Kraftwerk Wedel – Stilllegung beantragt

Bis zum 1. Juli 2027 soll der Kohlemeiler an der Elbe vom Netz gehen

Published21. April 2026

AuthorJörg Frenzel

Kutter vor Kraftwerk

Kutter Regatta 2024 (2)

Das Kraftwerk an der Elbe sollte schon vor Jahren außer Betrieb gehen.

Jetzt ist es amtlich: Das Ende der rund 80-jährigen Geschichte des Kohlekraftwerks Wedel naht. „Die Hamburger Energiewerke haben Ende März die Stilllegung des Heizkraftwerks (HKW) Wedel gemäß §13b des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) beantragt“, teilt das Unternehmen mit. Die Anlage solle nach aktuellem Planungsstand ab dem 1. Juli  stillgelegt werden – kommenden Jahres.

Die zuständigen  Behörden und Unternehmen – also die Bundesnetzagentur, der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz sowie die Hamburger Energienetze als Verteilnetzbetreiber – seien über diesen Plan informiert worden. „Damit haben die Hamburger Energiewerke das Verfahren zur Prüfung der Systemrelevanz angestoßen, das Voraussetzung für die Stilllegung ist“, so die Energiewerke. Also: Das Abschalten kann wohl nur noch verhindert werden, falls das Kraftwerk unverzichtbar fürs Gesamtsystem der Stromversorgung sein sollte.

Ersatz durch Energiepark Dradenau

Doch Ersatz soll dann schon bereit stehen. „Die Abmeldung des Kraftwerks Wedel steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) auf der Dradenau – Mittelpunkt des zukünftigen Energieparks Hafen“, erklären die Energiewerke weiter.

Der modulare Energiepark solle Ende dieses Jahres in Betrieb sein und das HKW Wedel ablösen. Sobald die Gas- und Dampfturbinenanlage reibungslos laufe und Hamburg verlässlich mit Wärme versorge, werde Wedel nicht mehr benötigt. Stimmen also die Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber zu, werden die Hamburger Energiewerke mit der Außerbetriebnahme beginnen.

Erst konservieren, dann stilllegen

Das funktioniert so: Das Kraftwerk Wedel geht zunächst in die „Konservierung“. Von diesem Moment verbrennt es keine Kohle mehr. Es steht jedoch weiterhin als Back-up zur Verfügung und kann laut Unternehmen mit einem Aufwand von mehreren Wochen wieder angefahren werden. Ab dem 1. Juli 2027 soll mit dem Stilllegungsprozess der zweite Schritt der Außerbetriebnahme starten. Das bedeute: Sämtliche Betriebsmittel wie Öle und chemische Betriebsstoffe werden entfernt. Das Kraftwerk Wedel kann nicht wieder angefahren werden. Am Ende macht die Überwachungsbehörde einen Stempel drunter.

Die Hamburger Energiewerke: „Die Ablösung des Heizkraftwerks Wedel durch den Energiepark Hafen ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Kohleausstieg Hamburgs. Die Wärmeversorgung der Stadt soll bis spätestens 2030 kohlefrei und bis 2040 klimaneutral werden. Auf der Elbinsel Dradenau entsteht dafür ein moderner Erzeugungspark. Für den Standort Wedel erarbeiten die Hamburger Energiewerke derzeit ein Nachnutzungskonzept. Ein erster Entwurf soll Ende des Jahres vorgestellt werden.“

In Wedel hoffen einige Bürger seit Jahren auf die Stillegung. Das Kraftwerk sorgte immer wieder für Ärger insbesondere in der Nachbarschaft, wo ätzende Partikel aus dem Verbrennungsprozess Autos und trocknende Wäsche ruinierten. Schon 2017 sollte das Kraftwerk abgeschaltet werden. Mehrere Versprechungen zum Datum wurden aber von der Hamburger Politik und dem Eigentümer gebrochen.

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