Medac forciert Forschung

Mit Dr. Christoph Willers als neuem Chief Scientific Officer will das Wedeler Pharmaunternehmen verstärkt Medikamente selbst entwickeln.

Published10. März 2026

AuthorJörg Frenzel

Bei ihm laufen jetzt alle Forschungs-Fäden von medac zusammen: Dr. Christoph Willers, der Chief Scientific Officer. Foto: medac

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Bei ihm laufen jetzt alle Forschungs-Fäden von medac zusammen: Dr. Christoph Willers, der Chief Scientific Officer. Foto: medac

Bislang ist das Wedeler Pharmaunternehmen medac in Patientenkreisen eher dafür bekannt, insbesondere mit Generika-Medikamenten das Leid der Menschen zu lindern. Aber medac steht seit vielen Jahren sowohl für verlässliche Therapien in der Versorgung als auch für deren kontinuierliche wissenschaftliche Weiterentwicklung. Forschung und Innovation bauen auf dieser Basis auf und ergänzen das bestehende Portfolio.

Und  nun soll ergänzend zu Produktion und Vertrieb dieser etwas banal als „Nachahmer-Produkte“ betitelten Generika die Forschung nach neuen Wirkstoffen noch intensiver vorangetrieben werden. Starkes Zeichen dafür ist die Ernennung von Dr. Christoph Willers zum Chief Scientific Officer (CSO). Der Facharzt für Dermatologie, der auch Mitglied der Geschäftsleitung ist, war zuvor zehn Jahre lang Geschäftsführer eines Herstellers von Anti-Allergie-Medikamenten und verfügt über ein großes wissenschaftliches Knowhow und Kontakte für die Entwicklung neuer Medikamente.

Erfolg auch in der Zukunft

„Das bisherige Geschäftsmodell hat medac erfolgreich gemacht. Jedoch soll das Unternehmen auch 2035, 2040 noch erfolgreich sein. Deshalb setzen wir zunehmend auf Innovationen“, sagte Dr. Willers im Gespräch mit wedel-klartext. Die Erweiterung der Unternehmens-Strategie über das jetzige Geschäft hat insbesondere den Grund, dass es immer herausfordernder wird, mit der Fokussierung auf Generika wirtschaftlich zu bestehen – selbst, wenn das Unternehmen für seine Wirkstoffe wie Methotrexat, das beispielsweise gegen Schuppenflechte und Arthritis hilft, neue komfortablere Darreichungsformen erfindet.

In diesem Innovations-Wettbewerb stellt sich die noch eher mittelständische geprägte medac den Konkurrenten aus „Big Pharma“, den Pfizers, Lillys und Astra-Zenecas dieser Welt. Um hier zu bestehen, ist zum einen sehr, sehr viel Geld notwendig, um die schon mal zehn  Jahre dauernde Entwicklung in Laboren samt klinischer Tests für die Zulassungsverfahren vor den Behörden zu finanzieren. Zum anderen sind auch blendende Beziehungen zu Forschungsinstituten, Kliniken, kurz: der Wissenschaft entscheidend. Die medac besitzt weltweit gute Kontakte zu Instituten im Aus- und Inland wie der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Max-Planck-Institut.

Neues Mittel für Leukämie-Patienten

Schon seit einigen Jahren hat das Wedeler Unternehmen einen neuen Wirkstoff in der „Pipeline“. Das Mittel befindet sich derzeit in der klinischen Phase die jetzt von Dr. Willers und seinem Team hoffnungsvoll-gespannt begleitet wird. Der CSO verrät Details: „Es ist ein Mittel, das Leukämie-Patienten helfen soll. Nach einer Knochenmarks-Transplantation kann es in den Körpern der Empfänger einer Knochenmarksspende zu Abwehrreaktion des Immunsystems kommen. Die bislang verfügbaren Mittel sollen diese Reaktion unterdrücken. Diese Unterdrückung hat den Nachteil, dass die Patienten anfällig für andere Erkrankungen sind. Wir verfolgen mit unserem Wirkstoff einen anderen Ansatz. Das Immunsystem des Patienten wird lediglich moduliert, sodass weniger beziehungsweise keine Abwehr erwartet wird.“

Zweistellige Millionenbeträge hat das Wedeler Unternehmen bereits investiert – klappt es mit der Zulassung nicht, wäre das Geld futsch. „Aber bislang gestaltet sich die Sache sehr vielversprechend“, so Dr. Willers. Der Prüfungsprozess soll etwa 2028/29 abgeschlossen sein. Geht alles glatt, wird in Deutschland produziert.

Bessere Rahmenbedingungen erwünscht

Die Rahmenbedingungen für die Herstellung in der Bundesrepublik sind aber nach wie vor ein Sorgenfall für die medac und Dr. Willers. Zwar habe der EU critical medicaments act nach Corona schon Ansätze geliefert, die Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedsstaaten aus der EU selbst heraus zu versorgen. „Doch muss sich noch einiges ändern, damit das funktioniert“, so Dr. Willers. Er berichtete, dass es während der Pandemie eine hervorragende Zusammenarbeit mit Zulassungsbehörden gegeben habe. „Da konnte man sogar am Sonnabend anrufen. Wir wurden eng begleitet, standen im schnellen Austausch darüber, welche Wege von den Behörden mitgegangen werden. Jetzt ist so ziemlich alles auf den Stand von vor 2019 zurückgefallen“, sagte er. Das bedeutet: Schnelle Abstimmungen sind wieder ersetzt durch Unternehmensbesuche mit Ergebnisprotokollen, auf die teils Monate gewartet werden muss.

Außerdem habe sich die Einsicht noch nicht durchgesetzt, dass in Europa unabhängig von Importen hergestellte Medikamente einfach teurer sind als in Indien oder China produzierte Substanzen, die von den dortigen Regierungen überdies noch subventioniert werden. Dr. Willers: „Wenn die Politik nicht umdenkt, stehen wir in der nächsten Lieferketten-Krise wieder genauso schlecht da, wie das vergangene Mal.“

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