400.000-Euro-Job gesichert – Marc Cybulski wiederbestellt
Ratsversammlung bestätigte den Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Wedel bis 2032 - seine Vergütung im vorigen Jahr: 413.975,76 Euro
18. September 2026
Jörg Frenzel

Marc Cybulski Stadtsparkasse Wedel(1)
Einstimmig bestellte der Wedeler Rat Marc Cybulski erneut zum Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Wedel. Foto: Frenzel
Marc Cybulski kann ziemlich beruhigt in seine wirtschaftliche Zukunft schauen. Seit knapp 20 Jahren ist er Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wedel – und das könnte auch bis 2032 so bleiben. Einstimmig bestätigte die Wedeler Ratsversammlung „die (Wieder-)Bestellung von Herrn Marc Cybulski zum Vorstandsmitglied sowie zum Vorstandsvorsitzenden“. In der entsprechenden Vorlage BV/2026/066 ist unter „finanzielle Auswirkungen“ ein „nein“ angekreuzt. Das gilt allerdings nur für die Stadtkasse, denn es ist das Geldinstitut, das seinen Angestellten bezahlt: im vorigen Jahr mit 413.975,76 Euro.

Diese Oberfläche zeigt sich, wenn man die Datenbank ansteuert.
Das geht aus der Datenbank des Landes Schleswig-Holstein zur Vergütungsoffenlegung hervor, in der die Bezüge von Mitgliedern der Geschäftsführungs- und Aufsichtsorgane von Unternehmen der öffentlichen Hand aufgelistet sind. Das entsprechende Gesetz war 2015 vom Land beschlossen worden, um Schutz vor unverhältnismäßig hohen Gehältern und Boni zu bieten und um Transparenz über die Verwendung öffentlicher Gelder zu schaffen.
Die 413.975,76 Euro für Cybulski setzten sich in 2025 aus zwei Komponenten zusammen: Zum einen stammten sie aus den erfolgsunabhängigen Bezügen und Leistungszusagen in Höhe von 339.559,32 Euro und zum anderen aus erfolgsabhängigen Leistungszusagen in Höhe von 74.416,44 Euro.
Auch auskömmliche Rente
Falls Cybulski nach dem Erreichen der Altersgrenze mit 68 Jahren regulär in den Ruhestand geht, erwarten ihn – wie aus der Datenbank des Landes ebenfalls zu sehen ist – Stand 2025 Bezüge, mit einem Barwert 4.873.779 Euro. Das heißt aber jetzt nicht, dass er an seinem letzten Arbeitstag gleich noch einmal rund 4,8 Millionen Euro aufs Konto bekommt. Denn: „Der ,Barwert‘, auch Gegenwartswert genannt, ist ein grundlegender Begriff aus der Finanzmathematik. Der Barwert ist der Wert, den zukünftige Zahlungen in der Gegenwart besitzen. Er wird durch Abzinsung der zukünftigen Zahlungen und anschließendes Summieren ermittelt“, lehrt Wikipedia.
Das Finanzministerium als zuständige Behörde für das Vergütungsoffenlegungsportal ergänzte auf Anfrage von Wedel-Klartext: „Maßgeblich ist daher das Geschäftsjahr, in dem die Zusage erfolgte, wohingegen die Auszahlung beispielsweise einer Altersvorsorge erst in der Zukunft erfolgt. Der zugesagte Betrag muss daher auf die durchschnittliche Bezugsdauer beziehungsweise Lebenserwartung berechnet und abgezinst werden. Daher lässt sich aus der Veröffentlichung nicht sagen, ob es sich um eine Einmalzahlung oder eine wiederkehrende, beispielsweise monatliche Rentenzahlung handelt“, so das Ministerium. Verantwortlich für die im Vergütungsoffenlegungsportal veröffentlichten Daten seien die Unternehmen selbst.

Die Datenbank-Einträge 2025 für den bestätigten Vorstandsvorsitzenden auf einen Blick.
Und der in Rede stehende Barwert als Grundlage für künftige Bezüge ändert sich. Bei Beginn der Datenbankaufzeichnung im Jahr 2020, waren es für Marc Cybulski 2.400.654 Euro gewesen. Im Jahr 2023 betrug die Summe schon 4.330.178 Euro und 2024 dann 4.602.938 Euro. Dafür hat das Wedeler Geldinstitut im vorigen Jahr 270.841 Euro aufgewendet oder zurückgestellt. Der Barwert wächst also weiter auf. In der Zeile „Bezüge bei vorzeitiger Beendigung“ wurden im vorigen Jahr 218.774,40 Euro ausgewiesen.
Bürgermeisterin begrüßt Entscheidung
Wedels Bürgermeisterin und Verwaltungsratsvorsitzende der Stadtsparkasse, Julia Fisauli-Aalto, begrüßte in einer Pressemitteilung des Geldinstituts die Entscheidung der Wieder-Bestellung. Die Verwaltungschefin schreibt: „Ich freue mich sehr, dass der neue Vertrag einstimmig beschlossen wurde. Mit der erneuten Bestellung von Marc Cybulski als Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wedel setzen wir auf Kontinuität, strategischen Weitblick und eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Führung. Besonders schätze ich seine verbindliche und menschlich zugewandte Art sowie seine Fähigkeit, Vertrauen zu schaffen und Menschen für gemeinsame Ziele zu gewinnen. Wir sind überzeugt, mit ihm an der Spitze die erfolgreiche Entwicklung unserer Sparkasse konsequent fortzusetzen und zugleich die richtigen Weichen für die Herausforderungen der kommenden Jahre zu stellen.“
„Nachrangige Schuldverschreibung“
Lang wirkende Weichen hatte Cybulski auch schon in seiner bisherigen Tätigkeit gestellt. Er gilt als einer der Architekten der „nachrangigen Schuldverschreibung“, welche die Stadt im Jahr 2014 beschlossen hatte. Zehn Millionen Euro flossen einmalig aus dem hauptsächlich durch Steuergelder finanzierten städtischen Haushalt in Richtung Geldinstitut. Ziele: Stärkung des Eigenkapitals der Stadtsparkasse einerseits und zusätzliche Erträge für den Stadt-Haushalt andererseits.
Dafür soll die Stadt jährlich Zinszahlungen in Höhe von 600.000 Euro erhalten – allerdings „nach eigenem Ermessen“ der Sparkasse. Im Klartext: Sie kann zahlen, muss aber nicht. In 2023 und 2024 blieben Zinszahlungen aus. In 2025 wurde aber wieder gezahlt. Der ehemalige CDU-Fraktionschef und stellvertretende Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses Jan Lüchau hat auf der Seite wedel-politik.de dieses Geschäft ausführlich beleuchtet.
Aber selbst, wenn die Stadt dieses Geschäft beendigen wollte, um die zehn Millionen Euro wieder dem angespannten Etat zuzuführen, könnte sie es nicht. Auf wedel-politik.de heißt es: „Die Entscheidung über die Beendigung der Anleihe liegt bei der Stadtsparkasse Wedel. Die Schuldverschreibung hat kein festes Endfälligkeitsdatum und kann von der Stadtsparkasse jederzeit, vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörde, gekündigt und zurückgezahlt werden. Die Stadt Wedel ist jedoch nicht berechtigt, die Schuldverschreibung zu kündigen.“
Zinsen an die Stadt teils nicht gezahlt – Zusatzleistungen an Marc Cybulski aber immer
Episode am Rande: Die Stadt erhielt 2023 keine Zinszahlung. Cybulski hatte im Januar 2023 bei der Frage des Wedel-Schulauer Tageblattes nach dem Grund dafür selbst erklärt: „Uns geht es hervorragend, wir sind eine starke Sparkasse. Aber es gibt eben auch mal Jahresüberschüsse, wo so eine Zahlung nicht möglich ist.“
Also: Einerseits sei es der Stadtsparkasse „hervorragend“ gegangen, aber trotzdem offensichtlich so schlecht, dass für die Stadt kein Geld drin war – und andererseits war die Lage immerhin wohl so, dass für Marc Cybulski selbst „erfolgsabhängige Zusatzleistungen“ weiterhin leistbar waren. Laut des Portals bekam er seit 2020 in jedem Jahr eine „erfolgsabhängige Zusatzleistung“ in Höhen zwischen rund 40.000 und 87.000 Euro.
Und der Vollständigkeit halber hier aus der Datenbank des Landes die Aufwendungen der Stadtsparkasse Wedel für Cybulskis Vorstandskollegen Florian Graßhoff, ebenfalls jüngst vom Rat bestätigtes Vorstandmitglied: in 2025 erfolgsunabhängige Bezüge: 255.373,24 Euro plus erfolgsabhängige Bezüge: 47.626, 52 Euro. Zugesagte Bezüge nach Beendigung der Tätigkeit: 0,00 Euro.
Auch die Zahlungen des Geldinstitutes an die Verwaltungsratsvorsitzende Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto und die anderen Mitglieder, die zum Teil aus dem politischen Raum stammen, sind in der Datenbank dokumentiert.







