Die Abschiebung der Falschen

Published13. Februar 2026

AuthorUwe Heitmann

Kommentar zu „Syrische Näher: Gut integriert – aber ohne klare Perspektive

Fleißig, freundlich, fit in ihrem Fach – ein viel besseres Zeugnis kann man den beiden Nähern in Holm nicht ausstellen. Dennoch heißt es: „Sechs, setzen!“ Und zwar ins Abschiebe-Flugzeug mit Kurs auf ihre Heimat Aleppo. Flinke Finger und herausragende Fähigkeiten reichen eben nicht, um Expertise auch vor dem deutschen Regelwerk sauber nachzuweisen. Es braucht syrische Urkunden, es braucht syrische Stempel – und richtig schön wären natürlich drei syrische Durchschläge.

Ironie aus! Die beiden Näher der Firma Bernhardt Apparatebau sind keine Einzelfälle. Überall in Deutschland klagen Unternehmer über drohende Abschiebungen ihrer asylsuchenden Mitarbeiter, weil deren Qualifikationen nicht anerkannt werden. Und das, obwohl Hunderttausende Fachkäfte fehlen. Landauf, landab mahnen Handels- und Handwerkskammern deshalb mehr behördliche und gesetzliche Flexibilität an, um gut integrierten Asylbewerbern mit festen Jobs ein Bleiberecht zu gewähren. Ohne sie würde nämlich gerade im Mittelstand der Konjunktur-Motor noch stärker stottern. Denn in vielen Berufen ist der Bewerbermarkt wie leergefegt. Im Klartext: Die starren Vorschriften, Verfügungen und Verordnungen wirken wie eine massive Wachstumsbremse.

Außerdem führt der Rigorismus deutscher Regeln zu einem üblen Paradoxon: der Abschiebung der Falschen! Denn während sich offensichtlich viele verurteilte Straftäter durch Tarn-Identitäten, falsche Adressen und andere Tricks dem fälligen Zugriff der Behörden entziehen, sind fleißige Beschäftigte wie die Holmer Näher ein leichtes Ziel: Man kennt ihren Wohnort, man kennt ihren Arbeitsplatz, man kennt ihren Tagesablauf. Fertigmachen zum Abflug!

Gefordert ist also eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik und Behörden, um diese Fehlentwicklung zu stoppen. Es braucht entschlackte Verfahren, um Qualifikation nachzuweisen. Ziel muss es sein, auch jenen Asylsuchenden den Aufenthalt zu ermöglichen, die zwar ausgezeichnete Fähigkeiten besitzen, aber keinen Leitz-Ordner mit abgehefteten Prüfungszeugnissen im Fluchtkoffer hatten. Das wäre im Sinne der Menschlichkeit, der Unternehmen und des Steuerzahlers, denn: Diese Zuwanderer spucken in die Hände und liegen niemandem auf der Tasche.

Zu hoffen ist also, dass sich auch in Holm eine Tür auftut – und die Näher ihrem Bleiberecht näher kommen.

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