Ideen aus der FH Wedel gegen Millionen von Retouren

Ein Start-up zeigt, wie aus einer studentischen Idee ein Beitrag zur Transformation des Onlinehandels entsteht.

Published21. Juli 2026

AuthorWolf-Robert Danehl

Laut einer Studie der Universität Bamberg von 2022 werden täglich in Deutschland ungefähr 1,5 Millionen Pakete retourniert und dadurch entstehen rund 400 Tonnen CO₂.

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Laut einer Studie der Universität Bamberg von 2022 werden täglich in Deutschland ungefähr 1,5 Millionen Pakete retourniert. Dadurch entstehen rund 400 Tonnen CO₂. (Fotos: KI-generiert und Toern)

Im Hörsaal der Fachhochschule Wedel begann, was später den Onlinehandel verändern soll. Zwischen Vorlesungen, Fallstudien und dem Anspruch, Wirtschaft neu zu gestalten, entstand die Idee, mit Retouren nicht nur effizienter, sondern grundlegend nachhaltiger umzugehen.

Bereits in ihrem  Masterstudium E-Commerce beschäftigten sich Eva Aumüller und Jonas Zeuner mit den Schwachstellen des Versandhandels. Der Impuls kam aus Aumüllers Masterarbeit, in der sie Retourenprozesse analysierte – und neu dachte. Anfang 2023 folgte gemeinsam mit Alena Schneck die Gründung unter dem Namen „toern“.

Die Vision: Mehr Nachhaltigkeit

Die Dimension des Problems in Deutschland ist gigantisch. Laut aktuellen Erhebungen der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg werden allein in Deutschland demnach jährlich rund 550 Millionen Retouren verschickt – mit erheblichen Kosten und CO₂-Emissionen. Klassische Prozesse führen Waren über Logistikzentren quer durchs Land, oft mehrfach.

Rund 550 Millionen Retouren pro Jahr gibt es in Deutschland.

Rund 550 Millionen Retouren pro Jahr gibt es in Deutschland.

Die ursprüngliche Idee von toern setzt genau hier an: Produkte sollen nicht zurück ins Lager, sondern direkt zur nächsten Kundin oder zum nächsten Kunden gelangen. Ein Ansatz, der Transportwege verkürzt und Ressourcen spart – jedoch in der Praxis schwer zu koordinieren ist.

Vom Konzept zur KI-Plattform

Aus der an der FH geborenen Idee entwickelte sich schnell ein umfassenderer Ansatz: Heute ist toern eine KI-gestützte SaaS-Lösung (Software as a Service) für Onlineshops, die den gesamten Retourenprozess digital steuert.

Rückgabe leicht gemacht: toern organisiert auch den Widerruf.

Rückgabe leicht gemacht: toern organisiert auch den Widerruf.

Für Endkundinnen und Endkunden liegt der Mehrwert darin, dass der Retourenprozess deutlich einfacher wurde. So entfällt etwa der bislang übliche Papieraufwand: Statt ein Rücksendeetikett auszudrucken, wird im toern-Portal ein digitaler QR-Code erzeugt, der im Paketshop bequem per Smartphone vorgezeigt werden kann. Zugleich ermöglicht die direkte Anbindung an die Warenbestände der Onlinehändler einen schnellen und unkomplizierten Umtausch. Passt ein Artikel nicht, schlägt das System unmittelbar passende Alternativen vor, reserviert diese im Lager und veranlasst den Versand – ohne die sonst übliche Wartezeit auf Rückerstattung und Neubestellung. Darüber hinaus schaffen viele Händler zusätzliche Anreize für flexible Entscheidungen: Wer sich für einen Gutschein statt einer Rückzahlung entscheidet, erhält häufig einen Bonus, etwa in Form eines erhöhten Einkaufswerts.

Händler erhalten zudem datenbasierte Einblicke, um Produktbeschreibungen, Einkauf oder Qualität gezielt zu verbessern.

So wird aus einer logistischen Einzelidee ein strategisches Werkzeug – mit dem Ziel, Retouren zu vermeiden, Kosten zu senken und Prozesse nachhaltiger zu gestalten.

 Förderung, Auszeichnungen und Wachstum

Unterstützung erhielt das Gründerteam früh durch die Startup Bridge der FH Wedel sowie das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein – ein entscheidender Schritt in der Aufbauphase. Es folgten Pilotprojekte, die Entwicklung eines marktfähigen Produkts und schließlich bundesweite Aufmerksamkeit.

Im November 2023 wurde toern im „Gründungswettbewerb – Digitale Innovationen“ des Bundeswirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Den Preis nahmen Alena Schneck und Jonas Zeuner auf dem Digitalgipfel in Jena entgegen.

Wandel im Team, Konstanz in der Idee

Mit dem Wachstum veränderte sich auch das Team: Mitgründerin Eva Aumüller verließ das Unternehmen 2025 und wechselte zu OMR nach Hamburg. Die Weiterentwicklung von toern liegt seither bei Alena Schneck und Jonas Zeuner.

Jonas Zeuner und Alena Schneck studierten an der FH - sie sind seit 2025 allein für die Weiterentwicklung des Unternehmens zuständig.

Jonas Zeuner und Alena Schneck studierten an der Fachhochschule (FH) in Wedel.Sie sind seit 2025 allein für die Weiterentwicklung des Unternehmens zuständig.

Die Grundidee bleibt jedoch unverändert: Retouren als Kreislauf gestalten – nicht als Einbahnstraße zurück ins Lager.

Nachhaltigkeit aus Wedel – mit globalem Anspruch

Was in Wedel begann, zielt auf ein globales Problem. Jeder vermiedene Transportweg, jede optimierte Retoure reduziert Emissionen und Ressourcenverbrauch. Gleichzeitig zeigt toern, dass nachhaltige Innovation nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit stehen muss.

Die Entwicklung von der studentischen Idee zur skalierbaren Software verdeutlicht, welches Potenzial in angewandter Forschung steckt – und wie Hochschulen wie die FH Wedel als Ausgangspunkt für Lösungen mit internationaler Reichweite wirken können.

 

 

 

 

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