Auftragsschub für VINCORION – Fachkräfte gesucht

Mehr als 100 Millionen Euro Umsatz sicherte sich das börsennotierte Unternehmen allein im Juni.

Published3. August 2026

AuthorJörg Frenzel

Zwei Militärfahrzeuge werden mit Horchgeräten auf einer Anhöhe positioniert. Vier Soldaten stehen am Rand der Fahrzeuge.

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Komponenten für die Stromversorgung produziert Vincorion unter anderem für die Luftabwehrsysteme vom Typ „Patriot“. Foto: Vincorion

Unternehmen aus der Verteidigungstechnik haben es nicht einfach. Selbst über große Erfolge können sie nur in homöopathischen Dosen berichten – denn in der Branche steht Vertraulichkeit ganz oben an. Man will es gegnerischen oder sogar feindlichen (und manchmal wohl auch befreundeten) Mächten nicht leichter machen als nötig. So verkündete die Wedeler Technologieschmiede VINCORION nun für den Juni satte Auftragseingänge in Höhe von 100 Millionen Euro.

„Stromerzeuger“ und „Stabilisierungstechnik“

Danach wurde es schon verhaltener: „Zwei große Einzelaufträge stechen hier besonders hervor: Im Bereich Energiesysteme konnte ein Großauftrag in Höhe von 20 Millionen Euro für Stromerzeuger von bodengebundenen Luftverteidigungssystemen gezeichnet werden“ und „Gleichzeitig wurde im Segment Fahrzeugsysteme ein Großauftrag über 54 Millionen Euro für Stabilisierungssysteme gepanzerter Fahrzeuge finalisiert“, teilte das Unternehmen mit.

Auf Nachfrage von Wedel-Klartext verriet das Unternehmen lediglich, dass es sich um „Kunden aus Europa“ handele, wies dann aber sehr freundlich doch eindeutig darauf hin, dass mehr Details zu Produkten und Kunden beim besten Willen nicht preis gegeben werden können.

Also bleiben Vermutungen. „Stromgebundene Luftverteidigungssysteme“ – aus der Vergangenheit ist bekannt, das VINCORION Komponenten für das „IRIS T“ System und das „Patriot“-System baut, das derzeit in der Ukraine und im Mittleren Osten die Raketen Russlands und des Irans ziemlich zuverlässig vom Himmel holt.

Panzer

Allein 105 Kampfpanzer „Leopard 2 A8“ sollen für die Bundeswehrbrigade in Litauen beschafft werden – in allen kommen Stabilisierungssyteme aus Wedel zum Einsatz. Foto: KNDS

In Wedel erfundene Spitzentechnologie

„Stabilisierungssysteme gepanzerter Fahrzeuge“ – dahinter verbirgt sich eine etwa in den 80er Jahren in Wedel erfundene Technologie, die Geschützrohre in einem festen Winkel halten, so wild das Fahrzeug, in dem sie verbaut sind, während der Fahrt durchs Gelände auch schaukeln mag.  Im Kampfpanzer Leopard II ist dieses System beispielsweise eingesetzt – die Bundeswehr war mächtig stolz, diese Technik zuerst zu haben und hat das sogar in einem Video kommuniziert. Aber dem Vernehmen nach werden die Systeme auch in Tanks von alliierten Nationen verbaut, in den USA, Großbritannieen und Israel. Auch die „Panzerhaubitze 2000“ und der Schützenpanzer „Puma“ sind so ausgestattet.

Der Chef des Unternehmens jedenfalls ist über die Auftragsentwicklung begeistert. „Diese Aufträge sind ein klares Signal: Unsere Expertise in der Energieversorgung komplexer Verteidigungssysteme ist weiterhin stark gefragt – und das auf europäischer Ebene“, sagt Kajetan von Metzingen, CEO VINCORION SE. „Wir freuen uns darauf, mit unseren Energieversorgungsmodulen einen konkreten Beitrag zur Sicherheit Europas zu leisten.“

Viele Jobs frei

Wachsendes Geschäft zieht eine wachsende Belegschaft nach sich. „An unseren vier Standorten in Deutschland und den USA arbeiten derzeit etwas mehr als 1.000 Beschäftigte, davon rund 600 Kolleginnen und Kollegen am Hauptsitz in Wedel. Wir rechnen dabei mit einem Personalzuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich pro Jahr. Im ersten Halbjahr 2026 haben wir fast so viele Menschen eingestellt wie im gesamten letzten Jahr“, erläuterte eine Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsabteilung auf Nachfrage von Wedel-Klartext. Und: „Dafür sind wir auf der Suche nach hochqualifizierten Fachkräften. Am Standort Wedel sind beispielsweise Entwicklungsingenieure, Spezialisten für Leistungselektronik oder Antriebstechnik gefragt. Die Gewinnung von Fachkräften gelingt uns bisher jedoch sehr gut. Uns erreicht eine Vielzahl von Bewerbungen mit spannenden Profilen, im vergangenen Jahr waren es rund 10.000 Zuschriften.“ Auch Quereinsteiger würden gern genommen – eine Chance auch für freigesetzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der gebeutelten Autoindustrie.

Investments am Standort Wedel

Der Aufschwung von VINCORION strahlt auch auf andere Unternehmen in der Region aus. Die Unternehmenssprecherin:  „Das Unternehmenswachstum geht mit Investitionen an unseren Standorten einher. Wir haben einen Werksentwicklungsplan, den wir schrittweise umsetzen. Um den erhöhten Flächenbedarf in Wedel gerecht zu werden, haben wir kürzlich eine Halle auf dem Areal neu dazu gemietet. Weitere Hallen und Räumlichkeiten sind in Planung. Für den Umbau arbeiten wir mit Firmen aus der Region und Wedel zusammen. Genaue Zahlen können wir jedoch nicht nennen.“ Da war sie wieder, die Geheimniskrämerei von Unternehmen aus der Verteidigungstechnik…

 

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