Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln

Published27. März 2026

AuthorJörg Frenzel

Kommentar zu: CDU fällt um – Haushalt steht

Nun ja, es gibt sowohl gute Gründe für als auch gegen einen Doppelhaushalt. Gleiches gilt für einen Personal-Einsparkorridor, der der Verwaltung aufgewiesen wird. Man kann beides argumentieren – nur sollte man das verlässlich tun. Das ist ganz offensichtlich in der Wedeler CDU-Fraktion nicht der Fall. Erst bekommt der Vorsitzende Jan Lüchau den Auftrag, eine gemeinsame Linie mit WSI und FDP auszuhandeln. (Dass da Kompromisse mit den anderen erforderlich sind, dürfte allen klar sein.) Dann hat er die politischen Wettbewerber mit im Boot, kommt zurück in die Fraktion – und dann heißt es: April, April.

Also: Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln. Das ist erheblich misslich, denn die CDU setzt das Wichtigste aufs Spiel, worauf Politiker achten sollten: die Glaubwürdigkeit. Dass so etwas für Ärger sorgt, sollten Christdemokraten eigentlich gelernt haben, nachdem der Kanzler sich für neue Schulden entschied, die er zuvor vehement ablehnte.

Sicher, niemandem darf verwehrt werden, sich aufgrund neuer Fakten umzuentscheiden, denn die Welt dreht sich schließlich auch weiter. Aber bei Wedels CDU-Fraktion drängt sich der Eindruck auf, dass Richtungsentscheidungen davon abhängen, wer gerade in den Fraktionssitzungen anwesend ist – das gilt für  Ratsmitglieder mit unterschiedlichen Meinungen und Affinitäten oder auch, ob die Parteifreundin Bürgermeisterin gerade vorbeischaut oder nicht.

Und misslich ist das Umfallen auch aus einem weiteren Grund: Ein Fraktionsvorsitzender hat dann doch noch einen zeitaufwändigeren, härteren Job als Otto Normalratsmitglied. Jan Lüchau wurde von seinen eigenen Leuten bloß gestellt. So etwas hat niemand verdient, gleich aus welcher Partei. Sollte er das tun, was Kollegin Drewes von der WSI bekundete, in einer solchen Situation zu tun, nämlich „hinschmeißen“, wird es eng für die Fraktion. Denn der einzige, der sowohl die Erfahrung als auch die Autorität mitbringen würde, das Amt wirkungsvoll – in welche Richtung auch immer – auszuüben, wäre Jan Lüchaus Namensvetter Jochen Lüchau. Ob der Unternehmer die Zeit und die Motivation hat, sich das anzutun, scheint mehr als fraglich.

 

 

 

 

 

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