Dr. Christian Matschke – der Mann für die Versorgungssicherheit
Als Chief Operating Officer ist er verantwortlich dafür, dass die Lieferketten von Grundstoffen, fertigen Medikamenten und Verpackungen halten - weltweit.
29. Juli 2026
Jörg Frenzel

Christian Matschke_COO
Weltweite Lieferketten im Blick: Dr. Christian Matschke. Foto: medac
Schon als Kind in Wanne-Eickel hörte Christian Matschke von seinem Vater, dass es irgendwo an der Elbe ein Lokal geben soll, das sogar Schiffe freundlich begrüßt. Mit Flaggen und Musik. Da sollte der Junge aber nicht mal ahnen, dass es ihn einmal in genau jene Stadt verschlagen würde, in der es diese eigenartige Tradition gibt. Ein paar Jahrzehnte später ist er da. Dr. Christian Matschke ist der neue Chief Operating Officer (COO) des Pharmaunternehmens medac. In dieser Funktion verantwortet er die weltweiten Produktions-, Qualitäts- und Lieferprozesse und trägt damit zur zuverlässigen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit unverzichtbaren Therapien bei.
Verfügbarkeit von Medikamenten
Das klingt nach einer heiklen Aufgabe, denn immer wieder klagt die Apothekerschaft, dass Medikamente nicht verfügbar sind. Die Zahl schwankt im dreistelligen Bereich hoch und runter. Produkte der medac gehören nicht dazu. „Unsere eigenen Produkte sind derzeit im deutschen Markt vollständig lieferbar“, stellt Dr. Matschke klar. Sein Job ist, dass es auch so bleibt.
Und nicht nur seiner. Rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Team. „Das ist eine hochkomplexe Aufgabe. Wir müssen Lieferketten sicherstellen. Da gibt es viele Herausforderungen“, sagt er. Auch wenn Politik immer wieder Versprechungen macht, mehr Wirkstoff- und Medikamenten-Produktion im Inland aufzubauen, so steht für den COO fest: „Die Globalisierung lässt sich nicht zurückdrehen.“ Er sollte das genau wissen, denn der Pharmazeut hat bereits in verantwortlichen Positionen in China, Indien und anderen Ländern gearbeitet. Es geht also darum, mit den Nachteilen der Globalisierung umzugehen, weil man deren Chancen nutzen möchte.
Das sind unter anderem die im Vergleich zu Deutschland unschlagbar günstigen Produktionskosten, insbesondere durch günstige Energie. In Deutschland zahlt man rund 32 Cent pro Kilowattstunde Strom, in Asien sind es drei bis vier Cent.
„Resilienz geht vor Effizienz“
Damals Corona, aktuell die Krisenherde in der Nahost-Region, insolvent gehende Hersteller, abgebrannte Fabriken – das sind nur einige der Fährnisse, die abzuwettern sind. Basis dafür ist laut des COO absolute Transparenz: Wo ist was? Wo wird was produziert? Wo könnten Lieferketten anfällig sein? „Wir machen uns nicht von einem Lieferanten abhängig, für jeden der Wirkstoffe haben wir zwei bis vier. Sie befinden sich auf unterschiedlichen Kontinenten“, verrät Dr. Matschke und nennt den Leitsatz:. „Resilienz geht dabei vor Effizienz.“
Bescheiden deutet er an, dass er in langen Jahren Erfahrungen und Beziehungen durch seine bisherigen internationalen Tätigkeiten bei Herstellern und auch in Verbänden aufgebaut hat. Wer genau zuhört, erkennt: Mit Dr. Matschke hat die medac einen gewaltigen Netzwerk-Schatz gehoben. Seine drei Jahre in Indien könnten sich als segensreich erweisen, und auch China – ein Land, das seine Interessen weltweit deutlich bis skrupellos vertritt – schockt ihn nicht. „Ich habe ein Antibiotika-Werk in China geleitet. Ich weiß sicher: Auch mit den Unternehmen dort sind verlässliche, langfristige Partnerschaften möglich.“

Dieses Team steht für die medac, eines der wichtigsten Unternehmen der Stadt: Dr. Christian Matschke (COO, v. l.), Dr. Christoph Willers (CSO), Julia Rauch (CFO), Manfred Köhler (CCO) und Frank Lucaßen (CEO). Foto: medac
Was die Qualität der eingekauften Wirkstoffe angeht, gibt es keine Nachteile. „Die Qualität ist top. Es wird nach von uns vorgegebenen Spezifikationen produziert. Unsere Kontrollmechanismen greifen. Wir prüfen genau“, erläutert der COO. Die Produkte seien teilweise drei- bis vierfach von unterschiedlichen Behörden auditiert.
Monatelange Produktion durch Reserven
Und sobald es bei sämtlichen Lieferketten auf Schlag Einbrüche gebe, können die medac-Produktionsstätten in Wedel, Brünn, Tornesch und Dessau trotzdem noch monatelang mit den Reserven aus den Sicherheitsbeständen weiterarbeiten. Für bestimmte Medikamente hortet medac Materialien für drei Jahre. „Wir werden keine Krebstherapie unserer Medikamente gefährden, selbst wenn sie lange dauern sollte. Das hat nichts mit ‚Geld verdienen wollen‘ zu tun, das ist eine Frage der Ethik“, sagt Dr. Matschke.
Stetig besser, stetig sicherer werden – das ist das Ziel von Dr. Matschke und seinem Team. Und wieder einmal ist es die Bürokratie, die das erschwert. Beispielsweise habe auch der „Green Deal“ der EU riesigen Aufwand bedeutet. Innerhalb von drei Jahren gab es von allen politischen Ebenen Hunderte von Gesetzesinitiativen – sie alle mussten von medac geprüft werden, inwieweit sie für das Unternehmen relevant sind.
„Wir sind der Stadt Wedel und dem Kreis Pinneberg dankbar“
Während medac und der Rest der Pharmaindustrie mit den Behörden auf EU-Ebene so ihre liebe Müh‘ haben, gibt es Lob für die lokalen Behörden. „Wir sind der Stadt Wedel und dem Kreis Pinneberg dankbar für deren Unterstützung“, so der COO. Das gelte beispielsweise für Genehmigungen an Bauten. In Tornesch soll beispielsweise Roboter-Technik installiert werden, um die Fertigung von PEN-Systemen für Medikamente weiter zu automatisieren. In Dessau werden neue Produktionsgebäude errichtet – eine millionenschwere Investition für die sichere Verfügbarkeit von medac-Produkten.
Zur Versorgungssicherheit trägt nach Angaben des Chief Operating Officer auch der Faktor „Mensch“ bei: „Wir brauchen gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und um die zu bekommen, brauchen wir super Kitas und Schulen in der Nachbarschaft. Und gute Bildungseinrichtungen bringen gute Fachkräfte hervor.“
Das gilt für Wanne-Eickel ebenso wie für die Stadt mit dem Lokal, das Schiffe begrüßt.







