Barbershops und Friseure in Wedel – zum Haare raufen?
Hauptzollamt: "Friseurgewerbe von Schwarzarbeit besonders betroffen"
14. Juli 2026
Jörg Frenzel

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Kurz oder lang - gepflegt müssen Haare sein. Ein Friseur bei der Arbeit. Foto: pixabay
Nein, in Wedel muss nun wirklich niemand mit zu langen, fettigen Strubbel-Haaren oder zerzaustem Bart herumlaufen. Denn allein in der Bahnhofstraße und deren näherer Umgebung tummeln sich 15 Friseur-Salons und Barbershops. Und nach Information von Wedel-Klartext soll demnächst im ehemaligen Optiker-Geschäft gegenüber den Welau-Arcaden noch ein weiterer Friseur/Barbershop eröffnen. Verboten und amtlich zu verhindern ist das nicht. In Deutschland herrscht Gewerbefreiheit.
Kann das alles mit rechten Dingen zugehen? Das Hamburger Abendblatt berichtete über haarsträubende Zustände in der großen Nachbarstadt: „Friseure schlagen Alarm wegen Barbershops in Hamburg – „unlauterer Wettbewerb“. Wie sieht die Lage in Wedel aus? Wedel-Klartext wollte es haargenau wissen und schaute bei den Scheren-Zauberinnen und Zauberern vorbei.
- Die Drei vom „Royal Friseur“ Asaad al Mandil (v. l.), Meister Mohammed Matini und Ammado Ag. Fotos: Frenzel
- Günay Arslan: „500 Meter Pflicht-Abstand zwischen zwei Salons – das wäre sehr gut.“
Verdacht: Da wird Schwarzgeld gemacht
Eine Vermutung wabert immer wieder um Stammtische und durch Kaffee-Kränzchen: Da wird Schwarzgeld gemacht! Schilder an der Ladentür „Keine Kartenzahlung“ wie bei „Star Cut“ im Wedeler Bahnhof stützen solche Thesen – auf Nachfrage konnte dies dort nicht geklärt werden. „Chef ist in Urlaub“, so einer der dort Arbeitenden. 30 Meter entfernt beim „Dilan Friseur“ mochte beim Besuch auch niemand auf Fragen Auskunft geben – „Chef ist nicht da, ich bin nur der Bruder.“
Zwar war auch in „Gentlemens Corner“ an der Bahnhofstraße der Chef nicht anwesend, aber Mitarbeiter Basel Mohammed versicherte, dass dort alle Gesetze beachtet werden. Es gebe auch den behördlich geforderten Meister – nur sei er leider nicht da.
Friseur: „Mehrere Läden machen Markt enger“
Sefa Kinik, Inhaber von „Sefa’s Barberstyle & Haircut“, berichtete ebenfalls von einem meisterlichen Mitarbeiter. Auch wenn der nicht ständig anwesend sei, seien seine in 14 Jahren erworbenen vielen Stammkunden zufrieden. Man sei wie „eine Familie“ . Deshalb wagte auch er sich in diesem Jahr in die Selbstständigkeit.
- Meisterin Hatice Yüksel: „Es ist traurig, dass in der Branche so viel zugelassen wird.“
- Meisterin Jessica Borgards, Onur Sükmen und Abdullah Cikray vom Friseursalon Wedel.
Beim „Royal Friseur“ an der Feldstraße hängt der Meisterbrief von Mohamed Matini. Zusammen mit seinen Kollegen Ammaro Ag und Asad al Mandil kümmert er sich ums Kürzen, Waschen, Legen und hat auch Dauerwellen für Damen im Programm – denn Matini war strebsam, als er nach Deutschland kam. Er machte erst seine Ausbildung und dann den Meister. Begeistert sind die Drei nicht, dass die Zahl der Figaros steigt. „Mehrere Läden machen den Markt enger. Aber wir kommen klar“, sagen sie und nennen auch einen Grund: Durch die modernen Frisuren mit vielen ganz kurzen Haarpartien müssten deren Träger einfach öfter diesen Service in Anspruch nehmen.
Meisterbrief nur bei der Anmeldung notwendig?
Jessica Borgards, Meisterin vom „Friseursalon Wedel“, die selbstständigen Friseurmeisterinnen Gülay Arslan und Hatice Yüksel sowie Petra Hanke von „Hair Hanke“ sind da anderer Meinung. Mehr oder weniger deutlich sprachen sie sich gegen die wachsende Anzahl der Betriebe aus. Auch Anna vom „Putzbüdel“ und Meisterin Katharina Blaschke von „Trend Cut“ sind von der jetzigen Situation nicht begeistert.
Und zu hören sind in der Branche zumindest bohrende Vermutungen: Ob mancher im Wettbewerb es mit dem Mindestlohn genau nehmen kann, sei ungewiss. Rechnerisch könne das schwierig werden angesichts laufender Kosten wie Miete und der vielen Auflagen. Meisterbriefe müssten meist nur bei der Anmeldung nachgewiesen werden – danach werde nie wieder kontrolliert, ob so ein Meister auch die geforderte Hälfte der Öffnungszeiten anwesend ist.
- Petra Hanke von „Hair Hanke“: „Es wird kaum kontrolliert, ob auch wirklich Meister in einem Salon arbeiten.“
- Katerina Blaschke von „Trend Cut“: „Wenn man seine Fachkräfte ordentlich bezahlen will, kann man preislich mit vielen Anbietern nicht mithalten.“
Zoll: Friseurgewerbe von Schwarzarbeit besonders betroffen“
Die Bezahlung ist in der Barber- und Friseurbanche eine heikle Angelegenheit. Das bestätigt auch die amtliche Stelle, das Hauptzollamt Itzehoe: „Die Bedeutsamkeit liegt im § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz, wonach das Friseurgewerbe zu den von der Schwarzarbeit besonders betroffenen Branchen gehört. Zu den Prüfungsschwerpunkten gehört unter anderem die Einhaltung des Mindestlohnes, die Meldung zur Sozialversicherung und die illegale Beschäftigung von Ausländern ohne erforderlichen Aufenthaltstitel sowie die im § 2a SchwarzArbG genannte Mitführungspflicht von Ausweispapieren und die nach dem Mindestlohngesetz erforderliche Stundenaufzeichnungspflicht“, teilte das Amt auf Anfrage von Wedel-Klartext mit.
Auf die enthüllten Hamburger Verhältnisse angesprochen, teilte der Zoll mit, dass für Schleswig-Holstein keine generelle Aussage getroffen werden könne. Zur Anzahl von ermittelten Delikten könne man aber nichts sagen und „grundsätzlich nichts“ zu Prüforten und Ergebnisse, weil die jeweiligen Ergebnisse dem Sozialdatenschutz unterlägen. Die Behörde teilte nur allgemein mit: „Der Zoll prüft weiterhin in allen Bereichen und passt seine Prüfungsstrategie an die erforderlichen Gegebenheiten an. Bei der Auswahl der Unternehmen erfolgen die Prüfungen risikoorientiert, hinweisbezogen und verdachtslos.“
Das sagt die Obermeisterin
Vivien Nielsen betreibt nicht allein seit zwölf Jahren ihren Salon „Haar Schnitt“ in Wedel, sondern ist auch Obermeisterin der Friseurinnung Westholstein. Wie bewertet sie die Anzahl der Salons? „Grundsätzlich freue ich mich über jedes Unternehmen, das unser Handwerk stärkt und hochwertige Dienstleistungen anbietet. Konkurrenz gehört zu einer funktionierenden Marktwirtschaft und belebt das Geschäft. Allerdings ist die Dichte an Friseur- und Barberbetrieben in Wedel mittlerweile sehr hoch. Entscheidend ist aus meiner Sicht jedoch nicht die Anzahl der Betriebe, sondern dass alle unter denselben Voraussetzungen arbeiten und die gleichen gesetzlichen und handwerklichen Standards einhalten. Wenn Qualität, Fachwissen und Service im Mittelpunkt stehen, profitieren am Ende alle – die Betriebe ebenso wie die Kundinnen und Kunden. Problematisch wird es dort, wo ausschließlich über den Preis konkurriert wird und gesetzliche oder handwerkliche Standards in den Hintergrund geraten“, sagt sie.
- Sefa Kinik sieht seine Kundschaft als Familie. Nach 14 Jahren als Angestellter machte er sich im Frühjahr selbstständig.
- Obermeisterin Vivien Nielsen: „Ich wünsche mir, dass Qualität, gute Ausbildung und faire Wettbewerbsbedingungen im Mittelpunkt stehen.”
Es gebe viele hervorragend geführte Friseursalons und auch Barbershops, die professionell arbeiten und großen Wert auf ihre Kundschaft legten. Jedoch lägen die Unterschiede häufig in der Qualifikation der Mitarbeitenden, der Beratung, den Hygienestandards, der Ausbildung, der Qualität der eingesetzten Produkte und dem Umfang der angebotenen Dienstleistungen. Vivien Nielsen: „Für Kundinnen und Kunden ist das oft nicht sofort erkennbar. Ein guter Friseurbesuch besteht aus deutlich mehr als nur einem schnellen Haarschnitt. Individuelle Beratung, fachliches Know-how und die passende Empfehlung für den jeweiligen Kunden machen letztlich den Unterschied.“
Und inwieweit leidet die Branche unter „schwarzen Schafen?“ Die Obermeisterin: „Wie jede Branche lebt auch das Friseurhandwerk von fairen Wettbewerbsbedingungen. Betriebe, die Steuern zahlen, Sozialabgaben leisten, ihre Mitarbeitenden korrekt beschäftigen, ausbilden und sämtliche gesetzlichen Vorgaben erfüllen, tragen eine große Verantwortung. Wenn einzelne Unternehmen diese Regeln nicht einhalten, entsteht ein Wettbewerbsnachteil für diejenigen, die sich korrekt verhalten. Wenn einzelne Unternehmen diese Regeln nicht einhalten, entsteht ein Wettbewerbsnachteil für diejenigen, die sich korrekt verhalten.“















