Der „Trucker-Treff“ macht dicht

Am kommenden Freitag serviert Armin Zeier die letzten Currywürste

Published21. Februar 2026

AuthorJörg Frenzel

Armin Zeier mit Currywurst

Trucker-Treff zeier abschied (29)(1)

22 Jahre Currwurst in Wedel gehen für Armin Zeier zuende..

Alles hat ein Ende, nur die (Curry-)Wurst hat zwei. Für Fans jenes unverzichtbaren Snacks samt Pommes Schranke wird der kommende Freitag in Wedel der düsterste seit Menschengedenken. Denn Armin Zeier schließt an diesem Tag seinen Imbiss „Trucker-Treff“ an der Industriestraße. Für immer. Die kleine Brater-Bude muss dem Neubauprojekt auf dem ehemaligen Ytong-Gelände weichen. Denn der „Trucker-Treff“ hat seinen Standort nur gemietet.

Mit der Currywurst werden das legendäre Gulasch (Silberplatz auf der Essens-Hitliste), das Pfannengyros, die Schnitzel, die Mettbrötchen und alles andere verschwinden, das die Vor-Döner-Generation so liebt.

Und es wird auch das Zweit-Zuhause fehlen, der Ort, an dem sich Genuss-Freundinnen und Freunde aus allen Firmen, Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten trafen. Wo sie vor, während und nach dem Schlemmen schnacken konnten, über Fußball, Frauen, Männer und Politik mehr oder weniger wild diskutieren konnten, ohne dass irgendeine Sprachpolizei scherzhaft-sarkastische Spitzen oder die Bestellung von „Zigeunerschnitzel“ monierte. Denn weil alle wussten, dass damit nur die Soßen-Schärfe des frittierten Schweine-Teils gemeint war. Bei Armin nämlich waren jeder und jede willkommen, gleich welcher Nationalität, Herkunft, welchen Glaubens, Geschlechts und welcher Fußball-Club-Vorliebe. Hier vertrugen sich alle mit allen. So schließt mit dem „Trucker-Treff“ ein Ort des guten Zusammenseins von Menschen über alle Unterschiede hinweg.

Wurst im Stadion

Über den Fußball kam Armin Zeier vor unzähligen Jahren auch zur Braterei. Ein Freund betrieb im Frankfurter Waldstadion einen Imbiss – und Armin, natürlich auch Eintracht-Anhänger, half aus. Denn der Job als Busfahrer unter der Woche war doch eher Broterwerb als Leidenschaft. Und als der Frankfurter vor 22 Jahren zu seiner Freundin nach Wedel zog, sprach er bei einem mittäglichen Besuch den damaligen Besitzer an: „Kennst du nicht einen, der so einen Imbiss verkaufen will?“ Die Antwort: „Ja, mich!“

Stammgast Stephan "Stevie" Czerwinski schwört auf Armins Gulasch - er wird es vermissen.

Stammgast Stephan“Stevie“ Czerwinski schwört auf Armins Gulasch – er wird es vermissen.

Seitdem hat Armin unzählige dieser Seelentröster im Naturdarm geritzt, erhitzt, mit fruchtig-scharfem Topping und einer kräftigen Prise Curry bestäubt und bestimmt Millionen von Pommes in der Fritteuse versenkt, um sie hernach mit Paprika-Salz bepudert pur oder rot-weiß anzurichten. Und er hat seine Erfahrungen mit Behörden gemacht. Einem plietschen Prüfer des Finanzamtes beispielsweise fiel auf, dass die aus einem Ketchup -Eimer per Löffel ausgegebenen Portionen nicht zu den Auflistungen der Pommesportionen passte und viel weniger Ketchup quittiert worden sein musste. Armin musste den Möchtegern-Sherlock darauf aufmerksam machen, dass die rote Sauce bei allen Currywürsten Standard und somit im Preis inkludiert ist – so viel zu den Kenntnissen der Lebenswirklichkeit mancher Finanzbeamter. Und eine Mitarbeiterin der Stadt fragte kurz nach der Eröffnung nach, wie denn die beiden Toiletten aufgeteilt seien: Männlein/Weiblein oder Personal und Gäste? Zum Glück entschied sich Armin aus dem Bauch heraus für Personal/Gäste und die Stadtbeamtin konnte nur sagen: „Gut. Sonst hätten Sie ein drittes Klo bauen müssen.“

All das sind Geschichten aus der Geschichte, von denen viele ähnliche während Armins Fünf-Tage-Woche zu hören waren und von denen man nicht weiß, wo sie fürderhin erzählt werden.

Interieur gegen Spende für WeKi abzugeben

Armin wird jedenfalls keinen weiteren Imbiss aufmachen, sondern das Interieur von Porzellan bis Plastikstühlen gegen Spende an Weki abgeben, der Initiative für Mahlzeiten für bedürftige Kinder. So bleibt er bestimmt auch eingefleischten Veganern in guter Erinnerung. Denn Armin ist jetzt 65, fast rentenreif. Die kurze Zeit bis zum Bezug der Altersbezüge wird er „irgendwo arbeiten“. Angebote hat er reichlich – von seinen Kundinnen und Kunden. „Viele von ihnen sind für mich viel mehr. Sie sind Freunde!“, Spricht’s, reicht Currywurst Pommes über den Tresen und haucht die magischen Worte mit seinem leicht Frankfurter Akzent: „Gudn Abbedid!“

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