Update: Innovatives E-Projekt: Millionen-Fördersumme für die Stadtwerke Wedel ist Aprilscherz

Strom soll kabellos übers bestehende W-Lan-Netz in die Wohnungen kommen.

Published1. April 2026

AuthorJörg Frenzel

Strom wird drahtlos fließen - die Zuschüsse auch: Strahlende Gesichter beim Stadtwerke-Innovationsteam Arndt Mielke (von links) Christian Möller und Daniel Fischer.

mielke

Strom wird drahtlos fließen - die Zuschüsse auch: strahlende Gesichter beim Stadtwerke-Innovationsteam Arndt Mielke (von links), Christian Möller und Daniel Fischer.

Bei den Stadtwerken Wedel knallen heute bestimmt die Champagner-Korken – und das mit gutem Recht: Das Bundesforschungsministerium hat das Wedeler Versorgungsunternehmen für ein Pilot-Projekt zur neuartigen Energieversorgung der Haushalte ausgewählt. Im Spiel ist eine Fördersumme aus Bundesmitteln in einem höheren zweistelligen Millionenbereich!

Und darum geht’s: Wegen der immer höheren Nachfrage an Strom durch Wärmepumpen und Wall-Boxen für E-Fahrzeuge kommt die Leistungsfähigkeit des traditionellen Stromnetzes an seine Grenzen. Bislang reagierten die Stadtwerke Wedel darauf mit der Ertüchtigung des Netzes durch neue, „dickere“ Kabel und den Bau von Transformator-Stationen. Doch das dauert Zeit und die vielen Baustellen nerven die Bevölkerung. Neue Wege sind gefragt.

Innovatives Stadtwerke-Konzept

Einen davon kann jetzt das Technik-Team der Stadtwerke weiter erkunden: Stromtransport über das W-Lan-Netz! Netzplaner Arndt Mielke, Christian Möller, Bereichsleiter Technik und Netze, sowie Daniel Fischer, Innovationsbeauftragter aus dem Bereich Netzbetrieb, hatten dazu ein Konzept erarbeitet, das jetzt das Gefallen der Bundesregierung fand und als förderfähig erachtet wurde.

Basis ist die drahtlose Energieübertragung (WPT). Sie ermöglicht  die berührungslose Stromversorgung von Geräten über elektromagnetische Felder. Induktive Kopplung ist dabei das technische Geheimnis. Laut Wikipedia hat sie einen Wirkungsgrad von 70 bis 90 Prozent. „Schon jetzt wird sie im Alltag für Smartphones des Qi-Standards eingesetzt oder auch in der Industrie für fahrerlose Transportsysteme. Wir arbeiten daran, das jetzt belastbar für größere Regionen auszurollen“, so der Innovationsbeauftragte Fischer. Während im Nahbereich Induktion der Schlüssel zum Erfolg ist, setzt das Stadtwerke-Projekt für Übertragungen über größere Strecken im Kilometerbreich auf Laser (darpa).

80 bis 90 Millionen plus Mittel aus der Wirtschaft

Die Zuwendungen aus Steuermitteln sind unverzichtbar, denn ein vergleichsweise kleines Unternehmen wie die Stadtwerke kann die geschätzten Kosten für die technische Aufrüstung in Höhe von rund 80 bis 90 Millionen Euro nicht alleine tragen. Schließlich müssen auch die Doppelstrukturen des bestehenden Netzes noch so lange erhalten bleiben, bis die neue Technologie einwandfrei läuft.

Hinzu könnten Mittel in bislang noch nicht festgelegter Größenordnung aus dem Innovationsfonds des Bundesverbands der Energiewirtschaft (BDEW) kommen, dessen Mitgliedsunternehmen ebenfalls stark an der neuen Technologie interessiert sind. Stadtwerke-Geschäftsführer Jörn Peter Maurer hat in den vergangenen Wochen dazu viele Gespräche in den Vorstandsetagen großer Konzerne wie Vattenfall und E.ON geführt. Er ist zuversichtlich: „Es herrscht eine Aufbruchstimmung.“

Jetzt geht es an die Feinplanung und ans Einholen der erforderlichen Genehmigungen. „Mit dem Rückenwind aus dem Bundeswirtschaftsministerium sollte das bei der Bundesnetzagentur nicht übermäßig lange dauern“, so Maurer. Mit den ersten Arbeiten wird noch im Laufe des Jahres gerechnet: „Aber das Wichtigste ist erst einmal, dass die Sache mit dem Eingang des Förderbescheides heute morgen ins Rollen gekommen ist.“

 

 

 

 

ANZEIGE
ANZEIGE
Teilen Sie den Beitrag