Kleine Sparkasse beim Feiern ganz groß

Stadtsparkasse Wedel ist 150 Jahre alt – Festempfang im Schulauer Fährhaus

Published21. März 2026

AuthorJörg Frenzel

Eine Ehrenurkunde als Zeichen der Anerkennung: Thorsten Stockfleth Vizepräsident der IHK im Regionaltreffen der Vollversammlung Unterelbe (von links), übergab das Zertifikat an Bürgermeisterin Verwaltungsratsvorsitzende Julia Fisauli Aalto, Vorstandsmitglied Florian Graßhoff und Vorstandssprecher Marc Cybulski.

Spaka 150 Fest

Eine Ehrenurkunde als Zeichen der Anerkennung: Thorsten Stockfleth Vizepräsident der IHK Unterelbe (von links), übergab das Zertifikat an Bürgermeisterin und Verwaltungsratsvorsitzende Julia Fisauli-Aalto, Vorstandsmitglied Florian Graßhoff und Vorstandssprecher Marc Cybulski. Foto: Frenzel

Glaubt man der KI, dann ist die Stadtsparkasse Wedel eines der kleinsten Institute seiner Art in der gesamten Republik. Sie belegt nach Bilanzsumme mit 754,1 Millionen Euro im Jahr 2025 etwa Rang 330 von 341 deutschen Sparkassen. Vor 150 Jahren, genau am 3. Januar 1876 wurde das erste Konto der „Spar- und Leihkasse in Wedel“  eröffnet. Und der Landmann Carsten Wichtel war ihr erster Schuldner. Er erbat und erhielt 240 Mark.

Doch auch eine kleine Sparkasse kann beim Feiern ganz groß sein – wenn denn der Anlass stimmt. So stieg denn ein Geburtstags-Empfang im Schulauer Fährhaus für rund 200 Personen aus Politik und Verwaltung, aus Wirtschaft sowie mit Gästen aus Vereinen, Hilfs- und Kulturinstitutionen. Die Gastgeber verwöhnten die Festgesellschaft mit Zander auf Linsen, Risotto mit Weißkohl, Entenbrust, Lachs-Häppchen und mehr.

Sie hatte sich die Stärkung redlich verdient, denn zuvor gab es rund 90 Minuten Festreden und Filmdarbietungen mit deutlichem Lob zufriedener Geschäfts- und Privatkundschaft. „In Wedel verankert“, „nah bei den Menschen“, „mit Politik und Verwaltung verbunden“, „wichtiger Faktor für die lokale Wirtschaft“ – das waren nur einige der Begriffe, die sich bei den Reden im Saal des Fährhauses zu vernehmen waren.

„Auch ein kleines Haus kann Kraft entfalten“

Von der Videowand grüßte Professor Dr. Ulrich Reuter, der oberste Repräsentant der Sparkassen-Finanzgruppe in Deutschland. Er brachte es auf den Nenner: „Die Stadtsparkasse Wedel ist die kleinste in Schleswig-Holstein. Aber auch ein kleines Haus kann Kraft entfalten, wenn es tief im Markt verwurzelt ist.“ Oliver Stolz, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, hieb in die gleiche Kerbe: „So klein sie auch sein mag, so hat sie große Vorhaben umgesetzt.“ Für die Wirtschaft vor Ort sei sie sehr wichtig: „Wird gebaut, ist das auch der Stadtsparkasse zu verdanken.“

Oliver Stolz wies auf einen weiteren Faktor hin: den öffentlichen Auftrag. Als Beispiel für das Engagement nannte er die 1993 gegründete Kulturstiftung. Aber  wohl jeder Wedeler beziehungsweise jede Wedelerin weiß selbst, wie stark das Institut fürs Gemeinwesen engagiert ist. Das Geldinstitut fördert beispielsweise Sozialprojekte wie WeKi, Schulen und Vereine, Feuerwehr und Verkehrswacht, „Klimafrösche“ und Cheerleader und viele, viele andere.

Positive Geschäftsentwicklung

Aber alle Gelder müssen erst einmal verdient werden. Beruhigend ist da, dass die Geschäftsentwicklung positiv ist. Nach Angaben des Unternehmens zeigte sich dieser Trend im vorigen Jahr insbesondere im Kreditgeschäft. „Die Darlehenszusagen konnten im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert werden: Während 2024 Zusagen in Höhe von rund 61 Millionen Euro verzeichnet wurden, überschritten diese 2025 die Marke von 100 Millionen Euro. Maßgeblich zu diesem Wachstum trugen die Unternehmensfinanzierungen bei, die spürbar zulegen konnten“, hatte die Sparkasse zu ihrem Jahresbericht bekannt gegeben. Das Wertpapiergeschäft habe sich ebenfalls positiv entwickelt: „Sowohl die Anzahl der Depots als auch die Umsätze in den Kundendepots stiegen deutlich an. Die breitere Nutzung von Wertpapieranlagen zeigt, dass immer mehr Kundinnen und Kunden diese Anlageform für sich entdecken.“

So wird die Sparkasse für 2025 auch wieder die 600.000 Euro Zinsen an die Stadt abführen für die zehn Millionen Euro, die sie vor rund zehn Jahren von der Stadt erhalten hat, um das Eigenkapital zu stärken – was nicht in sämtlichen Jahren der Fall war.

„150 Jahre sind erst der Anfang!“

Marc Cybulski, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, stellte  heraus: „150 Jahre sind erst der Anfang!“ Gemeinsam mit dem zweiten Vorstandsmitglied Florian Graßhoff zeigte er Perspektiven und Pläne auf. „Wir werden nie ein E-Auto, sondern bleiben Hybrid.“ Mit diesem Bild machte Cybulski die Richtung deutlich. Die Sparkasse werde nie eine reine Online-Bank oder ein Neobroker werden, sondern über die digitalen Angebote hinaus auch immer quasi analog präsent für die Kundschaft sein und ihr den Service bieten, montags bis Freitag von 8 bis 20 Uhr persönlich ansprechbar zu sein. Aber die Sparkasse werde sich weiterentwickeln, beispielsweise KI in internen Prozessen nutzen, wobei Graßhof zur Erleichterung betonte, sparkassenverbandseigene Programme zu nutzen und nicht etwa Chat GPT.

Aber zunächst einmal gab es für die ersten 150 Jahre eine Urkunde. Thorsten Stockfleth von der IHK übergab sie an die Wedeler Vorstände und Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto, die qua Amt dem Verwaltungsrat der Sparkasse vorsitzt. Ein bisschen Raunen ging durch den Saal als Veranstaltungsmoderator Christopher Scheffelmeier vom NDR sie nach ihren Wünschen rund um die Stadtsparkasse fragte. Reizthema; Wedels Finanzen! Offen schilderte die Verwaltungschefin die städtische Lage mit 136 Millionen Euro Schulden und einem Sanierungsstau von rund 240 Millionen Euro und betonte, dass auch die Stadtsparkasse an der Seite der Stadt stehe, um diesen Herausforderungen zu begegnen und sie froh darüber sei.

Übrigens wurde nicht nur vormittags mit Honoratioren und Geschäftspartnern das Jubiläum begangen, sondern die Unternehmensführung hatte natürlich auch an die Belegschaft gedacht. Die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten am Abend die Gelegenheit im Fährhaus den Geburtstag „ihres“ Instituts zu feiern. Welche kulinarischen Spezialitäten sie genießen durften, war nicht zu erfahren.

 

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