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Euronics: Rabatte noch bis Ende Februar

Kostendruck und Bürokratie – das Aus für das Technik-Geschäft an der Rissener Straße

Published1. Januar 2026

AuthorJörg Frenzel

Euronics Geschäftsführer Stefan Kühn

Euronics-Stefan-Kuehn

Jahrelang trotzte Geschäftsführer Stefan Kühn den Belastungen – jetzt ist die (finanzielle) Kraft am Ende.

Schwerer Schlag für den Einkaufsstandort Wedel: Der Elektronik-Fachmarkt Euronics im famila-Zentrum an der Rissener Straße macht dicht. Der Abverkauf läuft mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. Zu Ende Februar wird Geschäftsführer Stefan Kühn den Schlüssel für die rund 1800 Quadratmeter große Immobilie an den Vermieter zurückgeben.

„Er entlässt uns freundlicherweise früher aus dem Mietvertrag, anderenfalls wäre eine Insolvenz nicht ausgeschlossen gewesen“, sagte Stefan Kühn. Jetzt wird alles geregelt abgewickelt, für fast alle der 27 Personen im Verkaufs- und Technikerteam sind schon neue Arbeitsplätze gefunden worden. „Gute und fleißige Leute sind immer gesucht – und unser Team ist hervorragend!“ so Kuehn.

Aber wie konnte es zu dieser dramatischen Situation überhaupt kommen? Stefan Kühn: „Das lässt sich auf den Punkt bringen: hohe Kosten – kleine Margen. Und immer mehr Bürokratie kam auch hinzu.“ Die ersten Jahre nach der Eröffnung 2006 liefen die Geschäfte noch gut. „Aber was wir damals verdient haben, haben wir in den vergangenen Jahren wieder reingebuttert. Das ging so nicht weiter“, sagte Stefan Kühn, der wie die meisten Kolleginnen und Kollegen ein selbständiger Händler unter der Marke Euronics ist.

„Die Konkurrenz durch Internet-Händler ist dramatisch. Wir versuchten zwar mitzuhalten, wo es geht. Aber wir müssen die Löhne von Fachpersonal nach deutschen Tarifen zahlen und nicht die für Lagerarbeiter in Rumänien“, so Kühn. Der nächste Hammer kommt zum Jahreswechsel, sobald der Mindestlohn angehoben wird. „Verständlicherweise wünscht sich dann auch das Fachpersonal Lohnerhöhungen. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten qualifiziert, die Service-Techniker kommen zur Kundschaft nach Hause, um zu installieren oder reparieren.“ Das erhöht die Kosten.

Hinzu kommen die in Deutschland exorbitant gestiegenen Energiekosten. Glück hatte das Geschäft bei der Miete. „Unser Vermieter ist sehr fair und hat lange auf Erhöhung verzichtet. Aber auch ihm wäre nicht zu verdenken, wenn er mal die Miete anpassen will.“

Und dann wie überall das Thema Bürokratie. Nur ein Beispiel von vielen: Die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) ist ein Zusammenschluss von neun deutschen Verwertungsgesellschaften. Ihr müssen die Händler Monat für Monat die Zahlen von verkauften Speichermedien melden wie USB-Sticks, Festplatten & Co., weil dort ja Musik aufgespielt werden könnte, die mit Urheber-Rechten belastet ist. Hersteller müssen bei der ZPÜ die Menge der entsprechenden Produkte melden und „Vergütung“ entrichten. Händler müssen auch berichten, wie viele Geräte sie verkauft haben, damit die ZPÜ abgleichen kann – und dem Händler eine Rechnung schicken kann, falls der Hersteller nicht bezahlt hat.

„Das macht hier alles keinen Sinn mehr. Bis zur Corona-Zwangsschließung dachte ich, man könnte noch was drehen,. Wir haben ja auch noch mal kräftig in den Umbau investiert. Aber es geht halt nicht“, so Stefan Kühn.

Auch aus der Geschäftsführung seines zweiten Euronics-Ladens in Soltau wird er sich zurückziehen. „Das Geschäft dort wird von Euronics selbst weiterbetrieben. So eine Lösung hatte ich auch für Wedel angepeilt – aber die Zahlen geben das nicht her“, sagte Stefan Kühn und: „Bei allen Kundinnen und Kunden, die uns immer die Treue hielten, bedanke ich mich sehr. Für sie tut es uns auch leid. Wir erleben jetzt mit ihnen eine Stimmung wie auf einer Beerdigung.“

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