Gründerzentrum: Kein Geld aus Kiel

Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens ließ sich von Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto den BusinessPark Elbufer vorführen.

Published22. April 2026

AuthorJörg Frenzel

Gruppe von Menschen mit Rollups auf Wiese

EBP Staatssekretärin Besuch 2026 (12)(1)

Das Schild stand schon mal - zumindest für eine Weile. Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto (vorn von links) präsentierte Staatssekretärin Julia Carstens sowie Martin Balasus (CDU-MdL), Landrätin Elfi Heesch sowie Unternehmern, WEP und Politik den BusinessPark.

Bei der Finanzierung eines Gründer- und Technologiezentrums (GTZ) auf dem Gelände des BusinessParks Elbufer an der Stadtgrenze von Wedel zu Hamburg werden der Kreis Pinneberg mit seiner Wirtschafts- und Entwicklungsgesellschaft (WEP) und die Stadt Wedel wohl auf sich allein gestellt sein. Das Land Schleswig-Holstein jedenfalls wird mit Zuschüssen für das auf bis zu 15 Millionen Euro geschätzte Gründerzentrum nicht dabei sein.

„Im Haushalt sind keine Mittel dafür eingestellt“

Julia Carstens, Staatssekretärin im Kieler Wirtschaftsministerium, fand bei einem Besuch mit Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto lobende Worte für Gewerbegebiet und Projekt, antwortete aber auf eine Frage von Wedel-Klartext: „Im Haushalt sind keine Mittel dafür eingestellt.“ Im Gegensatz zu früher geförderten Projekten dieser Art bestehe auch keine Aussicht mehr darauf. Ansonsten sei der Businesspark aber „ein Sahnestück“ und die Revitalisierung wichtig für die Landesregierung.

Schon 2023 hatte der Kreis Pinneberg entschieden, ein Gründerzentrum in Wedel aufbauen zu lassen – Elmshorn und Pinneberg gingen im Rennen um Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro leer aus. Die Stadt Wedel hatte beschlossen, sich mit „Naturalien“ am Projekt zu beteiligen, nämlich, indem sie den benötigten Baugrund zur Verfügung stellt.

WEP-Chefin und Bürgermeisterin zuversichtlich

Allerdings ist seitdem nicht viel passiert. Bei der WEP hatten andere Projekte Priorität, und es gab auch einen Wechsel in der Geschäftsführung. Mit Dr. Jennifer Schweiger an der Spitze soll das GTZ aber neuen Schwung bekommen. Sie ist nach wie vor vom Konzept überzeugt, eine eigene Immobilie für das GTZ zu errichten, um Gründungswilligen Labore, Besprechungsräume und Büros zu stellen. Bestehende Gebäude umzubauen und nachzurüsten, sei mit viel Geld verbunden. Das derzeitige Konzept sehe eine enge Betreuung der Start-ups durch Kräfte der WEP vor, die dauerhaft ansprechbar seien. Eine Stelle vor Ort sei aktuell geplant, bei Bedarf helfen die Spezialisten aus der Zentrale.

Auch Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto ist zuversichtlich: „Wir begrüßen es sehr, dass der Kreis Pinneberg das Gründungsgeschehen und Start-ups fördern möchte und dazu ein Gründungs- und Technologiezentrum im Business Park in Wedel plant“, sagte sie.

Baubeginn ungewiss

Wann das GTZ realisiert wird, ist allerdings noch nicht final geklärt. Seit dem Grundsatzbeschluss ist nicht nur einige Zeit ins Land gegangen, sondern auch die zu erwartenden Baukosten sind gestiegen. Derzeit wird diskutiert, ob das Gesamtprojekt nicht gestreckt werden sollte, indem es in zwei Bauabschnitten angelegt wird. Nach Wedel-Klartext-Informationen könnte sogar das Grundkonzept noch einmal neu diskutiert werden.

Einer, dem es gar nicht schnell genug gehen kann, der aber keinen Einfluss auf die politische Entscheidung hat, ist Professor Eike Harms, Leiter der Fachhochschule Wedel. Seine private Hochschule betreibt die „Startup Bridge“. Die Nähe zur Hochschule mit ihrer Infrastruktur und der Kompetenz als Brückenbauer zwischen Studium und Unternehmensstart war ein gewichtiges Argument gewesen, dass Wedel den GTZ-Zuschlag bekam. Harms hatte sich aber von Beginn an für eine kleinere Lösung auf einem Gelände direkt neben dem Audimax der FH ausgesprochen, um dann gegebenenfalls aufwachsen zu können. „Aber letztlich ist es egal, ob dort oder im Businesspark – Hauptsache, es tut sich etwas“, sagte er.

Die Startup Bridge hat bislang mehr als 20 Unternehmen hervorgebracht, sei aber eng ans Studium gebunden und könne nicht das Leistungsportfolio eines „richtigen“ Gründerzentrums bieten. Außerem sei die Finanzierung immer nur projektbezogen und befristet aus Bundes-, Landes- und EU-Mitteln gesichert. Da bedürfe es einer Verstetigung. Beim Besuch der Staatssekretärin informierte er sie über die Startup Bridge: „Unser Konzept trägt Früchte. Die FH bringt mehr Gründerinnen und Gründer hervor als vor ihrem Start.“

Dass sie aber mit ihren Unternehmen alle im Kreis Pinneberg oder gar in Wedel bleiben, kann er nicht garantieren. Ein Gründerzentrum mit guter Anbindung an die FH, beratender Begleitung durch die WEP in vielerlei Hinsicht und die Aussicht, durch sie an gute Betriebsflächen zu kommen, würde aber eine Standorttreue wahrscheinlicher machen.

 

 

 

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