Raus aus der Schlossallee!

Published9. Mai 2026

AuthorUwe Heitmann

Kommentar zu „Bis zu 168.000 Euro für Fitness der Verwaltungs­mitarbeiter?“
Residieren wie in der Schlossallee, obwohl es nicht mal mehr für die Miete in der Badstraße reicht. Kaum anders als mit diesem Monopoly-Vergleich lässt sich der Verwaltungs-Vorstoß für den Mitarbeiter-Fitness-Zuschuss einordnen. Während die Schuldenuhr unaufhörlich in Richtung 150 Millionen Euro tickt, wünscht sich Wedels Rathaus-Führung einen neuen Wohlfühl-Bonus im möglichen sechsstelligen Bereich für das eigene Team. Wer ist da wo falsch abgebogen?

Erinnern wir uns: Gerade mal zwei Monate ist es her, dass Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto (CDU) die Stadt in ihrer Ruck-Rede auf einen strikten Sparkurs einschwor. Die nächsten Jahre würden „hart“ werden, und es werde „weh tun“. Kurz: „Unser Kompass sollte auf einen einzigen Punkt ausgerichtet sein: Haushaltsausgleich!“ Doch kaum sind die heiligen Eide verklungen, da ist ihr die Peilung offenbar schon wieder verloren gegangen. Wie kann man sonst auf die Idee kommen, kurz darauf erst einmal die Rathaus-Mannschaft zu beglücken – während für Vereine, Verbände und andere Ehrenamtler in Zukunft Schmalhans Küchenmeister sein wird?

Schon fast hütchenspielerisch wirkt dabei das einschmeichelnde Argument, es würde dafür ja gar kein neues Geld ausgegeben. Bitte? Wenn aus einem alten Haushaltsansatz 125 000 Euro nicht gebraucht werden, dann ist es angesichts der katastrophalen Finanzlage geradezu verpflichtend, den Ansatz anzupassen und nicht flugs wieder in den Gönn-Dir-Modus zu verfallen. Zumal ein nicht unerheblicher Teil der städtischen Aufwendungen ohnehin nur noch über Kassenkredite – und somit auf Pump – bezahlt wird.

Um eines klarzustellen: Fitness-Programme können sinnvoll sein. Für die Beschäftigten – und für den, der sie beschäftigt. Doch man muss sich das Bonbon auch leisten können. Und wenn die Verwaltungsspitze darauf verweist, dass etwa Konkurrenten wie die Stadt Pinneberg diese Benefits ebenfalls anbieten, dann sollte sie doch etwas näher an den pekuniären Realitäten entlang argumentieren. Denn: Pinneberg geht es schon schlecht – doch Dispo-Krösus Wedel hat eine noch um mehr als 50 Prozent höhere Pro-Kopf-Verschuldung als der Nachbar.

Es gibt also nichts mehr zu verteilen. Der Rat tut daher gut daran, den Fitness-Bonus – bei allem Verständnis – abzulehnen. Er würde damit auch der Bürgermeisterin einen Gefallen tun. Denn sie war es, die einen großen bürgerlichen Zusammenhalt als Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Kampf gegen den Finanzkollaps beschwor. Dieses Wir-Gefühl erreicht aber nur, wer beim Sparen vorangeht. Also: Wasser predigen ja – aber dann bitte auch für die eigenen Leute!

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