freitag, 2. Oktober, soll dieses halbe Jahrhundert ab 13 Uhr im Unternehmenssitz am Marienhof kräftig gefeiert werden – mit Grillgut und Erfrischunggetränken, mit Gereimtem und Gesprochenem von Sven Kamin und Band und dem Kammerorchester Wedel und viel guter Laune und einem ganz besonderen Vorhaben, bei dem jedermann und jedefrau mitmachen können, um vielleicht Menschen vor dem Tod zu bewahren.
Gemeinsam mit der DKMS wird eine Registrierungsaktion durchgeführt, die vielleicht zu einer lebensrettenden Knochenmarkspende für an Blutkrebs erkrankte Menschen werden kann. Familie Bade sagt: „50 Jahre Bestattungsinstitut Bade sind ein Grund zum Feiern – und gleichzeitig ein Anlass, etwas zurückzugeben.“
Auf die Familie konnte „Hansi“ Bade sich immer verlassen, nachdem er nach zwei Jahren Arbeit bei Brügmann am 1. Oktober 1976 sein eigenes Geschäft in der Rolandstraße eröffnete. Heidi kümmerte sich ums Büro, Mutter Gertrud „Tutti“ hielt am Telefon die Stellung, wenn Chef und Chefin unterwegs waren. „Nur drei Tage nach der Gründung hatten wir den ersten Sterbefall, im Gründungsmonat vier, und dann in den drei folgenden Monaten haben uns jeweils zehn Familien vertraut, sich um ihre verstorbenen Lieben zu kümmern“, erinnert sich Hansi Bade. Das war ein guter Start, ist aber wenig im Vergleich zu heute. Im Schnitt liegt man zwischen 40 und 50 Bestattungen im Monat.

Hans-Wilhelm Bade in traditionellem Outfit der Vergangenheit. Foto: pr
Geänderte Rahmenbedingungen
Nicht nur die Zahlen haben sich geändert, auch die Rahmenbedingungen. Heute muss niemand mehr am Telefon Wache halten, denn es gibt Smartphones. Seit Langem müssen Familien selbst für Trauerfälle vorsorgen, denn die Krankenkassen zahlen kein Sterbegeld mehr. Im Laufe der Zeit sind die Alternativen der Bestattungsarten größer geworden, denn Vorschriften wurden gelockert. „Früher war das Verhältnis von Erdbestattungen zu Feuerbestattungen 85 zu 15 – heute ist es umgekehrt“, sagt Hansi Bades Sohn André, der im Jahr 2005 in das Unternehmen eintrat. 2007 folgte Tochter Nina.
André Bade berichtet: „Am Anfang gab es drei Urnen zur Auswahl: eine aus Kupfer, eine aus Holz und eine schwarz-grün gesprenkelte. Heute kann man sich unter Hunderten die richtige auswählen.“ Seine Schwester ergänzt: „Und man kann sogar eine Urne selbst gestalten und bemalen.“ Das Verhältnis zum und der Umgang mit Tod ist anders geworden. Friedwald statt Reihengräber, oft Pflege durch Fachkräfte statt des allsonntäglichen Gangs zum Friedhof.
Lesungen und Lichtgedenkfeiern
Was Bestand hat, ist der Beistand für die Menschen, die einen Verlust erlitten haben. Ein mittlerweile 20 Personen starkes Team nimmt den Angehörigen so gut es geht alle Arbeit ab und hilft, die Trauer zu verarbeiten. Das passiert nicht mehr nur mit tröstlichen Gesprächen, sondern gemeinsam mit anderen können sich Trauernde beispielsweise auf Lichtgedenkfeiern erinnern, austauschen, zur Seite stehen. Es gibt Lesungen – auch mit passender Musik -, und Kontakte zu Selbsthilfegruppen werden vermittelt.
Ein guter Service und fachliche Kompetenz stehen oben an. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die direkt mit den Verstorbenen umgehen, sind „fachgeprüfte Bestatter“ oder auf dem Weg dahin. TÜV Rheinland überprüft regelmäßig den Betrieb.
Das Konzept kommt an, denn das Bestattungsinstitut Bade expandiert. 2009 baute das Institut komplett neue Räumlichkeiten an der Flerrentwiete inklusive eines eigenen Trauersaals. 2020 ist eine Filiale in Hamburg-Iserbrook hinzugekommen, 2025 eine in Hamburg-Flottbek.
Gute Gründe also, um auch mal in einem Unternehmen mit Freude feiern, in dem ansonsten eher Stille angesagt ist.







